19 französische Atomreaktoren haben technische Probleme

Der französische Stromriese EDF hat im Kernkraftwerk Tricastin in der Provence einen Störfall festgestellt. In 18 weiteren Reaktoren liege eine Störung vor, teilte der Energiekonzern am Donnerstag mit.

Immer wieder wegen Störfällen in den Schlagzeilen: Das Kernkraftwerk Tricastin in der Provence.

Immer wieder wegen Störfällen in den Schlagzeilen: Das Kernkraftwerk Tricastin in der Provence. Bild: Keystone

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Der Stromkonzern EDF hat der französischen Atomaufsicht (ASN) gemeldet, dass in den betroffenen 18 Reaktoren ein Fehler an den Stromaggregaten gefunden worden sei. Die Lager der Stromaggregate seien «vorzeitig» abgenutzt und müssten offenbar öfter ausgetauscht werden als bislang, sagte der Betriebsleiter der 58 französischen Reaktoren, Jean-Philippe Bainier, der Nachrichtenagentur AFP. Bislang würden sie alle zehn Jahre gewechselt.

Drei Aggregate betroffen

Weil im Kernkraftwerk Tricastin in der Provence drei Aggregate an zwei Reaktoren betroffen seien und nicht nur ein oder zwei Aggregate wie in den anderen Anlagen, habe die Aufsichtsbehörde dies als Störfall eingestuft. Die Abnutzung der Lager in den übrigen 18 Reaktoren wertete die ASN demnach als Störung, was auf der internationalen Skala für Atomsicherheit eine Stufe unter einem Störfall liegt. Laut EDF wurden die Störfälle in sieben Kernkraftwerken festgestellt, darunter in Gravelines in der Nähe von Dünkirchen am Ärmelkanal.

Von einem Störfall sprechen die Strahlenschutzbehörden, wenn die gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen in einer Atomanlage «begrenzt ausfallen» oder das Personal unzulässig hoher Strahlung ausgesetzt ist. Eine Störung bedeutet gemäss der achtstufigen internationalen Ereignisskala INES eine Abweichung «von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage».

Schon öfters durch Probleme aufgefallen

Die Anlage im südfranzösischen Tricastin, eine der grössten Atomanlagen der Welt, war schon öfter durch Probleme aufgefallen. Im Sommer 2008 liefen sechs Kubikmeter uranhaltige Flüssigkeit aus und gelangten in die Umwelt. Dann verkeilten sich beim Austausch von Brennelementen zwei der uranhaltigen Behälter und drohten wochenlang, auf die anderen Brennstoffcontainer zu stürzen.

Auch 2009 wurden mehrere Zwischenfälle gemeldet. Auf dem 600 Hektar grossen Gelände in der Nähe von Avignon sind Kernkraftwerke, Forschungseinrichtungen sowie Betriebe zur Urananreicherung und Abfallbeseitigung untergebracht. (pbe/AFP)

(Erstellt: 17.02.2011, 21:20 Uhr)

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