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Als Sarkozy an der Mauer kratzte
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Jeder achte will die Mauer aber wiederhaben
Fast 80 Prozent der Deutschen sehen im Mauerfall vor 20 Jahren einen Glücksfall der deutschen Geschichte. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Leipziger Instituts für Marktforschung für die «Leipziger Volkszeitung» (Montagsausgabe). Die Bewertung ist dabei mit 80 Prozent Zustimmung im Osten und 79 Prozent im Westen gesamtdeutsch fast einheitlich. Zwei Drittel der Befragten gaben zudem an, die Einheit sei aus ihrer Sicht gut gelungen. Allerdings sagten zwölf Prozent der Befragten und damit fast jeder achte, die Mauer sollte schnell wieder errichtet werden. Auch hier waren die Prozentsätze mit 13 Prozent im Osten und zwölf Prozent im Westen fast einheitlich. Weitere neun Prozent wollten dazu keine Meinung äussern. Auch sagten 25 Prozent der Ostdeutschen und 28 Prozent der Westdeutschen, die Menschen im jeweils anderen Teil Deutschlands seien ihnen fremd geblieben. Befragt wurden Ende Oktober 1008 repräsentativ ausgewählte Erwachsene in ganz Deutschland.
Sarkozy hat auf seiner Facebook-Seite ein Foto veröffentlicht, das ihn vor 20 Jahren mit einer Spitzhacke an der Mauer in Berlin zeigt. Das Bild entstand demnach am 9. November 1989. Im Text heisst es, Sarkozy sei in Westberlin am Morgen des 9. Novembers angekommen und dann über den Checkpoint Charlie in den Osten gegangen, wo er dann gegen die Mauer geschlagen habe. «Die Wiedervereinigung des deutschen Volkes markierte das Ende des Kalten Krieges und den Beginn einer Periode grosser Freiheit in Europa», schreibt Sarkozy. Er war 1989 34 Jahre alt und ein führender Funktionär in der konservativen Partei RPR.
In Berlin haben am Sonntagabend die offiziellen Feiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls begonnen. Bundestagspräsident Norbert Lammert dankte bei einem festlichen Empfang den europäischen Bürgerrechtlern, die die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas in Gang gebracht hätten. Aus einer Serie von Niederlagen sei der grosse Triumph der Freiheit hervorgegangen. Gastredner bei der Feier im Paul-Löbe-Haus des Parlaments war der Präsident des europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Der frühere polnische Ministerpräsident hatte sich in den 1980er Jahren in der Gewerkschaft Solidarnosc engagiert, die massgeblichen Anteil am Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Europa hatte. «Die Menschen östlich des Eisernen Vorhangs hatten nur ihre grossen Herzen gegen die Panzer, aber sie siegten», sagte er. «Begonnen hat alles vor der Danziger Werft, geendet hat es vor dem Brandenburger Tor.»
Glücklicher Tag
Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den 9. November 1989 in einer Videobotschaft als den glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte. Mit der Maueröffnung sei der Weg für die deutsche Einheit gebahnt worden. «Dieser Tag hat das Leben vieler Menschen verändert - auch mein Leben», betonte Merkel. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel kamen auch zahlreiche Mitglieder der deutschen Regierung und des Parlaments, des diplomatischen Corps sowie Vertreter des gesellschaftlichen Lebens an die Feier.
Auch die Präsidentin der einzigen frei gewählten DDR-Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl (CDU), war dabei, als das Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks die Sinfonie «Eroica» von Ludwig van Beethoven sowie Stücke von Felix Mendelssohn Bartholdy spielte. Bundestagspräsident Lammert erinnerte an die 155 Kilometer lange Mauer rings um Berlin, an der Jahr für Jahr Menschen ums Leben gekommen sind. Mit der Mauer sei nicht nur ein städtebauliches Monstrum beseitigt worden, sondern auch ein Unrechtsstaat.
Höhepunkt am Montag
Zum Höhepunkt der Feiern am Montagabend sollen der ehemalige polnische Gewerkschaftsführer und spätere Präsident Lech Walesa sowie der frühere ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth die ersten der 1000 bemalten Styropor-Dominosteine umstossen und damit die Mauer zu Fall bringen.
Die von Walesa geführte Solidarnosc hatte in den 1980er Jahren die Grundfeste des Kommunismus ins Wanken gebracht. Unter der Regierung Nemeth wurden im Sommer 1989 die ungarisch-österreichischen Grenzanlagen eingerissen.
Zu den Feiern werden neben weiteren Zeitzeugen wie dem früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow unter anderem auch Russlands Präsident Dmitri Medwedew, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown erwartet.
Feiern auch in anderen Ländern
Auch an vielen anderen Orten rund um den Globus gedenken die Menschen des Mauerfalls vor 20 Jahren. Zur grössten Feier ausserhalb von Berlin werden an diesem Montagabend tausende Franzosen auf der Pariser Place de la Concorde erwartet.
Wie in Paris stehen auch die Feiern in London und Los Angeles im Zeichen der Kunst. In der serbischen Hauptstadt Belgrad entsteht eine 40 Meter lange und drei Meter hohe «Berliner Mauer» aus Karton, die dann fallen soll. Ähnliche Aktionen sind in Warschau und in Madrid geplant. (cpm/ap)
Erstellt: 09.11.2009, 09:01 Uhr
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