Amoklauf von Winnenden: Ermittler stehen vor Rätsel

Was wurden nicht alles für Gründe als Ursache der furchtbaren Tat vom 11. März am Gutenberg-Gymnasium mit 16 Toten vermutet – alles nichts. Neues sichteten die Fahnder auf dem Computer des Täters.

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Der Grund für den Amoklauf in Winnenden bleibt auch zehn Wochen nach der Tat unklar: Ein erkennbares Motiv gebe es trotz umfassender Ermittlungen nicht, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth am Freitag in Waiblingen.

Der 17-jährige Tim K. habe alleine gehandelt und sich vorher niemandem offenbart. Er sei auch nicht von Mitschülern gemobbt worden. Allerdings hatte er sich vor dem Amoklauf über vergleichbare Taten in den USA oder in Erfurt informiert, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in einem vorläufigen Ermittlungsbericht erklärten.

Nicht gezielt auf Mädchen geschossen

Dass es sich bei elf der 15 Opfer um Frauen und Mädchen handelte, war den Ermittlungen zufolge von Tim K. offenbar nicht geplant. Er habe sie sich nicht gezielt als Opfer ausgesucht, hiess es.

Bei dem Amoklauf am 11. März erschoss Tim K. an der Albertville-Realschule in Winnenden acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Referendarinnen. Auf der Flucht tötete er einen Mann, später erschoss er in einem Autohaus in Wendlingen zwei Menschen und dann sich selbst.

Interesse an Columbine

Eine Auswertung der Internetaktivitäten brachte Erkenntnisse, dass der 17-Jährige zu Amoktaten in den USA an der Columbine High School und in Deutschland am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt recherchierte. Tim K. verbrachte den Ermittlern zufolge viel Zeit am Computer. Dort spielte er unter anderem Ego-Shooter-Spiele. Aufgrund der Computerauswertung gehen die Ermittler davon aus, dass er zuletzt am 8. März ein Ego-Shooter-Spiel zu Hause spielte.

Nach Angaben der Ermittler stand der Täter nicht unter Drogen-, Alkohol oder Medikamenteneinfluss. In dem vorläufigen Ermittlungsbericht wurde der 17-Jährige als zurückhaltend beschrieben. Der Täter habe kaum Freunde gehabt, er sei andererseits von Zeugen aber nicht als Einzelgänger bezeichnet worden. Die über 50-köpfige Sonderkommission «Schule» überprüfte auch Hinweise, wonach der junge Mann von Mitschülern gemobbt worden sei. Die Hänseleien könnten in ihrer Intensität und Wortwahl als unauffällig und jugendtypisch beschrieben werden, berichteten die Ermittler weiter.

Tim K. feuerte 113 Schüsse ab

Ob der Todesschütze psychisch krank war, steht noch nicht abschliessend fest. Entsprechende Krankenunterlagen müssten noch ausgewertet werden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Weil die Waffe nicht ordnungsgemäss aufbewahrt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den Vater des Amokläufers. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Das Verfahren solle bis zum Herbst abgeschlossen werden, sagte Staatsanwältin Krauth auf AP-Anfrage.

Tim K. gab während des Amoklaufs 113 Schüsse ab. Es seien auch 171 nicht abgefeuerte Patronen an den Tatorten gefunden worden. «Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit stammt auch die Tatmunition aus dem Besitz des Vater», erklärten die Ermittler. Er war Mitglied des örtlichen Schützenvereins. Der 17-Jährige war seit dem Jahr 2000 passives Mitglied. Wie Tim K. letztlich in den Besitz der Munition gelangte, war weiterhin unklar. (cpm/ap)

(Erstellt: 22.05.2009, 13:31 Uhr)

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