Anschläge in Europa: Es sind selten Islamisten

In der EU wurden im vergangenen Jahr 249 ausgeführte oder vereitelte Terroranschläge gezählt. Nur gerade drei davon gehen aufs Konto von Islamisten, wie ein Europol-Bericht zeigt.

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Als in Oslo am vergangenen Freitag eine Autobombe explodierte, waren viele Meinungen schnell gemacht: Islamisten müssten doch dahinter stecken. Als klar wurde, dass die Anschläge von einem rechtsextremen blonden Westeuropäer mit christlich fundamentalistischer Gesinnung verübt worden waren, mussten viele sogenannte Experten über die Bücher gehen.

Der einseitige Fokus auf islamistischen Terror war, wenn man Zahlen von Europol betrachtet, schon vor dem Attentat von Oslo nicht gerechtfertigt. So wurden vergangenes Jahr in der EU 249 versuchte, vereitelte oder durchgeführte Terroranschläge gezählt. Islamisten sind für drei davon verantwortlich.

Die islamistischen Aktivitäten

Konkret geht es um den versuchten Anschlag eines Somaliers auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard am 1. Januar 2010, eine durch einen Tschetschenen verursachte Explosion auf einer Hoteltoilette in Kopenhagen am 10. September und zwei Explosionen im Zentrum Stockholms am 11. Dezember.

Von 611 verhafteten Terrorverdächtigen haben 179 einen islamistischen Hintergrund. Der Grossteil der Terrordrohungen im Internet stammt von Islamisten. Daher stuft Interpol die islamistische Bedrohung nach wie vor als hoch ein. Das dürfte aber den Blick nicht für alle anderen gewaltbereiten Gruppen trüben.

Separatisten und Linksextreme auf dem Vormarsch

Mit 246 Terroranschlägen vom vergangenen Jahr in der EU haben die Islamisten nichts zu tun. «Separatisten waren verantwortlich für 160 Anschläge und Linke sowie Anarchisten-Gruppen waren für 45 Anschläge verantwortlich», steht im Europol-Bericht «TE-SAT 2011» über die Terrorlage in der EU.

Separatisten verübten Anschläge in Österreich, Frankreich, Italien, Irland und Spanien. Von den 160 Anschlägen misslangen 16. In Frankreich wurde ein Polizist von spanischen Separatisten der ETA getötet. Die Polizei verhaftete im Zusammenhang mit separatistischem Terror 2010 insgesamt 349 Verdächtige, wovon 22 Prozent Frauen waren. «Separatistische Terrorgruppen werden immer selbstbewusster», so der Bericht. Sie würden sich international immer besser vernetzen und mit anderen Gruppen in und ausserhalb der EU kooperieren.

Gestiegene Gewaltbereitschaft bei links und rechts

Die Wirtschaftslage habe in etlichen EU-Staaten zu politischen und sozialen Spannungen geführt, steht im Europol-Bericht. Die Aktionen von Linksextremisten seien gewaltbereiter geworden und hätten in der EU 2010 zum Tod von sechs Menschen geführt.

Rechtsextreme seien ebenfalls eine «Gefahr für die EU-Mitglieder», so der Europol-Bericht. Die «Professionalität der rechten Propaganda» zeige, dass «rechtsextreme Gruppen gewillt sind, ihre Ideologie auszuweiten und zu verbreiten». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.07.2011, 17:50 Uhr)

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