Auf der Krim wird nach Wasser gebohrt

Die Wasserversorgung der von Russland annektierten Halbinsel hängt immer noch von der Ukraine ab. Nun erwägt die neue Verwaltung ausgefallene Lösungen.

Zeitweise trocken: Ein Arm des Nordkrim-Kanals, welcher die Felder auf der Krim mit Wasser versorgt. (10. Mai 2014)

Zeitweise trocken: Ein Arm des Nordkrim-Kanals, welcher die Felder auf der Krim mit Wasser versorgt. (10. Mai 2014) Bild: Maxim Shemetov/Reuters

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Anfang September waren Jalta, Kertsch und Sewastopol stundenlang ohne Strom – weil die ukrainische Regierung der von Russland annektierten Krim teilweise die Energieversorgung gekappt hatte. Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow sprach von Sabotage, das Staatsunternehmen Ukrinternergo in Kiew nannte hingegen massiven Brennstoffmangel der ukrainischen Kraftwerke als Grund.

Der Vorfall machte eines deutlich: Auch ein halbes Jahr nach der Annexion hängt die Halbinsel in vielen Bereichen weiter am Tropf der Ukraine. Nur etwa 16 Prozent des Strombedarfs auf der Krim werden von den dortigen Kraftwerken gedeckt, rund 80 Prozent der Lieferungen stammen nach wie vor aus der Ukraine, wie das auf Informationen zum Thema Energie spezialisierte Unternehmen IHS Cera berichtet. Nach der Verknappung der Lieferungen warnte Ukrinternergo sogar, es könnte die Versorgung komplett kappen.

Probleme mit der Wasserversorgung

«Auf dem Energiegebiet sind wir verwundbar», klagt der Parlamentspräsident auf der Krim, Wladimir Konstantinow. Moskau hat inzwischen zwar zahlreiche Stromgeneratoren installiert und versprochen, die Halbinsel mit Hilfe hochmoderner Stromkraftwerke völlig autark zu machen. Doch wird dies nicht «an einem Tag und nicht in einem Monat» zu bewerkstelligen sein, wie der russische Regierungschef Dmitri Medwedew einräumte.

Die Stromversorgung ist nicht das einzige Problem der Krim seit der Annexion im März. Auch Wasser und Lebensmittel kommen zum Grossteil über einen schmalen Korridor, der die Halbinsel mit dem ukrainischen Festland verbindet. Zugangswege aus Russland gibt es noch nicht, abgesehen von einer Fährverbindung über die Meerenge von Kertsch oder von Lufttransporten.

Bis zu 85 Prozent des Wasserverbrauchs auf der Halbinsel wurden bislang über den «Nord-Krim-Kanal» sichergestellt, der Flusswasser aus der Ukraine über die gesamte Halbinsel verteilt.

Kein Reisanbau mehr

Seit April sind die Schleusen aber geschlossen, und da viele der Bäche und Flüsse der Krim während des Sommers versiegen, sitzen nun vor allem die Bauern auf dem Trockenen. Auf mehr als 100 Millionen Euro könnten sich dieses Jahr ihre Verluste summieren, hat das russische Landwirtschaftsministerium errechnet.

«Wir mussten unseren gesamten Wasserverbrauch überdenken», verkündete der Agrarminister der Krim, Nikolai Poljuschkin, im August. Unter anderem wurde deshalb beschlossen, künftig auf den wasserintensiven Reisanbau zu verzichten. Überall auf der Halbinsel wird zudem nach Grundwasser gebohrt, auch der Bau eines Aquädukts zwischen Russland und der Krim ist laut Poljuschkin im Gespräch.

«Wie siamesische Zwillinge»

Eine weitere Achillesverse stellt die Ernährung der Krim-Bewohner dar: 80 Prozent der Nahrungsmittel stammen laut örtlichem Handelsministerium aus der Ukraine, und als Russland Ende Juli den Import zahlreicher ukrainischer Lebensmittel untersagte, bat die Krim um eine Ausnahme.

«Wir stecken mitten in einer Übergangsphase, sind aber noch wie siamesische Zwillinge mit der Ukraine verbunden – insbesondere, was die Versorgung mit Milch und Milchprodukten angeht», räumt Agrarminister Poljuschkin ein.

Russland, das wegen der heftigen Kämpfe im Osten der Ukraine grosse Probleme hat, die Krim zu beliefern, hatte ein Einsehen: Die Moskauer Veterinärsbehörde Rosselchosnadsor setzte den Importstopp für die Krim zunächst bis zum 1. Oktober aus, dann verlängerte sie die Entscheidung nochmals bis Anfang Januar. (sda)

(Erstellt: 10.09.2014, 20:58 Uhr)

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