Behörden verdächtigen IS oder PKK

Ein Selbstmordanschlag erschüttert Istanbul. Der Attentäter hat in einer Menschenmenge – offenbar in Panik – eine Bombe gezündet.

Terror in der Türkei: Sicherheitskräfte im Einsatz nach dem Anschlag in Istanbul.(19.März 2016)
Video: Reuters

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Bei einem Anschlag in der türkischen Metropole Istanbul hat ein Attentäter am Samstag vier ausländische Staatsbürger mit in den Tod gerissen. Der Mann sprengte sich in einer belebten Einkaufsstrasse in die Luft. 36 Menschen seien verletzt worden, darunter zwölf ausländische Staatsbürger, teilte der türkische Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu mit. Sieben der Opfer seien schwer verletzt, darunter auch zwei Kinder. Unter Verdacht stehen die Terrormiliz Islamischer Staat und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Die Ermittlungen dauern an.

Schweizer wurden nicht verletzt, schreibt das EDA auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Schweizer Vertretung in Istanbul stehe in Kontakt mit den lokalen Behörden.

Die Behörden hatten die Zahl der Toten zunächst mit fünf angegeben. Später korrigierte sie der Gesundheitsminister auf vier. Er liess aber offen, ob diese Zahl den Attentäter einschloss. Neben einem Deutschen wurden sechs Israeli, zwei Iren, ein Isländer, ein Iraner und ein Staatsbürger aus Dubai verletzt.

«Der Terror hat sein hässliches Gesicht gezeigt»

Zum Hintergrund des Anschlags machte Müezzinoglu keine Angaben. Es werde ermittelt. «Ich verurteilte die, die Menschen und damit die Menschheit töten», sagte er. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu sagte bei einem Besuch im Iran: «Der Terror hat sein hässliches Gesicht gezeigt.»

Ein Video, das von einer Überwachungskamera vom Anschlagsort stammen soll, zeigt eine Explosion inmitten von einigen Passanten. Laut einem Regierungsmitarbeiter hatte der Attentäter ein anderes Ziel gehabt, wurde aber von der Polizei abgeschreckt und zündete dann in Panik die Bombe.

«Tote Menschen, schreckliche Szenen»

Ein Augenzeuge sagte, der Sprengkörper sei in der Strasse Istiklal gezündet worden, einem zur Fussgängerzone umfunktionierten Boulevard mit vielen Geschäften und Einkaufszentren. Nur einige hundert Meter weiter befinde sich ein Parkplatz, auf dem üblicherweise Busse der Polizei abgestellt würden. In der Nähe des Explosionsortes befindet sich zudem ein Einkaufszentrum und das Bezirksamt.

«Es war eine laute Explosion», sagte der Syrer Muhammed Fatur, der in einer nahe gelegenen Metzgerei arbeitet. «Polizisten kamen zum Ort und riegelten die Gegend ab.» Eine Sängerin der Band Skunk Anansie war offenbar zum Zeitpunkt der Explosion in der Gegend. Auf Twitter schreibt sie: «Ich bin okay, erschüttert, tote Menschen, schreckliche Szenen.»

Die Strasse Istiklal war weniger belebt als an Wochenenden üblich. Offenkundig waren viele Menschen angesichts der vergangenen Anschläge zu Hause geblieben.

(woz/SDA)

(Erstellt: 19.03.2016, 18:52 Uhr) Update folgt...

Anschläge in der Türkei

Die Sicherheitslage in der Türkei ist derzeit äusserst angespannt. Seit dem Selbstmordanschlag vom 10. Oktober, bei dem während einer kurdischen Demonstration vor dem Hauptbahnhof von Ankara 103 Menschen getötet und 500 weitere verletzt wurden, ist die Türkei in höchster Alarmbereitschaft.

Erst vergangenen Sonntag waren bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Ankara 37 Menschen getötet worden. Vergangenen Monat starben ebenfalls in Ankara bei einem ähnlichen Anschlag 29 Menschen.

Zu beiden Taten bekannte sich die extremistische Kurdenorganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), die dem Umfeld der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zugerechnet wird. Die türkische Armee geht seit Monaten in einer Militäroffensive gegen die PKK im Südosten des Landes vor.

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