Berlusconi wittert «umstürzlerische Kampagne»
Nach Medienattacke trat er als Chefredaktor der katholischen Tageszeitung «L'Avvenire» zurück: Dino Boffo. (Bild: Keystone)
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Seine Beziehungen und jene seiner Regierung zum Vatikan seien «wie immer exzellent», erklärte der Premierminister im Interview mit seinem TV-Sender «Canale 5» am Montag. Der Premier klagte über eine gegen ihn gerichtete «umstürzlerische und wilde Kampagne» mit dem Ziel, ihn zum Rücktritt zu zwingen und die Mitte-rechts-Regierung zu stürzen. Dabei werde der Wille des Volkes, das ihn gewählt habe, ignoriert.
Der Rücktritt des Chefredaktors der katholischen Tageszeitung «L'Avvenire», Dino Boffo, der Berlusconi wegen dessen Privatleben attackiert hatte, hatte vergangene Woche in katholischen Kreisen für Empörung gesorgt. So sagte der Präsident der italienischen Bischofskonferenz, Angelo Bagnasco, Boffo sei Opfer einer «unqualifizierbaren Medienattacke» geworden.
Boffo als schwul beschimpft
Boffo hatte seinen Rückzug mit den persönlichen Angriffen der zu Silvio Berlusconis Medienimperium gehörenden Zeitung «Il Giornale» auf seine Person und den darauffolgenden Medienrummel begründet. «Mein Leben und das meiner Familie, meine Redaktion sind brutal angegriffen worden», schrieb Boffo in seinem Rücktrittsschreiben an die Bischofskonferenz.
In den vergangenen Monaten war Berlusconi wegen angeblicher Sexgeschichten und wilder Partys mehrfach von der Kirche und auch von «L'Avvenire» kritisiert worden. «Il Giornale» hatte Boffo unter anderem als schwul beschimpft.
«Italiener wollen sein wie ich»
Gegenüber dem zu ebenfalls zu seinem Medienimperium gehörenden Sender «Canale 5» zeigte sich Berlusconi überzeugt, dass die Skandale seine Popularität nicht beeinträchtigt haben. «Ich bin auf diese ersten 14 Monate Amtszeit stolz», betonte er.
Laut Umfragen liege seine Popularität bei 70 Prozent. «Die Mehrheit der Italiener würde gern wie ich sein und ist mit meinem Verhalten einverstanden. Die Italiener wissen, dass Berlusconi sie vor denjenigen schützt, die Italien in einen steuerlichen Polizeistaat umwandeln wollen», sagte er.
Er bestritt, dass es in Italien keine Medienfreiheit gebe, weil er die TV-Landschaft monopolisiere. Das sei «ein Witz dieser kommunistischen und katholisch-kommunistischen Minderheit, die in Italien 90 Prozent der Zeitungen kontrolliert.» (mbr/sda)
Erstellt: 07.09.2009, 13:36 Uhr


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