Berlusconi-Angreifer schlug mit Steinfigur zu
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Berlusconi wird angegriffen:
Der Angreifer schlägt zu:
Der Mann, der am Sonntagabend Silvio Berlusconi die Nase blutig schlug, heisst Massimo T. Er ist 42 Jahre alt, wohnt in einem der vielen Vororte von Mailand und arbeitet als Grafiker in der Firma seines Vaters. Laut «Corriere della Sera» führte T. «ein gewöhnliches soziales Leben».
Doch am Sonntagabend um 18.30 Uhr wurde er buchstäblich schlagartig im ganzen Land berühmt: Er holte mitten in einer Menschenmenge auf dem Domplatz von Mailand eine Steinminiatur des Doms aus seiner Tasche und zog sie dem Premier Silvio Berlusconi über die Nase. Berlusconi sackte zusammen und musste mit blutverschmiertem Gesicht und zwei ausgeschlagenen Zähnen ins Spital gebracht werden.
Pfefferspray in der Tasche
Sofort nach der Attacke hielten Sicherheitsleute T. fest. In seiner Tasche fanden sie ein Kruzifix als weiteres Souvenir sowie ein Pfefferspray. «Ich bin es nicht», soll der Mann gerufen haben, als ihn die Wächter packten, «ich bin gar niemand.» Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat T. am Montagmorgen der vorsätzlichen schweren Körperverletzung angeklagt.
Die Öffentlichkeit rätselt über die Motive dieses bislang so unauffälligen Mannes. Laut Polizei hat er bis auf einen Führerausweisentzug wegen zu schnellen Fahrens keinerlei Vorstrafen. Auch gebe es bislang keinerlei Hinweise, dass der Mann ein Extremist sei.
Auffallend ist jedoch: T. ist seit zehn Jahren in psychiatrischer Behandlung an der Mailänder Poliklinik, wie er laut «Corriere della Sera» von sich aus den Beamten erzählt habe. Wie gravierend seine Krankheit ist, wurde jedoch nicht bekannt.
Berlusconi ausgebuht
Die Stimmung auf dem Mailänder Domplatz war am Sonntagabend aufgeheizt. Berlusconi, der dort für die Regionalwahlen im März warb, wurde von verschiedenen Gruppen ausgebuht und als «Clown» beschimpft, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa schreibt. Der Premier schimpfte zurück, sie sollten sich schämen, daraufhin gerieten seine Sicherheitsleute und die Demonstranten aneinander. Laut Polizei ist es unklar, ob T. einer Gruppe von Demonstranten angehört habe. Er sei angeblich Anhänger der Demokratischen Partei, der Opposition.
Nach der Tat bekundeten nicht nur viele Menschen öffentlich ihre Genesungswünsche für Berlusconi, auch T. erhielt einige Sympathiebekundungen. Eine Gruppe auf Facebook will ihn «sofort zum Heiligen» machen, eine Frau ruft ihm virtuell gar zu «Heirate mich!».
Sämtliche Politiker von links bis rechts verurteilten die Tat öffentlich. Berlusconis Koalitionspartner Lega Nord sprach von einem «terroristischen Akt», der dem «Klima der Konfrontation» im Land zuzuschreiben sei. Berlusconi selber klagt seit Monaten, die gegen ihn laufenden Prozesse wegen Korruption und Steuerhinterziehung seien eine Verleumdungskampagne. Am Tag nach der Tat liess er bislang lediglich verlauten, es gehe ihm gut und er habe grosses Glück gehabt. (oku)
Erstellt: 14.12.2009, 08:49 Uhr
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