Berlusconi-Zeitung verteilt «Mein Kampf»

Die konservative Mailänder Zeitung «Il Giornale» hat einen politischen Skandal in Italien ausgelöst. Sie legte Adolf Hitlers Buch ihrer Samstagsausgabe bei.

Die Staatsanwaltschaft wurde gegen die «Apologie des Faschismus» eingeschaltet: Ein Exemplar von Mein Kampf liegt an einem Kiosk in Rom auf der Zeitung Il Giornale. (12. Juni 2016)

Die Staatsanwaltschaft wurde gegen die «Apologie des Faschismus» eingeschaltet: Ein Exemplar von Mein Kampf liegt an einem Kiosk in Rom auf der Zeitung Il Giornale. (12. Juni 2016) Bild: Claudio Peri/Keystone

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Zu einem Aufpreis zur Zeitung bot «Il Giornale» am Samstag «Mein Kampf» an. Das Blatt gehört Paolo Berlusconi, dem Bruder des rechtsliberalen Oppositionschefs und früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, und die Veröffentlichung erfolgte mitten im Kommunalwahlkampf.

Vor allem die politische Linke reagierte empört, allen voran die Demokratische Partei (PD) von Ministerpräsident Matteo Renzi. «Ich finde es abscheulich, dass eine italienische Zeitung heute Hitlers Mein Kampf verschenkt», schrieb Renzi (PD) auf Facebook. «#maipiù» (übersetzt: «Nie wieder»).

Der Mailänder PD-Bürgermeisterkandidat Giuseppe Sala sprach von Schande und einer Beleidigung aller, die gelitten hätten. Er sei froh, eine solche Zeitung gegen sich zu haben. Sein Linksbündnis SinistraX wertete die Buchveröffentlichung als Versuch, die radikale Rechte hinter die konservativen Kandidaten zu scharen, und schaltete die Staatsanwaltschaft gegen die «Apologie des Faschismus» ein.

«Das Böse studieren»

«Il Giornale» bot seine Samstagsausgabe zum erhöhten Preis in Kombination mit dem Buch «Aufstieg und Fall des Dritten Reichs» des US-Journalisten William L. Shirer und einem Nachdruck der italienischen Ausgabe von Hitlers Kampfschrift von 1938. Es gehe darum, das Böse zu studieren, um zu verhindern, dass es erneut passiere, schrieb Chefredaktor Alessandro Sallusti in einem Leitartikel.

Der Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden in Italien, Renzo Gattegna, sah das anders. Die Veröffentlichung sei «Lichtjahre von aller Logik des Studiums der Schoah und der unterschiedlichen Faktoren entfernt, die die ganze Menschheit in einen bodenlosen Abgrund von Hass, Tod und Gewalt versinken liessen», erklärte er.

Die Parlamentspräsidentin Laura Boldrini mahnte über Twitter zur Achtung der Erinnerung an den Holocaust. Radio Popolare rief die «antifaschistischen Bürger» auf, auf der Piazza San Fedele in Mailand das «Tagebuch der Anne Frank» – eines von den Nazis ermordeten jüdischen Mädchens – zu zitieren, und wollte die Vorlesung im Rundfunk übertragen.

Sallusti erklärte zu seiner Verteidigung, dass «Il Giornale» nur dasselbe tue wie das Institut für Zeitgeschichte in München, nachdem die Urheberrechte an Hitlers Buch erloschen seien. Das Institut hatte eine umfassende wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe zum Ziel, das die Thesen und Absichten Hitlers deutlich machen und die Folgen aufzeigen soll. «Il Giornale» legte dem Buch ein «kritisches Schreiben» eines Historikers bei. (rub/sda)

Erstellt: 12.06.2016, 16:12 Uhr

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