Berlusconis Prestigebrücke von Messina freut die Mafia
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 26.12.2009
Es soll zusammengeführt werden, was zusammengehört: Brücke zwischen Sizilien und Kalabrien. (Bild: Keystone )
Er will sich ein Denkmal setzen: Silvio Berlusconi. (Bild: Keystone )
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Es ist ein Projekt der Superlative: Die Brücke über die Strasse von Messina soll mit 3,7 Kilometern Länge eine der längsten Hängebrücken der Welt werden. Das 6,3 Milliarden Euro teure Bauwerk wird gemäss den Planern Windgeschwindigkeiten von 216 Kilometern pro Stunde und Erdbeben der Stärke 7,1 auf der Richterskala standhalten. Offiziell wurde die Idee, das italienische Festland in Kalabrien mit Sizilien zu verbinden, im Jahr 1971 geboren. Das Projekt wurde damals als das «kolossalste Bauwerk des Jahrhunderts» angekündigt. Lange ist nichts passiert - typisch Italien. Als Bauherr will sich jetzt Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi ein Denkmal setzen. Das riesige Projekt passt zum Politiker, der sich selbst zum besten Ministerpräsidenten, den Italien je hatte, gekürt hat.
Gerne wäre der Cavaliere beim Spatenstich in Reggio Calabria kurz vor Weihnachten dabei gewesen. Die Ärzte haben Berlusconi jedoch empfohlen, auf öffentliche Auftritte zu verzichten, nachdem ihm ein Mann in Mailand ein Miniaturdom ins Gesicht geworfen hat. Mit dem Spatenstich begann - genau genommen - nicht der Bau der Brücke von Messina. Es ging lediglich um ein Nebenprojekt, bei dem eine Bahnlinie verlegt wird, wie italienische Medien berichteten. Dennoch wurde der Anlass von der italienischen Regierung als Spatenstich für die Hängebrücke gefeiert. Bis zu 40'000 Menschen würden mit dem Bau beschäftigt, betont die Regierung in Rom. Die Brücke, auf der Autos, Lastwagen und Züge verkehren sollen, wird gemäss Planung bis 2016 realisiert.
Zahlreiche Kritikpunkte
Das Mega-Projekt hat nicht nur flammende Befürworter, sondern auch erbitterte Kritiker, die sich jetzt wieder zu Wort melden. Sie monieren die hohen Kosten und die damit verbundenen Risiken für den Steuerzahler. Es besteht die Gefahr, dass die Kosten am Schluss grösstenteils vom Staat übernommen werden müssen. Laut den Aussagen der Regierung Berlusconi sollten 3,8 der insgesamt 6,3 Milliarden Euro von privaten Investoren bereit gestellt werden. Der Startschuss für die Privatfinanzierung fällt aber erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres. Kritiker weisen auch auf die überdurchschnittlich hohe Erdbebengefahr bei der Meeresenge von Messina hin.
Einige Experten sagen, vor dem Bau einer derartigen Mammutbrücke müsse die Infrastruktur im unterentwickelten Süditalien verbessert werden. Nach den Überschwemmungen und Erdrutschen, bei denen Anfang Oktober in Messina mindestens 30 Menschen ums Leben kamen, kam das Projekt ebenfalls in die Kritik. Die Prioritätensetzung der Regierung wurde von der Opposition in Frage gestellt. So müsse zunächst das Risiko von Überschwemmungen eingedämmt werden.
Die Mafia mischt mit
Vor acht Jahren räumte eine von der damaligen Regierung in Auftrag gegebene Studie die Möglichkeit ein, dass das Projekt wegen der hohen Summen von der Mafia unterwandert werden könnte. Auf diese Gefahr wird jetzt wieder hingewiesen. Gemäss der Anti-Mafia-Behörde sollen Strohmänner der sizilianischen und der kalabresischen Mafia bereits im grossen Stil Bauparzellen gekauft haben, die für den Brückenbau gebraucht werden. Ausserdem ist es seit langem bekannt, dass die Mafia bei grossen Bauprojekten in Süditalien kräftig mitmischt.
Ein Kenner der Mafia äusserte die Meinung, dass mit der Brücke nicht nur zwei Küsten, sondern zwei Verbrecherorganisationen zusammengeführt werden. Gemeint sind die sizilianische Mafia und die kalabresische Mafia-Variante 'Ndrangheta. Der Mann, der diese Warnung ausgesprochen hat, ist Leoluca Orlando, früherer Bürgermeister von Palermo und Anti-Mafia-Aktivist. Orlando hat schon bei früheren Gelegenheiten hingewiesen, dass mit der Machtübernahme von Berlusconi in Rom gute Zeiten auf die Mafia zukommen. Diese Aussage dürfte auch für das Mega-Projekt von Messina zutreffen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.12.2009, 11:51 Uhr
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