Bombe in Flugzeug war Attrappe

Das verdächtige Gepäckstück, das in einem Flugzeug in Namibia gefunden wurde, war offenbar eine Bombenattrappe. Die Behörden sollen damit die Aufmerksamkeit der Gepäckkontrolle getestet haben.

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Vor einem Charterflug von Namibia nach Deutschland ist eine Laptop-Tasche entdeckt worden, die möglicherweise einen Sprengsatz enthält. Das deutsche Bundeskriminalamt untersucht nun, ob dieser zündfähig gewesen wäre oder ob es sich um eine Attrappe handelte.

Sicherheitsbeamte waren auf das Gepäckstück aufmerksam geworden, weil es in Plastik eingewickelt war und kein Namensschild trug. Wie das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag mitteilte, zeigten sich beim Durchleuchten des Gepäcks am Flughafen der namibischen Hauptstadt Windhuk (Windhoek) Batterien, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden waren.

Ob es sich um einen zündfähigen Sprengsatz gehandelt habe, werde sich erst durch kriminaltechnische Untersuchungen feststellen lassen, hiess es. Dies könne Tage dauern, betonte das BKA. Eine Röntgenaufnahme des Gegenstands lag den Ermittlern vor.

ZDF: Bombenattrappe

Dem deutschen TV-Sender ZDF lagen jedoch schon am Donnerstagabend Hinweise darauf vor, dass es sich um eine Bombenattrappe gehandelt hat. Es sei offenbar ein Testlauf von Behörden gewesen, um die Aufmerksamkeit der Gepäckkontrolle zu testen.

ZDF berief sich in den Beitrag auf nicht näher genannte amerikanische Sicherheitskreise. Es handele sich bei dem Fund um einen industriell gefertigten Sprengsatz speziell für Sicherheitstests. Wer diesen Test machen wollte, ist derzeit nicht bekannt.

Das verdächtige Gepäckstück befand hatte sich am Mittwoch in einer Flughafenhalle befunden, in der zuvor das für den München-Flug bestimmte Gepäck gelagert worden war. Nach Angaben von Air Berlin war das Flugzeug schon beladen, als das verdächtige Gepäckstück in der Halle entdeckt wurde.

Über sechs Stunden Verspätung

Die Maschine startete schliesslich mit sechseinhalbstündiger Verspätung. Vor dem Abflug wurden die 296 Passagiere nochmals durchsucht, sie landeten nachts wohlbehalten in München. Dort wurde das Gepäck ein weiteres Mal durchleuchtet, Bundespolizei befragte die Fluggäste. Es habe aber keine neuen Erkenntnisse gegeben, sagte ein BKA-Sprecher.

Nach ersten Ermittlungen handelte es sich bei dem verdächtigen Gegenstand um Fracht, nicht um persönliches Gepäck eines Passagiers. Aber auch dies werde weiter geprüft. Das BKA entsandte seinen Verbindungsmann aus Südafrika nach Windhuk. Auch aus Deutschland sollten Ermittler nach Namibia fliegen.

Vorbild des Mumbai-Attentats

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere hatte erst am Mittwoch eine konkrete Anschlagswarnung herausgegeben. Nach Hinweisen aus dem Ausland planen radikale Islamisten demnach bis Ende November Anschläge in Deutschland. Über deren Abwehr berieten am Donnerstag die Innenminister von Bund und Ländern in Hamburg.

Gegenüber dem Sender ZDF sagte de Maiziere, die Sicherheitsbehörden richteten sich auf einen Anschlagsversuch nach dem Vorbild des Mumbai-Attentats von 2008 ein. Das Szenario, dass mehrere Attentäter einen Anschlag in einem Gebäude oder auf einem Platz zu begehen versuchten, sei das wahrscheinlichste.

Die Attentäter nähmen dabei wahrscheinlich in Kauf, nicht zu überleben, sagte de Maiziere. Nach seinen Angaben stützen sich die Sicherheitsbehörden bei ihrer Annahme auf eigene Erkenntnisse und Hinweise befreundeter ausländischer Behörden.

(ske/dapd/sda)

(Erstellt: 18.11.2010, 22:07 Uhr)

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