Ausland

Britische Steueroasen unter Druck

Von Sebastian Borger. Aktualisiert am 30.03.2009

Cayman, Jersey, Isle of Man und Co. rücken sich mit einer PR-Offensive und mit neuen Steuerabkommen vor dem G-20-Gipfel in ein besseres Licht.

Sicherer Hafen: Guernsey lockt Steuerflüchtlinge an.

Sicherer Hafen: Guernsey lockt Steuerflüchtlinge an.

«13 ist ab sofort meine neue Glückszahl», sagt Lyndon Trott und strahlt seinen Gastgeber an. Gerade hat der Regierungschef der Kanalinsel Guernsey zum 13. Mal ein Steuerinformationsabkommen (TIEA) unterzeichnet – diesmal mit Deutschland, vertreten durch den Londoner Botschafter Georg Boomgarden. Solche Verträge stellten den besten Beweis dafür dar, glaubt Trott, dass Guernsey «ein gut reguliertes Niedrigsteuerland ist, das alle internationale Vereinbarungen einhält». Weil die Berliner Regierung den Vertragspartner eher als schädliches Steuerparadies einstuft, hält der Botschafter, bei aller diplomatischen Freundlichkeit, demonstrativ Distanz zum früheren Spekulanten Trott. Die Vertragsunterzeichnung komme ja «kurz vor dem G-20-Gipfel», sagt Georg Boomgarden und deutet damit den Grund für das Vertragswerk an.

Tatsächlich hat der bevorstehende Weltfinanzgipfel in London die Steueroasen unter Druck gesetzt. Zu spüren bekamen dies auch jene zwölf Territorien der britischen Krone wie die Kanalinseln Jersey und Guernsey, Bermuda und die Cayman-Inseln in der Karibik oder die Isle of Man, die zu den weltweiten Offshore-Zentren zählen – jedenfalls nach der Liste des Gesetzentwurfes, den im Herbst 2007 auch der damalige Senator und heutige Präsident Barack Obama in den US-Senat einbrachte. Die Betroffenen reagieren wie Lyndon Trott: «Wir sind weder ein Steuerparadies noch ein Offshore-Zentrum, und schon gar kein Geheimnis - Staat wie etwa die Schweiz.»

«Internationales Finanzzentrum»

Auch auf der grösseren Nachbarinsel Jersey möchte man allenfalls als «internationales Finanzzentrum» gelten, wie Martin De Forest-Brown erläutert. Er leitet in der Regierung von Jersey die Abteilung International Finance, ist also fürs Wohlergehen der Finanzdienstleister zuständig. Ob zu den rund 400 Milliarden Dollar, die auf der kleinen Insel verwaltet werden, auch schmutziges Geld gehört? «Ich garantiere Ihnen eines», sagt De Forest-Brown, «in Ländern mit Bankgeheimnis wie in Österreich wird mehr Geld gewaschen als hier.» Die systematische Steuerhinterziehung gilt im Offshore-Weltbild nicht als «schmutzig».

Zurecht können gerade die britischen Steueroasen darauf verweisen, dass London ihre Praktiken jahrzehntelang nicht nur geduldet, sondern vielerorts auch aktiv gefördert hat. Schliesslich profitierte auch die City of London von sogenannten «Blind trusts» sowie extrem niedrigen Steuern für reiche Ausländer. Der Internationale Währungsfonds rückte deshalb kürzlich Grossbritannien selbst in die Nähe von Steueroasen. Auf der viel diskutierten schwarzen Liste der sogenannten «unkooperativen Jurisdiktionen» dürfte das Gastgeberland freilich schon deshalb nicht auftauchen, weil knapp eine Woche vor dem G-20-Gipfel das Thema entschärft zu sein scheint. Dazu haben das Einlenken von Luxemburg, Österreich und der Schweiz ebenso beigetragen wie die Aktivitäten der britischen Steuerparadiese. Bereits Anfang des Monats unterzeichnete der Regierungschef von Jersey ein TIEA mit Grossbritannien.

Website beschwichtigt

Die Cayman-Inseln wollen am Vorabend des Gipfels mit mehreren skandinavischen Ländern ähnliche Verträge abschliessen. Ob sich dadurch an der Steuerhinterziehung etwas ändert? Der Website «Shelter offshore» zufolge, die Investoren bei der Suche nach dem besten Steuerparadies berät, müssen sich «normale Offshore-Investoren keine Sorge machen».

Tatsächlich liegen die Hürden für die Informationspreisgabe hoch – so hoch, dass etwa die USA von ihrem seit 2002 bestehenden Abkommen mit Guernsey nur gerade zweimal Gebrauch machten. Bei Jersey fragten die Amerikaner fünfmal nach. Die Verträge seien «das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind», glaubt deshalb der Steuerexperte Richard Murphy. Der britische Finanzminister Alistair Darling hat eine Prüfung der britischen Offshore-Zentren beauftragt. Ein vorläufiges Ergebnis soll Ende April vorliegen. Lyndon Trott ist sicher: «Guernsey wird zu Recht ein sehr gutes Zeugnis erhalten.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.03.2009, 07:36 Uhr

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