«Chodorkowski geniesst keine Sympathien»
Interview: Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 27.12.2010 20 Kommentare
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Proteste in Moskau: Polizei verhaftet Chodorkowski-Anhänger. (Video: Reuters )
«Wenn es in Russland eine unabhängige Justiz gäbe, müssten auch andere Oligarchen wie Chodorkowski behandelt werden»: Erich Gysling, Politik-Experte und Preisträger des Schweizerisch-Russischen Journalistenpreises 2009.
Der Chodorkowski-Prozess
In einem umstrittenen Gerichtsverfahren ist der russische Ex-Oligarch und Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski erneut schuldig gesprochen worden. Wegen Geldwäsche und Betrugs drohen Chodorkowski damit erneut mehrere Jahre Haft. Richter Viktor Danilkin begann am Montag in Moskau mit der Verlesung des Urteils gegen den ehemaligen Chef des Ölkonzerns Yukos und dessen Geschäftspartner Platon Lebedew. Das Strafmass wird erst in einigen Tagen erwartet. Chodorkowski verbüsst bereits eine Haftstrafe von acht Jahren wegen Steuerhinterziehung und Betrug, die im kommenden Jahr zu Ende geht. (vin/dapd)
Stichworte
Der russische Regierungschef Wladimir Putin hatte die Verurteilung von Michail Chodorkowski gefordert, das ist nun geschehen. Wie ist der Schuldspruch zu deuten?
Erich Gysling: Dieser Prozess ist eindeutig eine Farce. Hintergrund dieser Verurteilung ist die jahrelange Rivalität zwischen Putin und Chodorkowski. Da gibt es eine tiefe Abneigung von Putin gegenüber Chodorkowski, seit dieser in die Politik einsteigen wollte. Offensichtlich erscheint ihm Chodorkowski als zu gefährlich.
Inwiefern zeigt das Chodorkowski-Urteil, dass es in Russland keine unabhängige Justiz gibt?
Wenn es eine unabhängige Justiz gäbe, müssten auch andere Oligarchen wie Chodorkowski behandelt werden. Solange sich die Oligarchen nicht in die Politik einmischen, lässt sie Putin respektive die Justiz in Ruhe.
Kann sich denn Russland alles erlauben vor der Weltöffentlichkeit?
Das internationale Ansehen Russlands wird unter dem Fall Chodorkowski leiden. Für die russische Führung wird dies aber keine Konsequenzen haben. Die westlichen Länder sind ja von den russischen Energielieferungen abhängig. Keine Regierung hat ein Interesse, wegen Chodorkowski schlechtere Beziehungen zu Russland zu riskieren.
Wie steht die russische Öffentlichkeit zum Fall Chodorkowski?
Es gibt Menschenrechtsaktivisten und wenige unabhängige Medien, die sich für Chodorkowski einsetzen und die eine kleine Elite erreichen. In der breiten Bevölkerung geniesst Chodorkowski aber keine Sympathien, weil er eben ein Oligarch war. Die russische Öffentlichkeit hat eine indifferente Haltung zum Chodorkowski-Prozess.
Eine russische Zeitung berichtete, dass Moskau Chodorkowski ins amerikanische Exil gehen lasse – im Austausch mit dem russischen Waffenhändler Viktor But, der in den USA inhaftiert ist. Was ist dran an dieser Meldung?
Wenn man sich an den Agentenaustausch im letzten Sommer erinnert, dann ist nichts unmöglich. Aber im Fall Chodorkowski ist ein solcher Austausch nicht wahrscheinlich.
Wie gehts weiter in der Causa Chodorkowski?
Jetzt muss zunächst das Strafmass abgewartet werden, Chodorkowski drohen weitere 14 Jahre Haft (wegen Unterschlagung fremden Eigentums und Geldwäscherei, Anm. der Red.). Dann wird es Proteste und Kritik auch aus dem Westen geben. Es wird aber nichts nützen, so dass Chodorkowski noch viele Jahre in Haft bleibt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.12.2010, 15:05 Uhr
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20 Kommentare
Unabhängige Medien? Langsam frag ich mich wieso fragen wir das ausgerechnet. Fall Lara Gut berichte der Blick dauernd über die "Dame" (Vertrag Ringie, Pool Postion Agentur Besitz Ringie) es gibt noch ganz andere Beispiele. Es gibt auch in andern Ländern völlig undwirkliches. Herr Madoff USA usw. die Liste wird lang... Antworten
Der Fall Chodorkowski straft die Rufe nach Öffnung Lüge - ob Obama oder George Soros. Der Westen riskiert in Sachen Transparenz eher eine weitere Schliessung unter Druck der Ostmächte wie China und Russland, als dass jene Länder sich wie erhofft weiter öffnen würden. Die rigide Benehmenskultur in der Nachfolge des Staatssozialismus scheint die Wirtschaften der freien Welt in ihren Bann gezogen. Antworten
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