Ausland

«Da würde er seinen Ton wahrscheinlich mässigen»

Interview: Norbert Raabe. Aktualisiert am 05.08.2011 12 Kommentare

Rot-Grün in Deutschland? Laut einer Umfrage wäre die CDU-FDP-Regierung heute ohne Chance – und der wortgewaltige Peer Steinbrück ein aussichtsreicher Kanzlerkandidat. Politologe Gerd Langguth analysiert die aktuelle Lage.

Einst ein Team, nun Konkurrenten: Ex-Finanzminister Peer Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Einst ein Team, nun Konkurrenten: Ex-Finanzminister Peer Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bild: Keystone

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Zur Person

Gerd Langguth, Jahrgang 1946, unterrichtet Politische Wissenschaft an der Universität Bonn und ist ein gefragter Publizist und Analyst. Von 1976 bis 1980 war er CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Später leitete er die Bundeszentrale für Politische Bildung in Bonn und die bekannte Konrad-Adenauer-Stiftung. Zudem engagierte er sich beim Verein Bürgerkonvent, einer parteipolitisch neutralen Organisation, und ist Autor zahlreicher Bücher.

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Die Umfrage

Falls die Deutschen den Bundeskanzler direkt wählen könnten, würde Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) auch in diesem Monat gegen mögliche SPD-Herausforderer verlieren. Im Falle einer Direktwahl zwischen Merkel und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier würden sich 40 Prozent laut ARD-Deutschlandtrend vom Donnerstag für Merkel und 44 Prozent für Steinmeier entscheiden.
Bei einer Wahl zwischen Merkel und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück wäre der Abstand sogar noch grösser. 38 Prozent würden Merkel, 46 Prozent Steinbrück wählen.
Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hatte für die Umfrage am Wochenanfang 1007 Wahlberechtigte bundesweit telefonisch interviewt.

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Herr Langguth, ein rot-grünes Regierungsbündnis in Deutschland käme laut der neuen ARD-Umfrage auf eine Mehrheit von 51 Prozent. Schliessen Sie als Politologe daraus, dass Angela Merkels Kanzlerschaft schon gefährdet ist?
Die Regierung ist zwar in Bedrängnis, aber nach ungefähr der Hälfte der Legislaturperiode ist noch nichts in Stein gemeisselt. Und vor allem sollte man Angela Merkel als Wahlkämpferin nicht unterschätzen.

Ihre Zustimmungsquote liegt laut der Umfrage nur noch bei 45 Prozent, vier Prozent weniger als im Juli …
Ja, aber gemessen daran, dass die Kanzlerin immerzu im Zentrum aller Kontroversen steht, ist das gar kein so schlechter Wert. Auch Helmut Kohl hatte seinerzeit zeitweise weniger Zustimmung als seine Partei und ist doch Kanzler geblieben.

Also ist das Rennen trotz der Verluste für CDU und FDP in Ihren Augen völlig offen?
Das ist es. Und wenn ein rot-grünes Bündnis nun statt 51 nur 47 Prozent hätte, dann wäre eine schwarz-grüne Regierung das Gebot der Stunde.

Wäre das wirklich eine realistische Variante? In der Regierung und beim Wahlvolk?
Ja, bei beiden. Es gibt beim Publikum und auch in der Koalition einen Trend hin zu den Grünen. Bei der Basis der Parteien würde das freilich auch auf Kritik stossen. Und die CDU würde eine solche Koalition wahrscheinlich fast zerreissen.

Laut der Umfrage ist Peer Steinbrück in den Augen einer Mehrheit der Bevölkerung nicht nur beliebt, sondern hätte auch das nötige Format für das Kanzleramt. Ist er der eigenen Partei nicht zu umstritten, wie er das schon selbst angedeutet hatte?
Er ist ja noch kein Kandidat, sondern er hat sich selbst ins Rennen gebracht. Die Linke in der Partei schäumt darüber vor Wut. Doch auf der anderen Seite: In der SPD gibt es auch viele Pragmatiker, die genau auf die Umfragewerte schauen. Und für Frau Merkel wäre er sicher der gefährlichste Gegner, sehr viel mehr als der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel.

Also könnte der nächste Kanzler durchaus Steinbrück heissen?
Durchaus. Man darf bei solchen Umfragewerte allerdings nicht vergessen, dass die Deutschen in erster Linie immer für eine Partei stimmen und erst dann für eine Person. Also sollte man die Kandidaten-Fragen auch nicht überbewerten.

In der Schweiz hat sich der ehemalige Finanzminister mit saloppen Äusserungen, etwa von der «Kavallerie», allerdings nicht sehr beliebt gemacht.
Die neue Umfrage zeigt ja auch, dass eine Mehrheit der Deutschen meint, Steinbrück nehme kein Blatt vor den Mund. Gerade wegen seines lockeren Mundwerks ist er bei manchen Wählerinnen und Wählern beliebt. Und die Schweizer Stimmbürger stehen bei der kommenden Bundestagswahl in Deutschland ja nicht zur Verfügung (lacht.)

Wäre ein Bundeskanzler Steinbrück denn eine Belastung für die Beziehungen zur Schweiz?
Nein, das glaube ich nicht. Als Regierungschef wäre er in einer anderen Rolle und noch stärker in die Verantwortung eingebunden. Da würde er seinen Ton wahrscheinlich schon noch mässigen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2011, 13:44 Uhr

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12 Kommentare

Ursi Brock

05.08.2011, 13:55 Uhr
Melden 35 Empfehlung

Auch P.S. ist einer der Brandstifter die unter den üblichen Neoliberalen Vorzeichen aktiv und/oder passiv Mitgeholfen hat grosse Teile der Deutschen in Armut zu treiben und die Steuern und Abgaben für die Reichen stetig zu senken. Die Sozialisten Europas sind leider oft die Handlanger um bürgerlich-konservative Anliegen unter einem Sozialen Mäntelchen durchzudrücken. Antworten


Eron Thiersen

05.08.2011, 14:14 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Wenn Merkel nochmals gewählt wird, muss sich die konservative Frauenwelt selbst hinterfragen, ob sie nur gewählt wurde weil sie eine Frau ist! Sie beweist weder Führungsstärke, noch repräsentiert sie die Mitte. Unter ihrer Führung vollendete sie Schröders (SPD) Reformen und machte Deutschland zum Billiglohn- und Auswandererland. Aber eben, den Deutschen fehlt eine alternative Partei! Antworten



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