Das letzte Schlupfloch nach Europa

Im griechischen Evros werden die meisten illegalen Einwanderer in die EU aufgegriffen, seit Spanien, Frankreich und Italien die Grenzen geschlossen haben. Eine Reportage vom Tor zum Abendland.

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So nah. «Siehst du? Da drüben ist Europa. Dort ist alles einfach. Dort wirst du happy, happy sein.» Der Schmuggler hatte das gesagt. Und dann ihr Schlauchboot in den Fluss gestossen. Es trieb ab, drehte sich ein paarmal im Kreis, dann hatte Jawed raus, wie er das Ruder ins Wasser tauchen musste. So einfach. Tatsächlich. Zehn Minuten nur. Dann waren sie am anderen Ufer. Europa.

Evros heisst der Fluss, Evros heisst der Landstrich. Es ist der Saum Europas. Umgepflügter Acker, schwarzer, nackter Lehm. Mittendurch die Strasse nach Nea Vissa, schnurgerade bis zum Horizont. Hier und da ein nackter Baum. In den Weilern geduckte Häuser, ein buckliges Weib am Gartenzaun, dem die lehmige Erde an den Stiefeln klebt. Man kann sich das Ende der Welt hierherträumen. Oder ihren Anfang. Hierher soll der Zaun, die Wehr für Happyhappyland. Hier wird Europa verteidigt. Und errungen. Tag für Tag.

«Wo gehen die alle hin?»

Nea Vissa ist das erste Dorf nach der Grenze. Knoblauch, Zwiebeln, Mais, Kartoffeln. Im Sommer. Schwarzer Lehm im Winter. Mehr als 7000 Menschen wohnten hier einmal. Jetzt sind es keine 2000 mehr. Auch die Griechen flohen, nach Deutschland, in die Schweiz. Giorgos, Ohrring, Trainingsanzug, ist 30 Jahre alt und noch hier. Er schiebt Holzscheite in den Ofen, der sein Kaffeehaus notdürftig wärmt. Es ist halb sieben, bald schlurfen die ersten Stammgäste heran, bestellen Nescafé, mittelsüss. Sie blicken der wegziehenden Nacht hinterher, starren auf die Neoninstallation bei der Tankstelle nebenan. Die Alten, die sind geblieben. Giorgos seufzt. «Was kann ich tun?»

Anderseits: Die Welt, sie kommt nun zu ihm, seit zwei Jahren schon. Es ist ein Strom, der an den staunenden Bauern von Nea Vissa vorüberzieht. «Wo gehen die alle hin?» Giorgos flüstert nun. «Ich helfe ihnen. Klatschnass sind sie oft, auch Mütter mit Babys. Ich gebe ihnen Milch, Tee, zu essen. Aber die Leute im Dorf haben Angst. Grosse Angst. Was, wenn sie Krankheiten einschleppen?»

Es dauert nicht lang, da kommen die Ersten angestolpert. Über die Bahngleise, eine Gruppe von zehn, verstrubbelte Haare, Grashalme auf den Jacken. Scheu, aber zu erschöpft, um noch vorsichtig zu sein. «Hello. Please, help us.» Ein paar Brocken Englisch. «Is here Yunan?» Das alte persisch-arabische Wort für Griechenland. «Greece, here is Greece.» Eine kurze Pause. «Aah . . . , Greece is the standard name?»

Alles ist besser als Afghanistan

Egal, wenn es sich nur anfühlt wie: angekommen. Sie stehen nun bei der Tankstelle, vier Männer aus Pakistan, sechs Afghanen. Der jüngste ist 17, Abdulmobeen heisst er. Jeans, schmales Gesicht, grüne Augen. Fünf Wochen waren sie unterwegs, seit zwei Tagen haben sie nichts gegessen. Der Schlepper setzte sie ab, sie liefen zwei Stunden durch die Nacht, kein Polizist, keine Patrouille, jetzt sind sie hier. Abdulmobeen arbeitete in Kabul in einem Laden, der Seife verkaufte. Der Vater, sagt er, habe die 5000 Dollar aufgetrieben und ihn losgeschickt. «Hier hat man keine Angst», sagt Abdulmobeen. «In Afghanistan kämpfen die Menschen. Sie töten. In Europa leben gute Menschen. Sie kämpfen nicht. Hier ist das Leben gut.»

Ein grosser Bus fährt heran. Die Polizei. Die zehn bleiben stehen. Man wird sie in ein Auffanglager bringen. Und bald wieder laufen lassen. Einer der Polizisten sagt: «Sie tun mir leid. Aber man muss die Probleme in Afghanistan angehen. Sonst werden wir bald selbst zu Afghanistan.» Der Bus wendet, fährt davon. Sie lachen. Winken. Der Tankwart sagt: «Im Sommer hören wir bei 150 auf zu zählen. Sogar mit Krücken humpeln manche über die Grenze.»

Das neue Tor zu Europa

Der Landstrich hat Karriere gemacht. Eben noch war Evros ein gottvergessener Flecken, heute ist es das Tor zu Europa. Fast über Nacht ging das. Spanien, Frankreich, Italien, sie alle schotteten ihre Grenzen so erfolgreich ab, dass die Schleuser ihre Routen änderten. Und so wird die Mehrzahl der Illegalen mittlerweile in Griechenland aufgegriffen. Ein Grossteil betritt heute in der Region Evros EU-Boden. 12,5 Kilometer Landgrenze trennen hier Griechenland und die Türkei, und 186 Kilometer Fluss. «Ich mache meinen Job seit 35 Jahren. Und ich liebe ihn», sagt Giorgos Salamangas, der Polizeichef von Orestiada. «Aber das Problem überwältigt uns.»

2009 nahmen sie in der Region Evros 3500 illegale Migranten fest. Im Jahr darauf waren es 47'500. 47'500 von 104'000 in der ganzen EU. Im Oktober 2011 meldete die EU-Grenzschutzagentur Frontex einen neuen Rekord: 9600 illegale Grenzübertritte am Evros in nur einem Monat. Mehr als 300 jeden Tag. «Das sind täglich ein, zwei neue Dörfer», sagte in Athen der Bürgerschutzminister. «Das ist eine Zeitbombe.»

Eine solche Grenze, nein, das habe er noch nie gesehen, sagt Frontex-Offizier Sylvester Dieteren, ein Polizist aus Holland, der schon zu Einsätzen in der ganzen Welt unterwegs war. «Die Leute in Europa wissen nicht, was hier los ist. Sie sollten es aber wissen. Diese Menschen wollen alle zu uns.»

Jagd auf die Schlepper

Es geht um Leid, um den Hunger nach einem Leben ohne Not, es geht aber auch um Geld. Viel Geld. Nicht die Migranten sind die Gegner für die Grenzschützer, die Schlepper sind es. Auf sie machen sie Jagd. Schlepper wie Murat. Er schaukelt in seinem Renault durch Edirne, die türkische Grenzstadt, vom Rückspiegel baumelt eine Gebetskette. «Araber, Iraner, Iraker, Palästinenser, alle wollen sie nach Europa», sagt er. «Die UNO-Flüchtlingspässe, die haben wir immer aus einem Internetladen in Istanbul geholt. Du wirfst einfach deinen Pass weg und zeigst der Polizei das UNO-Papier, dann darfst du zwei Jahre in der Türkei bleiben.»

Murat, der in Wirklichkeit anders heisst, fährt auf die alte Brücke über den Evros zu, den die Türken Meric nennen. Auf der andern Seite der Brücke ist das einzige türkische Stückchen Land jenseits des Flusses. Das heisst: Wer die Brücke überquert, der kommt später mit ein wenig Glück trockenen Fusses nach Europa. Vor der Brücke steht ein gelangweilter Polizist. Wir fahren vorüber, ohne anzuhalten. «Siehst du? Der nutzt nichts», sagt Murat. «Die Flüchtlinge sitzen zu Dutzenden in den Minibussen und sind schwarz wie Kohle», wird uns später ein Bauer im türkischen Grenzdorf Karaagac sagen: «Ich kapiere nicht, wieso die Polizisten die nicht rausziehen. Und wenn sie gefasst werden, passiert ihnen nichts. Die Polizei füllt Formulare aus, die sie wegwirft. Wir finden sie haufenweise am Strassenrand.»

Die Fahrt geht über Kopfsteinpflaster in den Grenzweiler Bosna. Dann ein Feldweg, Murat hält. «Hier. Drei Kilometer. Griechenland ist so nah. Willst du rüberlaufen? Hier habe ich mal eine Gruppe rübergebracht, als die Polizisten Mittag machten.» Er lacht. «Leider war ich zu billig. 100 Dollar pro Person. Und davon musste ich noch schmieren. Heute nehmen manche 1000 Dollar allein für den Grenzübertritt. Das lohnt sich.» Elektriker und Taxifahrer war Murat, bevor er in den Menschenschmuggel einstieg. Neun Jahre sei er im Geschäft gewesen, erzählt er. «1000 habe ich bestimmt rübergebracht.» Dann schnappten sie ihn. Murat hatte Glück, 42 Tage nur sass er im Gefängnis. 2003 war das, da sprachen die türkischen Richter lediglich von einem «Verstoss gegen die Passgesetze». Heute müssen Schleuser für mindestens drei Jahre in Haft. Murat sagt, er habe aufgehört: zu hohes Risiko. War er selber jemals in Griechenland? «Ich? Nein. Die Türkei ist so schön. Was soll ich da drüben?»

Der Zaun kommt, trotz Krise

Die Türkei ist zum attraktivsten Transitland für Schlepper und Migranten geworden. Bürger aus fast 60 Ländern wie Iran, Syrien, Libyen oder Nigeria dürfen ohne Visum einreisen. Und wenn sie dann in Griechenland aufgegriffen werden, müssen sie weder lange Internierung in Lagern noch die Rückführung in die Türkei fürchten. Von den 50'000 bis November Aufgegriffenen nahmen die Türken gerade mal 707 wieder zurück.

Giorgos Salamangas, der Polizeichef von Orestiada, zeigt ein Video, das griechische Nachtsichtkameras aufgenommen haben: Im Gänsemarsch laufen bestimmt 100 Leute zum Fluss. Ein paar tragen Pistolen, andere die Schlauchboote. Dann setzen sie über. «Das ist militärisch eine der heikelsten Grenzen der Türkei», sagt Salamangas. «Ich frage Sie: Kann es sein, dass unsere türkischen Kollegen so etwas nicht sehen?»

Bald soll hier der Zaun her, der schon so viele Schlagzeilen gemacht hat. Von Nea Vissa bis Kastanies. Die ganzen 12,5 Kilometer Landgrenze. Mit Stacheldraht obendrauf. Europa mache dicht, hiess es. «Im Frühjahr bauen wir», sagt Salamangas. «Trotz Krise.» Der Zaun ist ein griechisches Projekt, die EU zahlt keinen Cent. «Unmenschlich», nennt Bischof Anthimos von Alexandroupoli den Zaun: «Das ist keine Lösung, schon gar keine zivilisierte.» Tatsächlich hat die Idee längst keinen Nutzen mehr.

Die Politiker in Athen riefen 2010 nach dem Zaun, als 26'000 Menschen über diesen 12-Kilometer-Streifen ins Land drangen. Aber schon 2011, sagt Polizeichef Salamangas, seien es nur mehr 800 gewesen: Seit die Frontex-Streifen patrouillieren, sind die Schmuggler auf den Fluss ausgewichen. Den griechischen Politikern war der Zaun ohnehin stets mehr Symbol, angesichts ihrer Hauptstadt, die zu ersticken droht im Zustrom der Flüchtlinge: Es ist eine giftige Mischung, Flüchtlingselend und Staatsbankrott. Wenn er einmal steht, der Zaun, dann wird er ein Symbol sein, aber eines der Hilflosigkeit.

Eine Sisyphus-Arbeit

Helft uns. Der Polizeichef sagt das, der Klinikarzt, der Bürgermeister: «Die EU lässt uns allein», sagt Evangelos Maraslis, der für Nea Vissa zuständige Bürgermeister. «Diese Menschen wollen nicht nach Griechenland. Sie wollen nach Europa. Wir werden überrannt.» Polizisten, die hat Europa geschickt. Sylvester Dieteren ist einer, ein erfahrener, nachdenklicher Beamter. Frontex Support Officer. Ja, sagt der Holländer, viele seiner Leute fühlten sich wie Sisyphus, der tragische Held aller vergeblichen Müh. Aber, meint Dieteren, er sehe Fortschritte. Kleine Schritte. Aber Schritte. «Wir arbeiten hier, um Europa zu beschützen.»

Wie geht das denn? Zurückschicken über den Fluss dürfen sie die Migranten nicht. Jeder, der Fuss auf griechischen Boden setzt, bleibt. Er wird in ein Lager gebracht, registriert, verhört und, weil die Lager überfüllt sind, wieder freigelassen. Dann ziehen sie weiter nach Athen. Was also können sie tun? Schlepper fangen, ja. Aber das ist schwieriger geworden: Seit die Strafen in Griechenland heraufgesetzt wurden, wagt sich kaum noch ein Schleuser über den Fluss. Sie schicken die Flüchtlinge allein los, eben erst haben Dieterens Leute wieder drei vor dem Ertrinken gerettet. Informationen sammeln, auch darum gehe es, sagt Dieteren «Hier an diesem Ort erfahren wir, was in der Welt los ist.»

Es sei an dieser Stelle also berichtet: Die Hölle ist los. Die Polizei wird dieses Problem nicht lösen. «Die Politik muss sich kümmern», sagt Dieteren. Seine Beamten befragen jeden Einzelnen im Lager. Einige fliehen vor Gefahr, die meisten aber sehnen sich schlicht nach einem besseren Leben. «Sie und ich, wir würden wahrscheinlich das Gleiche tun. Wir würden uns diesen Heerscharen anschliessen», sagt der Polizist.

Die Familien können nur einen schicken

Es sind starke Menschen, die da kommen, berichtete uns Ioannis Nikolaidis, der Arzt der Klinik in Orestiada. Menschen, die bereit sind, Gefahren auf sich zu nehmen. Menschen wie Jawed Mesavi, ein schüchterner 17-Jähriger, der nur Fussball spielen und Lionel Messi nacheifern wollte. «Ich war gut. Der Beste in unserem Bezirk.» Ein Afghane, dessen Familie dachte, sie hätten als Schiiten in Pakistan Zuflucht gefunden. Bis zu jenem Match, als zwei Autos langsam auf das Spielfeld zufuhren und die Insassen das Feuer eröffneten auf die Jungs, die da Fussball spielten. Acht von Jaweds Freunden starben. «Einfach so», sagt Jawed leise. «Sie kommen. Sie töten. Sie fahren weg.» Jawed hat nie eine Schule besucht. Der Vater starb, als er vier war. Er arbeitete, damit seine beiden kleinen Brüder und seine 13-jährige Schwester Rehani zur Schule gehen konnten. Jetzt aber wollte er weg. «Das Geld reicht nur für mich.» 2500 Dollar. Es ist meist so: Die Familien sind arm. Sie schicken einen. Den Auserwählten. Den, der sein Leben vor sich hat.

Im Iran wurden sie von Grenzern beschossen. Der Schmuggler, ein iranischer Kurde, prügelte die anderen. «Zu mir war er gut. Ich sprach Englisch.» Es war dieser Schmuggler, der auf die griechische Seite des Flusses zeigte und sagte: «Dort wirst du happy, happy sein.» Jawed landete im Auffanglager von Filakio. Er verzieht das Gesicht: «Sooo schmutzig.» Zu dritt teilten sie sich ein Bett. Manche schliefen auf dem Boden, im Brackwasser von der Toilette, das in den Schlafraum schwappte. Bürgerrechtler laufen Sturm. Die EU ist frustriert darüber, dass Athen nicht längst neue Camps gebaut hat, das Geld gäbe es. Aber Griechenland wird nicht fertig mit dem Ansturm (vgl. Box).

Leben als Prostituierte

Jawed, der 17-Jährige, ist fürs Erste bei «Arsis» in Alexandroupoli untergekommen, einem Verein, der sich um die Minderjährigen ohne Eltern kümmert, die von der Polizei aufgegriffen werden. 250 allein in den letzten drei Monaten. Viele erzählen von «Onkeln», die auf sie warteten. Unter ihnen sind somalische Teenager, denen die Onkel ein Leben als Prostituierte zugedacht haben, und Buben im Alter von sechs bis zwölf, die wohl an Pädophile weitergereicht werden sollen. «Sie wissen nicht, was sie erwartet», sagt die Sozialarbeiterin Ermioni Stamati. «Die Älteren versuchen wir zu warnen. Sie vorzubereiten auf das Leben da draussen.» Die meisten wollen weiter, nach Athen zuerst. «Für die Überfahrt nach Italien», sagt Jawed, «wollen die Schmuggler noch mal 4000 Dollar.» Ermioni Stamati blickt ihn an. «Der Gedanke, eines der Kinder könnte vor der Küste Italiens ertrinken, bricht mir das Herz.»

Vor zwei Wochen war sie auf einer Beerdigung. Das Boot einer iranischen Familie war auf dem Evros gekentert, die Leiche der einen Tochter fand man sofort, die andere trug der Fluss fort. Vater und Mutter überlebten. Der Mufti von Didymoteicho trug die Tochter zu Grabe. «Der Schmerz dieser Mutter», sagt er, «ist nicht zu beschreiben.» Seit 25 Jahren ist Mehmet Damadoglu der Mufti für die 14'000 türkischstämmigen Muslime auf der griechischen Seite. Ihm bringen sie die Leichen der Namenlosen. Die Männer sind beschnitten, Muslime fast alle. 48 ertranken im letzten Jahr, sechs erfroren am Ufer, eben in Europa gelandet. Jetzt, im Winter, wird das Wasser im Fluss wieder reissender.

«Wenn ihr das Geld auftreiben könnt, dann kommt»

Unlängst nahm der Mufti an einer Konferenz in Kairo teil. Er hielt einen Vortrag. «Tut es nicht!», habe er gesagt. «Flieht nicht zu uns!» All das Leid. «Aber sie werden weiterhin kommen.» Der Mufti zeigt Fotos von der Beerdigung der 16-jährigen Iranerin. Am Ende nahm er, wie er es immer tut, den Kopf ihres Leichnams in seine Hände und erinnerte die Verstorbene an ihren Glauben an Gott. Er ende stets mit demselben Satz, sagt der Mufti: «Gott, lass das den Letzten sein.» Er flüstert: «Man wird so müde. Der Kopf wird so müde.»

Was, wenn sie einen Wunsch freihätten, die Menschen am Evros? Der Frontexmann: «Dass sich keiner mehr auf diesen Weg begeben müsste.» Der Klinikarzt: «Dass der Westen diesen Ländern eine humanitäre Entwicklung ermöglichte.» Der 17-jährige Jawed: «Nach Norwegen. Die Leute sagen, Norwegen ist gut.» Würde er den Freunden zu Hause abraten von der Reise? «In Pakistan leben wir ein Leben lang gefährlich. Dagegen ist dieser Weg nichts. Ich sage all meinen Freunden: Wenn ihr das Geld auftreiben könnt, dann kommt.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.01.2012, 20:53 Uhr)

(Bild: TA-Grafik mt)

Entsetzter Europarat

Der Europarat ist über die Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern entsetzt. Praktisch alle Lager seien hoffnungslos überfüllt und die hygienischen Bedingungen verheerend, heisst es in einem Bericht, der diese Woche veröffentlicht wurde. In zah­l­reichen Einrichtungen seien die Menschen «wie Käfigtiere» untergebracht – viele von ihnen für mehrere Monate.


An einem Posten der Grenzpolizei in der Evros-Region etwa seien zum Zeitpunkt der Visite 146 Männer in einem 110 Quadratmeter grossen Bereich eingepfercht gewesen. Für alle Häftlinge habe es nur eine Dusche und eine Toilette gegeben. Da den Flüchtlingen bei ihrer Festnahme die gesamte Habe weggenommen wurde, konnten sie ihre Kleider nicht wechseln.


Die griechischen Behörden verteidigten diese Zustände mit dem Verweis auf fehlendes Personal und Geldnot. Dabei gehört Griechenland zu den EU-Staaten, die am meisten Mittel für die Betreuung der Flüchtlinge erhalten. Über 200 Millionen Euro sind es nach Angaben der EU-Kommission allein für die Zeitspanne von 2007 bis 2013. (SDA)

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