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Das verhängnisvolle Werk von Künstler Nummer 1010

Das gestohlene Eisenschild «Arbeit macht frei» aus Auschwitz ist wieder aufgetaucht. Die Diebe handelten angeblich im Auftrag eines Sammlers – die Hintergründe sind bizarr.

1/6 Nach dem Diebstahl der Inschrift «Arbeit macht frei» wurde über dem Haupttor des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz in Südpolen eine Kopie des Eisenschildes angebracht.
Bild: Keystone

   

Video der polnischen Polizei

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Karte Auschwitz

Sie kamen frühmorgens. Fünf Diebe im Alter zwischen 25 und 39 Jahren. Die Männer lösten die Schrauben der 40 Kilogramm schweren und fünf Meter langen Inschrift «Arbeit macht frei» und transportierten sie ab. Das war letzten Freitag. Inzwischen hat die Polizei die Diebe festgenommen und das Eisenschild gefunden – in drei Teile zersägt. Laut der polnischen Polizei gehören die Diebe keiner Neonazi-Gruppe an, wie anfänglich vermutet wurde. Das polnische Radio RMF FM meldet, sie hätten auf Auftrag gehandelt: Angeblich hat ein «verrückter Sammler» den Schriftzug übers Internet bestellt.

Ein Kunstwerk von fraglichem Rang. Hing das Schild doch über dem Haupttor des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz in Südpolen. Zehntausende Häftlinge durchschritten das Tor des «Stammlagers» im Lagerkomplex Auschwitz-Birkenau bis zur Befreiung durch sowjetische Truppen im Jahr 1945 und wanderten in den Tod.

Ein Künstler mit der Nummer 1010

Angefertigt wurde das Schild von Häftling Nummer 1010, dem Polen Jan Liwacz: Der Kunstschmied wurde Anfang der 40er-Jahre als politischer Gefangener ins Vernichtungslager gebracht, wo ihn sein künstlerisches Talent mehrmals vor der Gaskammer rettete. Auf Anordnung des Lagerkommandanten Rudolf Höss musste er den Schriftzug zusammen mit Mitgefangenen anfertigen, als das Eingangstor und die Umzäunung des Lagers ausgebaut wurden. Ehemalige Häftlinge berichteten nach ihrer Freilassung, Liwacz habe den Buchstaben B aus Protest falsch angebracht – auf dem Kopf stehend. Andere wiederum behaupten, es handle sich um ein Versehen. Liwacz überlebte den Krieg und arbeitete bis zu seinem Tod als Kunstschmied.

Ausser in Auschwitz prangte das zynische Motto auch an Toren der Lager Theresienstadt, Sachsenhausen, Gross-Rosen, Dachau und Flossenbürg. Erstmals tauchte der Spruch jedoch 1873 auf, als Titel eines Romans des deutschnationalen Autors Lorenz Diefenbach. In den 30er-Jahren verwendeten die Nazipropagandisten «Arbeit macht frei» als Schlagwort gegen die Arbeitslosigkeit. Der US-Historiker Harold Marcuse vermutet, dass der erste Kommandant des Konzentrationslagers Dachau den Spruch als KZ-Motto verwenden liess.

Russen wollten Inschrift abtransportieren

Es ist nicht das erste Mal, dass die Inschrift aus dem Lagergelände verschwunden ist. Nachdem die Rote Armee das KZ Auschwitz-Birkenau befreit hatte, demontierten russische Soldaten das Eisenschild und luden es auf einen Bahnwagen, zum Abtransport nach Russland. Dort sollte es wohl eingeschmolzen werden. Ein ehemaliger Häftling sowie ein Fuhrhalter waren sich der Bedeutung der Eisenlettern für die Nachwelt jedoch bewusst: Sie bestachen die Wachleute mit selbst gebranntem Schnaps und versteckten das Schild. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.12.2009, 14:39 Uhr

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