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Der Buhmann von Duisburg

Bis zur Loveparade war Adolf Sauerland der beliebte Oberbürgermeister der Stadt Duisburg. Mit seinem Verhalten nach der Tragödie mit 21 Toten hat der CDU-Politiker aber alle Sympathien verspielt.

1/33 Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt: Der Entwurf eines Stahlreliefs des Künstlers Jürgen Meister, das zum Gedenken an die 21 Opfer der Loveparade in der Nähe der Unglücksstelle in Duisburg aufgestellt werden soll. (20. Dezember 10)
Bild: Keystone

   

Live-Ticker zur Trauerfeier

Am Samstagmorgen findet in der Duisburger Salvatorkirche eine zentrale Trauerfeier für die Opfer statt. Wegen des erwarteten grossen Besucherandrangs wird der Gottesdienst vor und im Duisburger Fussballstadion auf Grossbildleinwänden übertragen.
Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet morgen Samstag ab 10.30 Uhr mit einem Live-Ticker über die Trauerfeier. (vin)

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Wenn die Stadt Duisburg am morgigen Samstag mit einer grossen Trauerfeier der Loveparade-Opfer gedenkt, wird ausgerechnet der Oberbürgermeister fehlen. Adolf Sauerland bleibt zu Hause, weil er «die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren» möchte. Für den einstigen Hoffnungsträger der CDU im roten Ruhrgebiet ist es besser, wenn er sich nicht in der Öffentlichkeit zeigt. Seine Weigerung, politische und moralische Verantwortung für die Katastrophe zu übernehmen, wird nicht verstanden. Die Rufe nach Rücktritt werden immer lauter.

Unter den Bürgern herrscht eine riesige Wut auf Sauerland. Bei einem Besuch am Unfallort am Wochenende musste er sich von Leibwächtern beschützen lassen, zudem wurde er mit Müll beworfen. Mehrere Hundert aufgebrachte Demonstranten forderten am Donnerstag seinen Rücktritt. Auch politisch steht er massiv unter Druck, selbst seine Partei legt ihm den Verzicht auf das Amt des Oberbürgermeisters nahe. Und es soll sogar Morddrohungen gegen den gebürtigen Duisburger gegeben haben.

Missglückte und falsche Äusserungen

Sauerland behauptet, er habe vor dem Unglück keine Kenntnis von Sicherheitsbedenken gehabt. Berichte aus der Duisburger Stadtverwaltung, die in den Medien veröffentlicht wurden, sagen aber etwas anderes. Dennoch bestreitet er jegliche Verantwortung: «Ich habe nichts unterschrieben, keine einzige Genehmigung.»

Die Loveparade-Katastrophe hat nicht nur das Leben der Angehörigen der 21 Opfer und der über 500 Verletzten auf den Kopf gestellt. Auch für den 55-jährigen Sauerland ist nichts mehr, wie es noch bis vor einer Woche war. Jetzt ist er der Buhmann – nicht nur in Duisburg, sondern in ganz Deutschland. Dabei war er ein Oberbürgermeister, der überdurchschnittlich beliebt war in der Bevölkerung von Duisburg, und ein CDU-Mann, der auch bei den anderen Parteien Respekt genoss.

Als Modernisierer von Duisburg angetreten

Seit Oktober 2004 sitzt der frühere Berufsschullehrer Sauerland auf dem Chefsessel im Duisburger Rathaus, im August 2009 wurde er als Oberbürgermeister wiedergewählt – keine Selbstverständlichkeit in einer Stadt, in der jahrzehntelang die SPD das alleinige Sagen hatte. Zuvor hatte sich der verheiratete Vater von vier Kindern nach seinem CDU-Beitritt 1980 über Ämter auf Kreis- und Bezirksebene bis zum Fraktionschef im Duisburger Rat, dem Stadtparlament, hochgearbeitet.

Vor sechs Jahren war Sauerland als Oberbürgermeister mit der Aufgabe angetreten, das triste Image des hochverschuldeten Duisburg auzupolieren und eine nachhaltige Modernisierung einzuleiten. Er sorgte für die Ansiedlung von grossen Unternehmen wie Hitachi und Ikea. Er setzte sich für ein grosses Moschee-Projekt ein. Und er engagierte den Star-Architekten Norman Foster mit dem Auftrag, einen Masterplan für die Entwicklung der Innenstadt auszuarbeiten. Das grösste Projekt des Duisburger Oberbürgermeisters war allerdings die Loveparade. Nach Essen und Dortmund sollte die Hafenstadt am Rhein dritte Station der Techno-Party im Ruhrgebiet werden – pünktlich zum Jahr des Kulturhauptstadt-Projekts Ruhr.2010.

Keine Pensionsansprüche bei Amtsverzicht

Nach dem Loveparade-Drama droht Sauerland nicht nur das politische Aus. Ein Rückzug hätte auch handfeste finanzielle Folgen. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten würde er bei einem Amtsverzicht sämtliche Pensionsansprüche verlieren. Bei einer Abwahl, wie sie von den Linken im Stadtparlament angestrebt und von der FDP unterstützt wird, blieben ihm die Pensionsansprüche aber erhalten. Erst im Oktober tagt das Stadtparlament zum ersten Mal nach der Sommerpause.

Gemäss einem Bericht von «Spiegel Online» lässt sich Sauerland von der Rechtskanzlei des Helmut-Kohl-Freundes Stephan Holthoff-Pförtner vertreten. Der erfahrene Jurist war Kohls Beistand in der CDU-Spendenaffäre. Kohl war bekannt dafür, dass er alle Affären aussass. Und das wirft eine Frage auf: Will Sauerland seine Probleme aussitzen? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.07.2010, 17:03 Uhr

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