Ausland
Der Mann mit dem Geil-O-Mobil
Von Bernhard Odehnal. Aktualisiert am 26.04.2011 3 Kommentare
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In einer an Geschmacklosigkeiten nicht gerade armen Wahl in Wien waren sie die Geschmacklosesten. Junge Männer und Frauen, die in einem «Geil-O-Mobil» genannten schwarzen Hummer durch die Stadt kreuzten, «Geilmacher-Gummis» verteilten und mit Sprüchen wie «24 Stunden Verkehr für Wien» für ihre Partei warben. Flott und locker wollte die Jugendgruppe der Österreichischen Volkspartei wirken. Ihre Zielgruppe aber verstand die Botschaft «Schwarz macht geil» nicht: Die ÖVP sackte bei den Wiener Wahlen im Oktober 2010 auf das schlechteste Ergebnis aller Zeiten ab. Besonders schlecht schnitt sie bei den Jungwählern ab.
Alter Adel in jugendlichem Outfit
Für ihren Erfinder Sebastian Kurz macht sich die schlüpfrige Kampagne doch noch bezahlt. Der 24-Jährige wird Mitglied des neuen ÖVP-Regierungsteams und zieht als Staatssekretär für Integration ins Innenministerium ein. Der neue Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger lobt ihn als «junge Persönlichkeit, die viel politisches Potenzial in sich hat». Kurz bringe die Jugend mit: «Für eine Gesprächskultur unter jungen Leuten ist es ganz entscheidend, dass man ihre Sprache kennt.» Spindelegger sagt das nicht nur so, vermutlich glaubt er wirklich, dass sein neuer Politstar für «die Jugend» steht. Und er bringt die Tragödie der österreichischen Bürgerlichen damit schnell auf den Punkt: Sie haben jeden Bezug zur Realität verloren.
Das jüngste Regierungsmitglied, das Österreich je hatte, bemüht sich redlich, allen Klischees des Wiener Bürgertums gerecht zu werden: die nasale Aussprache des «Schönbrunner Deutsch», die so penetrant nach altem Adel, Lodenmantel und genagelten Schuhen klingt, die blau-weiss-gestreiften Hemden mit Stehkragen, die Föhnfrisur à la Karl-Heinz Grasser. Wer so auftritt, kommt für gewöhnlich aus den Villenquartieren der Stadt (oder tut so, als käme er von dort) und kennt sich in den Szenelokalen der City aus. Für die übrigen Wiener senden Kleidung und Sprache eindeutige Signale aus: Ich bin ein Schnösel und stolz darauf.
Auf den Spott folgt das Entsetzen
Mehrheitsfähig ist dieses Programm nicht, aber für den schnellen Aufstieg in der ÖVP reicht es allemal. Kurz meldete sich bei der Partei und bat seine Mitarbeit an, mit 21 war er Vorsitzender der Jungen ÖVP. Seine Mentoren in der Partei lobten sein forsches Auftreten, sein Selbstbewusstsein. Für einen Sitz im Parlament reichte es zwar nicht, aber die Fahrten mit dem «Geil-O-Mobil» führten ihn immerhin in den Wiener Landtag. Dass er sich dafür inmitten leicht bekleideter Frauen auf der Kühlerhaube des schwarzen Hummer rekelte, fand Kurz in Ordnung. Politik dürfe Spass machen, erklärte er dem Magazin «Datum». Laute Musik und auffallende Outfits seien in der Werbung ja auch normal.
Vor seinem Karrieresprung wurde Kurz vor allem auf Partys und in Discos gesehen, als jugendlich-bürgerliche Variante des Rechtspopulisten Heinz-Christian Strache. Aber auch die sozialdemokratische Jugend entdeckte die Diskotheken. Ihr neuer Vorsitzender Bernhard Häupl, Sohn des allmächtigen Wiener Bürgermeisters, möchte für seine Partei bei Clubbings und in Fitnessstudios werben.
Wie viel Spass wird «Geilmacher» Sebastian Kurz jetzt in die österreichische Regierung bringen? Internetforen sind bereits voll mit bitteren Kommentaren über die «geile Integrationspolitik». «Geben Sie ihm eine Chance, er wird das hervorragend machen!», bittet der Parteichef im Fernsehen. Natürlich, eine eigene Regierungsstelle für Integration ist eine uralte Forderung von Linken und Grünen. Doch, dass nun ausgerechnet ein politisch unerfahrener Jungpolitiker mit hohem Testosteronspiegel diese Aufgabe übernimmt, sorgt für Entsetzen.
Überraschendes Lob für die Bestellung kommt von den Muslimischen Pfadfindern Österreich, die Kurz für einen «kompetenten Gesprächspartner» halten. Bis jetzt war diese Gruppe völlig unbekannt. Aber das war Staatssekretär Kurz ebenfalls. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.04.2011, 14:20 Uhr
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3 Kommentare
Ich ahnte schon das die Österreicher geile Siechen sind. Sie fördern das Wiedererwachen der braunen Zunft auf der einen Seite, andernseits blödeln sie sich durch die Landschaft. Übrigens empfehle ich die Aufnahme der zahllosen Tunesier, denn die Sprache zu erlernen dürfte ihnen wohl nicht allzu schwer fallen. So entstünde ein an Aktualität nicht zu überbietender neuer Volksstamm. Antworten
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