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Der Rauswurf der Tigerin

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 25.11.2011 4 Kommentare

Idoia López Riaño: Die berühmteste Terroristin der baskischen ETA wird ausgeschlossen – weil sie Reue zeigt.

Weil sie die Angehörigen ihrer Opfer um Vergebung bat: Die ETA löschte Idoia López Riaño von der Liste der gefassten Mitglieder. (Bild: Keystone )

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In ihrer verschrobenen Revolutionsromantik nannten sie sie «la Tigresa», die Tigerin: Idoia López Riaño aus San Sebastián, heute 47, verurteilt zu 2111 Jahren Haft, inhaftiert seit 1994. Die Bilder ihrer äusseren Schönheit, diese hellen Augen im lächelnden Gesicht, umrahmt von einer dunklen Lockenpracht, wie man sie aus Gerichtsprozessen kennt, verstörten und verfolgten die Spanier immer schon. Sie kontrastierten so unerhört stark mit den inneren Abgründen dieser Etarra, dieser Kämpferin der baskischen Terrororganisation ETA. Sie hat 23 Menschenleben auf dem Gewissen, die meisten ihrer Opfer waren Polizisten. Von allen Frauen, die je im Namen der Separatistengruppe getötet haben, war die «Tigresa» die kälteste, skrupelloseste, blutrünstigste. Und die berühmteste.

Nun hat sie die ETA von der Liste ihrer gefassten Mitglieder gelöscht. Sie soll also kein Anrecht mehr haben auf die Unterstützung der Organisation, keinen Kontakt mit anderen Etarras im Gefängnis. Fertig, nie mehr. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Gruppe führe mit diesem Rauswurf den Weg in Richtung Auflösung fort. Erst vor einigen Wochen gab die ETA bekannt, sie lege die Waffen nieder und beende ihren gewaltsamen Kampf. Eine Distanzierung von der Tigerin würde dazu gut passen. Doch es ist genau andersherum: Die ETA wirft sie raus, weil Idoia López Riaño Reue zeigte, weil sie die Angehörigen ihrer Opfer um Vergebung bat, weil sie den bewaffneten Kampf als einen Irrweg darstellte, kurz: Weil sie vor eineinhalb Jahren jenes Dokument der Regierung unterschrieben hat, das ihr eine Haftverlegung verhiess.

Wie ernst sie es mit der Reue meint, ist unklar

Wie ernst sie es mit ihrer Reue meint, ist nicht klar. Doch sie sitzt nun nicht mehr im südspanischen Granada ein, fernab der Heimat, sondern in einem baskischen Gefängnis. Das Haftregime ist im Norden Spaniens dasselbe wie in Andalusien, es bleibt das härtestmögliche. Für die ETA aber ist sie eine Dissidentin, eine Verräterin an der Sache. Ausgerechnet die Tigerin. Sie war schon ganz jung dabei gewesen, mit 18 Jahren hatte sie sich dem Kampf angeschlossen. Es heisst, sie habe die Waffen ihrer Schönheit auch einmal dafür eingesetzt, einem Polizisten den Kopf zu verdrehen, ihn in eine Liebesromanze zu verwickeln, um an Informationen zu kommen. So berechnend war sie, so besessen von der Mission.

Die ETA schickte sie bald in die Hauptstadt, ins «Comando Madrid», der aktivsten und brutalsten Zelle der Organisation. Sie soll auch am Attentat an der Plaza de la República Dominicana in Madrid beteiligt gewesen sein. 14. Juli 1986, 7.45 Uhr. Ein Bus der Guardia Civil fuhr über den Platz, als ein Lieferwagen, den die ETA mit Sprengstoff gefüllt hatte, explodierte. 12 Polizisten kamen um. Es war der bis dahin schwerste Anschlag in Spanien seit dem Übergang zur Demokratie. Allein für dieses Attentat wurde Idoia López Riaño später zu 1572 Jahren Haft verurteilt. Die französische Polizei fasste sie 1994. Sie sass dann einige Jahre in Marseille ab, bevor sie 2001 an Spanien ausgeliefert wurde. Im Gefängnis in Granada begann sie ein Fernstudium zur Journalistin, lernte Keramikkunst und Tai-Chi, bevor sie, wie die konservative Zeitung «El Mundo» mit einer Spitze Hohn und Skepsis schreibt, für die Haftverlegung ins Baskenland von der Tigerin zum reumütigen Kätzchen mutierte. Fast über Nacht. Und so nun die Gunst der Reuelosen verlor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.11.2011, 20:01 Uhr

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4 Kommentare

Marcel Bühler

25.11.2011, 16:36 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Anstatt dumme Polemiken über blutrünstige Tigerinnen und schöne, reuemütige Kätzinnen zu verbreiten, könnte man auch mal etwas über den Hintergrund des langjährigen Konfliktes zwischen der ETA und dem spanischen Staat erfahren? Um was geht es und warum dauert der Konflikt schon so lange? Antworten


Franiska Keller

25.11.2011, 14:14 Uhr
Melden 2 Empfehlung

2111 Jahre Haft ist doch mal eine angepasste Strafe für Mehrfachmord. Sollte bei uns auch möglich sein. Nicht nur Lebenslänglich wobei bei guter Führung schon nach wenigen Jahren Ausgang gewährt wird und Lebenslänglich max. 15 Jahre dauert. Antworten



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