Der ausdauernde Pokerspieler
Aktualisiert am 16.06.2011 12 Kommentare
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Kabinettsbildung verschoben
Nach einer siebenstündigen Krisensitzung mit Abgeordneten seiner sozialistischen Regierungspartei hat der unter Druck geratene griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou die Vorstellung seines neuen Kabinetts auf Freitag verschoben.
Trotz entsprechender Forderungen vonseiten der Opposition hatte Papandreou einen Rücktritt zuvor ausgeschlossen.
USA machen Druck
Das Weisse Haus erklärte derweil, es sei «wichtig», dass die griechische Regierung die Sparpläne auch umsetze. Ein Scheitern würde zu «Gegenwind» für die Weltwirtschaft führen. Zuvor hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) weitere Hilfen für Griechenland davon abhängig gemacht, dass Athen den vereinbarten Sparkurs fortsetzt.
(dapd/sda)
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Für den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou schlägt in diesen Tagen die Stunde der Wahrheit. Die Zeit für ihn und sein Land wird immer knapper. Griechenland droht die Pleite, wenn das Parlament das neue drastische Sparprogramm nicht rechtzeitig verabschieden kann.
Der Sozialist muss beweisen, dass er sein Land aus der Krise führen kann. Papandreou pokert hoch. Zunächst schlug er der Opposition vor, eine grosse Koalition zu bilden - und dafür notfalls sogar zurückzutreten. Dann machte er einen Rückzieher und beschloss, allein einen Weg aus der Krise zu suchen. Es ist ein steiniger Weg - ohne Sicherheit und Wegweiser.
Spross einer Politikerdynastie
Doch Papandreou hat Ausdauer. Nicht nur politisch. Er fährt viel Fahrrad, er rudert und ist gertenschlank. Er ist radikaler Nichtraucher und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er kann aber auch anders: «Vorwärts für ein neues Griechenland», rief er mit geballten Fäusten nach seinem Wahlsieg im Oktober 2009.
Der in den USA geborene Spross einer griechischen Politikerdynastie trat damals mit dem Anspruch an, sein Land in ein neues Zeitalter ohne Korruption und Vetternwirtschaft zu führen. «Transparenz überall», das war sein Motto. Heute steht er vor einem Scherbenhaufen.
Schlankerer Staat
Die Regierung hat es bislang nicht geschafft, den griechischen Mega-Staat mit 750'000 Staatsbediensteten zu verschlanken. Trotz der Entlassung von fast 80'000 auf Zeit Beschäftigten macht der Staat weiterhin Schulden. Und von Transparenz ist nichts zu spüren. Ohne Bestechung geht vielerorts gar nichts - nicht einmal eine rasche Operation im Spital.
Dem Land droht der Staatsbankrott, es häufen sich über 330 Milliarden Euro Schulden auf, Tendenz steigend. Gegen starken Widerstand peitschte Papandreou ein drakonisches Sparprogramm durch, um das Defizit im Jahr 2010 um fünf Prozentpunkte zu drücken.
Das ist ihm zwar gelungen. Doch für die Bürger ist dies mit harten Einschnitten verbunden. Binnen weniger Monate verloren die Staatsbediensteten mehr als 20 Prozent ihres Einkommens. Die Arbeitslosigkeit stieg binnen 18 Monaten von 11,5 auf 16,2 Prozent.
Nicht fehlerfreies Griechisch
Papandreou wurde in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota geboren. Dass er lange in den USA und auch in Schweden gelebt hat, merkt man daran, dass sein Griechisch nicht immer fehlerfrei ist. Sein Grossvater Georgios Papandreou und sein Vater Andreas Papandreou waren griechische Ministerpräsidenten.
Über verschiedene Regierungsämter stieg Giorgos Papandreou 1999 zum Aussenminister auf. Während seiner Amtszeit verbesserten sich die schwierigen Beziehungen zwischen den ehemals verfeindeten Nachbarn Griechenland und Türkei deutlich. Das ist bislang sein grösster politischer Erfolg.
2004 übernahm er die Führung der griechischen Sozialisten. Im Oktober 2009 gewann er die Wahlen mit einem Triumph, 44 Prozent bekam er damals.
Heute zeigen Umfragen, dass nur noch 27 Prozent der Griechen dem schlanken grossen Mann vertrauen, der auch Präsident der sozialistischen Internationalen ist. Papandreou studierte Soziologe, ist verheiratet, hat zwei Kinder - und wurde am Donnerstag 59 Jahre alt. Zum Feiern dürfte ihm zurzeit aber kaum zumute sein. (kpn/sda)
Erstellt: 16.06.2011, 21:58 Uhr
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12 Kommentare
Griechenland ist einfach nur ein peinlicher Staat mit einer Elite, die sich schamlos bereichert und unfähig ist, einen vernünftigen Staatshaushalt zu führen. Und wofür brauchen die eigentlich 750000 Staatsbedienstete? Man kann nur hoffen, dass sie jetzt die Quittung bekommen. Antworten
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