Der einsame Sieg der Angela Merkel

Mit der gestrigen Wahl stellt sich Angela Merkel in die Reihe der grossen Namen der CDU. Doch das Ergebnis ist in einer gewissen Weise ungerecht und paradox.

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Nach Konrad Adenauer und Helmut Kohl hat Angela Merkel es geschafft, zum dritten Mal in Folge im Kanzleramt bestätigt zu werden. Damit hat die Mehrheit der Wähler ein deutliches Votum für Stabilität und Sicherheit abgegeben. Deutschland ist in den vergangenen Jahren der Eurokrise konservativer geworden.

Doch das Ergebnis ist in einer gewissen Weise ungerecht und paradox: ungerecht, weil mit den sich abzeichnenden Parteienstärken die erwünschte Kontinuität nicht herzustellen sein wird. Denn die Wähler haben nicht die christlich-liberale Koalition für die Regierungsarbeit der vergangenen vier Jahre belohnt, sondern allein die Unionsparteien. Die FDP wurde abgestraft. Sie fliegt nach 64 Jahren aus dem deutschen Parlament. Paradox ist das Wahlresultat deshalb, weil nun eine wirklich stabile Fortsetzung der Kanzlerschaft von Angela Merkel nur mit einer neuen Koalition zu haben sein wird. Sollten nämlich CDU und CSU am Ende nicht noch eine starke absolute Mehrheit erlangen, muss sich Angela Merkel in den nächsten vier Jahren entweder mit der SPD oder den Grünen arrangieren.

Ein Zusammengehen mit den Grünen ist dabei wenig wahrscheinlich. Zu weit nach links hat sich die Ökopartei in diesem Wahlkampf bewegt. Zudem würde Merkel mit der grünen Partei eine klare Wahlverliererin in die Regierung holen. Anders bei der SPD: Trotz des zweitschlechtesten Ergebnisses in ihrer Geschichte haben die Sozialdemokraten leicht zugelegt. Zudem würde eine Grosse Koalition gemäss Umfragen dem Wunschbündnis einer Mehrheit der Deutschen entsprechen.

Im Bündnis mit der SPD liessen sich auch die grossen Probleme leichter anpacken, vor denen Deutschland steht – etwa die Reform der Währungsunion oder die Umsetzung der Energiewende. Doch Merkel müsste wohl einen hohen politischen Preis bezahlen, um die SPD in die Regierung zu locken. Der einsame Sieg der Angela Merkel hat die Kanzlerin deshalb nicht gestärkt.

(Erstellt: 22.09.2013, 23:57 Uhr)

Luciano Ferrari ist Ressortleiter Ausland beim «Tages-Anzeiger».

Die CDU feiert ihr Wahlergebnis. (22. September 2013) (Video: Reuters )

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