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«Der grosse Zampano ist entzaubert»

Die französischen Regionalwahlen sind ein Stimmungstest für Präsident Nicolas Sarkozy. Laut ersten Resultaten erlitt das konservative Lager von Sarkozy eine schwere Niederlage.

Deutlicher Dämpfer für seine Politik: Nicolas Sarkozy.

Deutlicher Dämpfer für seine Politik: Nicolas Sarkozy.
Bild: Keystone

Die oppositionellen Sozialisten gewannen die ersten Runde der Regionalwahlen mit 29,4 Prozent, deutlich vor Sarkozys UMP und deren Koalitionspartner mit 26,15 Prozent. Der dritte Rang war hart umkämpft von den Grünen und dem rechts-extremen Front National von Jean-Marie Le Pen. Die Grünen wurden schliesslich mit 12,2 Prozent drittstärkste Partei, gefolgt vom Front National mit 11,59 Prozent, wie am späten Abend nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen bekannt gegeben wurde.

Die Regierungspartei erklärte ihr schlechtes Abschneiden mit der geringen Wahlbeteiligung. Die Enthaltung von über der Hälfte der Wahlberechtigten erlaube keine Rückschlüsse auf die nationale Stimmung, sagte Ministerpräsident François Fillon.

Negativrekord

Das sieht Sozialisten-Chefin Martine Aubry naturgemäss anders. «Die Franzosen sagen: Wir wollen nicht mehr diese ungerechte und unwirksame Politik», interpretierte sie das Wahlresultat. Gleichzeitig rief sie die Wahlberechtigten auf, für die zweite Runde am kommenden Sonntag die Anstrengungen noch zu verstärken.

53,3 Prozent der Wahlberechtigten gingen bei der ersten Runde nicht zur Urne. Dies ist ein Negativrekord. Noch nie blieben so viele Menschen französischen Regionalwahlen fern. Bei den letzten Regionalwahlen vor sechs Jahren waren es in der ersten Runde 37,9 Prozent, die nicht abstimmen gingen.

Die Regionalwahlen sind die letzte wichtige Abstimmung vor der Präsidentenwahl in zwei Jahren. Umfragen sagen den Sozialisten für die zweite Runde am kommenden Wochenende einen Sieg mit 52 Prozent gegenüber 28 Prozent für das Sarkozy-Lager voraus.

«Sarkozys Stil hat sich erschöpft»

Zur Halbzeit seiner Amtszeit war die Regionalwahl für Sarkozy etwa das, was die Wahl in Nordrhein-Westfalen für Angela Merkel bedeutet, erklärt der stellvertretende Direktor des Deutsch-Französischen Instituts (DFI), Henrik Uterwedde. «Der grosse Zampano ist entzaubert», sagte er. «Sarkozys Stil hat sich erschöpft. Da er mit dem hohen Anspruch angetreten ist, alles anders zu machen, war die Fallhöhe besonders gross.» Nur etwa gut ein Drittel der Franzosen trauen ihm laut Umfrage noch zu, mit den Problemen des Landes fertig zu werden.

Grüne begehrter Bündnispartner

Für die Sozialisten kommt es bei der Bündnisbildung vor allem auf die Grünen an. Für die UMP dürfte es vor allem darum gehen, Wähler der rechtsextremen Partei Front National (FN) abzuwerben.

Eine Schlappe erlitten die Sozialisten in der südfranzösischen Region Languedoc-Roussillon. Der abtrünnige Regionalpräsident Georges Frêche schaffte es als einziger linker Kandidat in die Stichwahl. PS-Chefin Martine Aubry hatte kurzfristig eine Gegenliste zu Frêche aufgestellt, nachdem dieser wegen als judenfeindlich bewerteter Äusserungen in die Schlagzeilen geraten war. Die PS-Gegenliste kam nun nur auf sieben Prozent und schied damit aus.

An der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag können alle Parteien teilnehmen, die im ersten Durchgang mehr als zehn Prozent der Stimmen halten. Bis zur zweiten Runde können die Parteien nun untereinander Bündnisse bilden. (vin/sda/ddp)

Erstellt: 15.03.2010, 09:02 Uhr

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