Deutscher Geheimdienst setzt Migranten als Informanten ein

Deutsche Nachrichtendienste haben gemäss einem Bericht versucht, Informationen von Asylbewerbern zu bekommen. Als Belohnung winkte den Flüchtlingen ein Schutzstatus.

Umstrittene Praxis: Logo des BND am Hauptquartier in Berlin.

Umstrittene Praxis: Logo des BND am Hauptquartier in Berlin. Bild: Sören Stache/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

850 Asylbewerber wurden zwischen 2000 und 2013 vom Bundesnachrichtendienst (BND) und vom Bundesamt für Verfassungsschutz zwecks Informationsbeschaffung kontaktiert, berichtet «Spiegel Online». Mitarbeiter der mittlerweilen nicht mehr existierenden Abteilung «Hauptstelle für Befragungswesen» hatten die Asylbewerber ausgehorcht.

Diese Befragungen sind umstritten, da den Flüchtlingen gemäss dem Bericht oft ein Schutzstatus zugesprochen wurde, den sie unter Umständen ohne die Kooperation gar nicht hätten erhalten können. Womöglich wurden potenzielle Informanten mit der rechtlichen Besserstellung auch gelockt.

Kritik von der Opposition

Martina Renner, Bundestagsabgeordnete der Linken, kritisiert diese Praxis. «Wenn Geheimdienste fortgesetzt Flüchtlinge unter Druck setzen, ist das nicht nur moralisch verwerflich. Auch der Wahrheitsgehalt der so gewonnenen Informationen muss in Zweifel gezogen werden», wird sie zitiert.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen schöpft der BND allerdings auch weiterhin Zufluchtsuchende in Deutschland ab – auf «freiwilliger Basis», wie es dem Nachrichtenmagazin «Spiegel »zufolge heisst. (nag)

(Erstellt: 30.01.2016, 11:40 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Nachrichtendienst überprüfte doppelt so viele Asyldossiers

Bei 9 von 5000 kontrollierten Anträgen von Flüchtlingen gab der NDB eine Empfehlung zur Ablehnung. Mehr...

Informanten lüften Geheimnis um «Penny Lane»

Es war ein riskantes Spiel: Nach dem 11. September 2001 warb der US-Geheimdienst Häftlinge im Gefangenenlager Guantánamo an, bildete sie als Doppelagenten aus und sandte sie in ihre Heimat zurück. Mehr...

Ecclestone belohnt Spitzel mit 1 Million

Der Formel-1-Chef setzt bei der Einhaltung der Budgetobergrenze auf Informanten – und bietet ein grosszügiges Dankeschön. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Werbung

Blogs

Sweet Home 10 Ideen für Weihnachtsbäume

Welttheater Unser Heimweh-Ausländer in Peking

Weiterbildung

Trainieren oder verlieren

Mit Gedächtnistrainings die Lernfähigkeit verbessern.

Die Welt in Bildern

Hart im Nehmen: Ein Schwimmer im chinesischen Shenyang nutzt eine aufgebrochene Stelle in einem zugefrorenen See, um ein paar Längen zu absolvieren. (9. Dezember 2016)
(Bild: Sheng Li) Mehr...