Deutschland muss wegen Hitlers Schulden vor Gericht
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Nach über siebzig Jahren will die Firma World Holdings aus Florida endlich ihr Geld zurück. Ingesamt 208 Millionen Dollar lieh sie nach dem Ersten Weltkrieg dem deutschen Staat. Viel Rendite sah sie nach eigenen Angaben jedoch nie: Adolf Hitler verweigerte nach seiner Machtübernahme 1933 sämtliche Zahlungen.
Jetzt soll die alte Rechnung beglichen werden – und zwar vom heutigen Deutschland. World Holdings hat den Staat vor einem Gericht in Miami eingeklagt. Laut ihrem Anwalt Michael Elsner fordert die Firma insgesamt einen Betrag von über 450 Millionen Dollar von Deutschland, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet.
Das Gericht in Miami lehnte den Prozess zunächst ab, weil es sich als nicht zuständig betrachtet. Nach einem Abkommen von 1953 müssen sich potenzielle Gläubiger an eine Kommission in Deutschland wenden, die über die Forderung befindet. Doch jetzt entschied das Berufungsgericht von Atlanta, dass amerikanische Gerichte sehr wohl über entsprechende Klagen befinden können.
Wert schwierig einzuschätzen
Der Entscheid bedeute noch nicht, dass die Forderungen von World Holdings berechtigt seien, hält das Gericht fest. World Holdings wird beweisen müssen, dass die Anleihen tatsächlich echt und ausserdem noch nicht beglichen worden sind. Der Anwalt des deutschen Staates, Gerald Houlihan, hat das Urteil bislang nicht kommentiert. Auch die deutsche Botschaft in Washington schweigt bislang. Während des Prozesses hatte die deutsche Seite argumentiert, viele Schuldscheine seien während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen.
Laut Klägeranwalt Elsner hat das damalige Deutschland die Schulden ganz bewusst nicht bezahlt. «Sie haben in den 1930ern entschieden, dass sie das nie bezahlen werden», zitiert ihn Bloomberg.
«Es wird sehr interessant sein»
Für das Gericht in Miami dürfte es schwierig sein, den Wert der Forderung zu beurteilen. Der Marktwert alter Staatsanleihen errechne sich üblicherweise aus dem einst geschuldeten Zins sowie der Entwicklung des Goldpreises, sagte Händler Amir Zada gegenüber Bloomberg. «Wie viel diese Anliegen tatsächlich wert sind, lässt sich im Moment lediglich schätzen», so Zada. «Es wird sehr interessant sein, wie das Gericht entscheidet.»
(oku)
Erstellt: 12.08.2010, 10:49 Uhr
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