Ausland
Deutschland verspottet seinen Präsidenten
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 17.03.2010 15 Kommentare
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Wer auf Schloss Bellevue herrscht, von dem wird etwas erwartet. Repräsentatives. Das Volk will sich gut vertreten sehen, das war nicht nur früher so. Auf dem Berliner Schloss Bellevue herrscht seit 2004 Horst Köhler. Von der «Bild-Zeitung» einst als «Super-Horst» aufgebaut, erfüllte der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), während einiger Jahre tatsächlich die Erwartungen der Bürger. Zumindest teilweise in seiner ersten Amtszeit.
Inzwischen steht er in der zweiten Periode und er wird immer stiller. So still, dass fast die ganze Medienlandschaft verbal auf ihn einprügelt. «Köhler gehen die Worte aus», ist dabei noch die harmlose Form heute im «Hamburger Abendblatt. «Gäbe es nicht die protokollarischen Pflichten, könnten die Deutschen den Eindruck gewinnen, Horst Köhler sei gar nicht mehr ihr Bundespräsident», so das Blatt weiter. «Was macht eigentlich Super-Horst?», fragt «Bild», um mehr oder weniger bedeutungslose Anlässe aufzulisten, bei denen er seine Aufwartung machte. «Präsident ohne Worte», lästerte Spiegel Online schon vor ein paar Tagen.
Als «jähzornig» beschrieben
Ziemlich viel Haue für einen, der ein «unbequemer» Präsident sein wollte. «Missbrauch, Hartz IV, Euro-Krise - dazu kommt aus Schloss Bellevue kein Wort der Orientierung», so Spiegel Online.
Und nun, da sich die Medien schon einmal auf ihren Präsidenten eingeschossen haben, kommt es für Köhler Schlag auf Schlag. Von «Palast-Revolution im Hause Köhler» ist jetzt die Rede. So still der Präsident nach aussen ist, im Inneren seines Amtes rumort es offenbar. Im Stabe Köhlers tobe ein Machtkampf, meldete heute der Deutschlandfunk. Und bei den Köhler-Mitarbeitern dominiert eine Art Fluchtbewegung. Kein Wunder, laut dem Bericht herrsche ein «militärischer» Führungsstil. Und Köhler selber? Der wird vom als sehr seriös geltenden Deutschlandfunk nun als «jähzornig» beschrieben. Nicht gerade das, was man vom obersten Vermittler des Landes erwarten würde. Hat ihm die dauernde Kritik dermassen zugesetzt?
Das Dilemma Köhlers liegt nicht nur in der Ausgestaltung seines Amtes, aber auch. Anders als zum Beispiel in Frankreich, hat der Präsident Deutschlands praktisch keine Macht. Einmal abgesehen von der Möglichkeit der vorzeitigen Auflösung des Bundestages, dem Bundesparlament. Umsomehr wird von ihm verlangt, dass er die Macht des Wortes nutzt. Dass er sich einmischt in die aktuelle Debatten und das gerade wegen seiner Funktion als Ersatz-Monarch, der über den politischen Parteien und über dem politischen Tageskampf steht.
Schillernde Vorgänger
Seine Vorgänger wussten das besser einzusetzen. «Richard von Weizsäcker sogar auf eine sehr zugespitzte Weise, als er den politischen Parteien - gemeint war vor allem Helmut Kohl - Machtbesessenheit und zugleich Machtvergessenheit vorwarf», so Spiegel Online. Genannt wird hier auch die legendäre «Ruck-Rede» 1997 des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Möglich, dass sich Köhler nochmals einen Ruck geben kann.
Einige haben ihn schon abgeschrieben. «Auch wenn Köhler (...) die restlichen vier Jahre präsidiert, scheinen seine Tage als Präsident irgendwie schon jetzt gezählt», schreibt Spiegel Online. In einer Umfrage auf faz.net geben gerade mal noch 28 Prozent an, hinter Köhler zu stehen. Die anderen hielten ihn von Anfang an für die «falsche Wahl» oder meinen, dass er nach gutem Start «stumm und blass» geworden sei.
Seien wir froh, dass das politische System Schweiz nicht einen Bundespräsidenten kennt, der mit keinerlei Macht und allein repräsentativen Aufgaben ausgestattet ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.03.2010, 16:59 Uhr
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15 Kommentare
Nun der Herr Bundespräsident a.D. Horst Köhler hat für sich den richtigen Weg gewählt. Alleine die Politiker und gerade auch die Medien haben ihn dazu veranlasst, weil die seine Worte zum Bundeswehreinsatz in Bezug auf die wirtschaftlichen Interessen wirklich falsch ausgelegt haben. Wer hat denn da nicht richtig zugehört? Die Medien und die Hilfspolitiker die sich jetzt als Kritiker aufspielen! Antworten
Wenn er redet, wirft man ihm vor, er mische sich ungebührlich in die Tagespolitik ein; wenn er sich zurückhält, ist es auch nicht recht. Allerdings: in der heutigen schwierigen Lage, in welcher sich das Land befindet und der mangelnden Führung seitens derjenigen, welche die politische Verantwortung tragen (Regierung Merkel) wäre der Bundespräsident als Leitfigur mit klaren Aussagen gefordert.... Antworten
Haben die lieben Nachbarn keine anderen Sorgen-oder müssen sie eventuell zur Ablenkung ihrer täglichen Chaos- nachrichten ein Bauernopfer haben.Hoffentlich lässt sich das Volk nicht ablenken von diesen primitiven "Grösse- wahn"rufern.Dummheit-Hochmut und Stolz wachsen auf selben Holz.Seit glücklich mit einem solchen Mann-es gibt inder BRD keine handvoll Politiker die ein solche Niveau haben. Antworten
Da hat doch gestern der Herr Köhler wohl auf Antrag der Merkel den "Professor von Heidelberg" (damaliges Zitat Schröder) zum Vizepräsidenten der Bundesverfassungsgerichtes ernannt, welcher Merkel's Wahlschlamassel von rund 6 Jahren verursacht hat und zuvor schon als Bundesfinanzminister vorgesehen war. Es war ihm sichtlich peinlich, aber das zur Zeit verquere Deutschland ist nicht ihm anzulasten. Antworten
Nun ja, so schlimm ist der Bundes-Horsti doch auch wieder nicht. Er kostet halt nur Geld. Aber die anderen haben Könige, das ist auch nicht besser. Charisma hat er gar nicht, seinen Vorgängern kann er nicht das Wasser reichen. Seit R. von Weizsäcker müssen sich alle Bundespräsidenten an diesem messen lassen, wird auch so in der Zukunft sein. Antworten
Der letzte Satz ist unnötig und zudem dumm. Er ist einmal völlig falsch - der Bundespräsident hat zwar keine gestalterische Fähigkeit, dafür umsomehr Veto Möglichkeiten. Erst das Grundgesetz lesen, dann schreiben! Zum anderen ist seine Rolle eine direkte Folge aus den Fehlern der Weimarer Reichsverfassung. Antworten
Köhler sei spröde, unnahbar, introvertiert. Ich begegnete ihm vor einigen Monaten zufälligerweise in Berlin. Den Weg vom Pressezentrum des Parlaments zurück zum Schloss Bellevue legte er zum Teil zu Fuss zurück. Er schüttelte mir die Hand, ich sagte Grüezi. Er "Ah, ein Schweizer. Momentan etwas Eiszeit zwischen unseren Staaten. Das wird sich legen. Aufwiedersehen.". Spröde? Distanzierrt? Antworten


Die Welt in Bildern
gabriele spreter
Armes Deutschland, was kommt noch? War Ihnen Herr Bundespräsident die Anerkennung und der Respekt und die Liebe von der deutschen Bevölkerung zu wenig? Hat Sie das Amt oder der Umgang mit unseren kritiksüchtigen PolitikerInnen dünnhäutig gemacht? Wie ist diese Ihre Botschaft für die Menschen in Deutschland zu verstehen? Für den Soldaten im von Ihnen gewürdigten Einsatz? Ist Fahnenflucht angesagt? Antworten