Ausland

Startseite · Abo · Immobilien · Job · Auto · Kleinanzeigen

Deutschland verspottet seinen Präsidenten

Unsere Nachbarn hadern mit Horst Köhler. Er ist nicht der Bundespräsident, den sie wollen. Lieber wäre ihnen ein richtiger Schlossherr. Nun zeigt die endlose Haue Wirkung. Wenn auch nicht die gewollte.

1/11 Horst Köhler tritt ab.

   

Wer auf Schloss Bellevue herrscht, von dem wird etwas erwartet. Repräsentatives. Das Volk will sich gut vertreten sehen, das war nicht nur früher so. Auf dem Berliner Schloss Bellevue herrscht seit 2004 Horst Köhler. Von der «Bild-Zeitung» einst als «Super-Horst» aufgebaut, erfüllte der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), während einiger Jahre tatsächlich die Erwartungen der Bürger. Zumindest teilweise in seiner ersten Amtszeit.

Inzwischen steht er in der zweiten Periode und er wird immer stiller. So still, dass fast die ganze Medienlandschaft verbal auf ihn einprügelt. «Köhler gehen die Worte aus», ist dabei noch die harmlose Form heute im «Hamburger Abendblatt. «Gäbe es nicht die protokollarischen Pflichten, könnten die Deutschen den Eindruck gewinnen, Horst Köhler sei gar nicht mehr ihr Bundespräsident», so das Blatt weiter. «Was macht eigentlich Super-Horst?», fragt «Bild», um mehr oder weniger bedeutungslose Anlässe aufzulisten, bei denen er seine Aufwartung machte. «Präsident ohne Worte», lästerte Spiegel Online schon vor ein paar Tagen.

Als «jähzornig» beschrieben

Ziemlich viel Haue für einen, der ein «unbequemer» Präsident sein wollte. «Missbrauch, Hartz IV, Euro-Krise - dazu kommt aus Schloss Bellevue kein Wort der Orientierung», so Spiegel Online.

Und nun, da sich die Medien schon einmal auf ihren Präsidenten eingeschossen haben, kommt es für Köhler Schlag auf Schlag. Von «Palast-Revolution im Hause Köhler» ist jetzt die Rede. So still der Präsident nach aussen ist, im Inneren seines Amtes rumort es offenbar. Im Stabe Köhlers tobe ein Machtkampf, meldete heute der Deutschlandfunk. Und bei den Köhler-Mitarbeitern dominiert eine Art Fluchtbewegung. Kein Wunder, laut dem Bericht herrsche ein «militärischer» Führungsstil. Und Köhler selber? Der wird vom als sehr seriös geltenden Deutschlandfunk nun als «jähzornig» beschrieben. Nicht gerade das, was man vom obersten Vermittler des Landes erwarten würde. Hat ihm die dauernde Kritik dermassen zugesetzt?

Das Dilemma Köhlers liegt nicht nur in der Ausgestaltung seines Amtes, aber auch. Anders als zum Beispiel in Frankreich, hat der Präsident Deutschlands praktisch keine Macht. Einmal abgesehen von der Möglichkeit der vorzeitigen Auflösung des Bundestages, dem Bundesparlament. Umsomehr wird von ihm verlangt, dass er die Macht des Wortes nutzt. Dass er sich einmischt in die aktuelle Debatten und das gerade wegen seiner Funktion als Ersatz-Monarch, der über den politischen Parteien und über dem politischen Tageskampf steht.

Schillernde Vorgänger

Seine Vorgänger wussten das besser einzusetzen. «Richard von Weizsäcker sogar auf eine sehr zugespitzte Weise, als er den politischen Parteien - gemeint war vor allem Helmut Kohl - Machtbesessenheit und zugleich Machtvergessenheit vorwarf», so Spiegel Online. Genannt wird hier auch die legendäre «Ruck-Rede» 1997 des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Möglich, dass sich Köhler nochmals einen Ruck geben kann.

Einige haben ihn schon abgeschrieben. «Auch wenn Köhler (...) die restlichen vier Jahre präsidiert, scheinen seine Tage als Präsident irgendwie schon jetzt gezählt», schreibt Spiegel Online. In einer Umfrage auf faz.net geben gerade mal noch 28 Prozent an, hinter Köhler zu stehen. Die anderen hielten ihn von Anfang an für die «falsche Wahl» oder meinen, dass er nach gutem Start «stumm und blass» geworden sei.

Seien wir froh, dass das politische System Schweiz nicht einen Bundespräsidenten kennt, der mit keinerlei Macht und allein repräsentativen Aufgaben ausgestattet ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.03.2010, 16:59 Uhr

WRITE A COMMENT (With E-mail confirmation)







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

15 Kommentare

gabriele spreter

01.06.2010, 01:10 Uhr
Melden

Armes Deutschland, was kommt noch? War Ihnen Herr Bundespräsident die Anerkennung und der Respekt und die Liebe von der deutschen Bevölkerung zu wenig? Hat Sie das Amt oder der Umgang mit unseren kritiksüchtigen PolitikerInnen dünnhäutig gemacht? Wie ist diese Ihre Botschaft für die Menschen in Deutschland zu verstehen? Für den Soldaten im von Ihnen gewürdigten Einsatz? Ist Fahnenflucht angesagt? Antworten


Lothar Hiestand

31.05.2010, 18:03 Uhr
Melden

Nun der Herr Bundespräsident a.D. Horst Köhler hat für sich den richtigen Weg gewählt. Alleine die Politiker und gerade auch die Medien haben ihn dazu veranlasst, weil die seine Worte zum Bundeswehreinsatz in Bezug auf die wirtschaftlichen Interessen wirklich falsch ausgelegt haben. Wer hat denn da nicht richtig zugehört? Die Medien und die Hilfspolitiker die sich jetzt als Kritiker aufspielen! Antworten


Peter Brun

31.05.2010, 15:01 Uhr
Melden

Wenn er redet, wirft man ihm vor, er mische sich ungebührlich in die Tagespolitik ein; wenn er sich zurückhält, ist es auch nicht recht. Allerdings: in der heutigen schwierigen Lage, in welcher sich das Land befindet und der mangelnden Führung seitens derjenigen, welche die politische Verantwortung tragen (Regierung Merkel) wäre der Bundespräsident als Leitfigur mit klaren Aussagen gefordert.... Antworten


Bruno Hochuli

18.03.2010, 14:32 Uhr
Melden

Ich schäme mich für das geistige Niveau der Gegner von Herr Köhler. Einer gegen alle, aber besser machen können sie es auch nicht. Lieber farblos als gemein. Antworten


Beat Moeri

18.03.2010, 11:00 Uhr
Melden

@Westermann Wo bitte steht im Artikel etwas von 'Größenwahn'-Rufern ? Dass der deutsche Präsident farblos und dem Amt nicht gerecht wird, tönt ja sogar aus der Schweizer Botschaft. Antworten


Paul Thürig

18.03.2010, 10:24 Uhr
Melden

Als Auslandschweizer ist mir der Deutsche Bundespräsident Horst Köhler sehr symphatisch.Er repräsentiert sein Land in angemessener Würde und mit viel Respekt vor seinen Landsleuten! Was soll man von ihm noch mehr erwarten? Antworten


Hannes Westermann

17.03.2010, 20:19 Uhr
Melden

Haben die lieben Nachbarn keine anderen Sorgen-oder müssen sie eventuell zur Ablenkung ihrer täglichen Chaos- nachrichten ein Bauernopfer haben.Hoffentlich lässt sich das Volk nicht ablenken von diesen primitiven "Grösse- wahn"rufern.Dummheit-Hochmut und Stolz wachsen auf selben Holz.Seit glücklich mit einem solchen Mann-es gibt inder BRD keine handvoll Politiker die ein solche Niveau haben. Antworten


Karl Franz

17.03.2010, 19:04 Uhr
Melden

Da hat doch gestern der Herr Köhler wohl auf Antrag der Merkel den "Professor von Heidelberg" (damaliges Zitat Schröder) zum Vizepräsidenten der Bundesverfassungsgerichtes ernannt, welcher Merkel's Wahlschlamassel von rund 6 Jahren verursacht hat und zuvor schon als Bundesfinanzminister vorgesehen war. Es war ihm sichtlich peinlich, aber das zur Zeit verquere Deutschland ist nicht ihm anzulasten. Antworten


Chris Dolfi

17.03.2010, 18:33 Uhr
Melden

Nun ja, so schlimm ist der Bundes-Horsti doch auch wieder nicht. Er kostet halt nur Geld. Aber die anderen haben Könige, das ist auch nicht besser. Charisma hat er gar nicht, seinen Vorgängern kann er nicht das Wasser reichen. Seit R. von Weizsäcker müssen sich alle Bundespräsidenten an diesem messen lassen, wird auch so in der Zukunft sein. Antworten


Reinhold Birgmann

17.03.2010, 17:52 Uhr
Melden

Der letzte Satz ist unnötig und zudem dumm. Er ist einmal völlig falsch - der Bundespräsident hat zwar keine gestalterische Fähigkeit, dafür umsomehr Veto Möglichkeiten. Erst das Grundgesetz lesen, dann schreiben! Zum anderen ist seine Rolle eine direkte Folge aus den Fehlern der Weimarer Reichsverfassung. Antworten


Marielouise Lavy

17.03.2010, 16:41 Uhr
Melden

Als Mensch ist mir Horst Köhler sehr sympathisch, als Bundespräsident ist er mir zu bieder und zu blass. Antworten


Heinz Dürst

17.03.2010, 16:36 Uhr
Melden

Harald Schidt wäre für diesen Job die richtige Wahl. Da würde sich niemand in D wegen stumm und blass beschweren. Antworten


reto stierli

17.03.2010, 16:26 Uhr
Melden

Na endlich....! Ich hatte mich gerade schon gefragt, wann der Tagi endlich wieder ein neues antideutsche Hetzthema findet. Und: voilà - da ist es. Danke! Antworten


Toni Stadelmann

17.03.2010, 16:23 Uhr
Melden

Köhler sei spröde, unnahbar, introvertiert. Ich begegnete ihm vor einigen Monaten zufälligerweise in Berlin. Den Weg vom Pressezentrum des Parlaments zurück zum Schloss Bellevue legte er zum Teil zu Fuss zurück. Er schüttelte mir die Hand, ich sagte Grüezi. Er "Ah, ein Schweizer. Momentan etwas Eiszeit zwischen unseren Staaten. Das wird sich legen. Aufwiedersehen.". Spröde? Distanzierrt? Antworten


Peter Weierstrass

17.03.2010, 15:43 Uhr
Melden

Keinerlei Macht? Ähm, der deutsche Bundespräsident kann gegen Bundestags-Entscheide sein Veto einlegen. Nur mit seiner Unterschrift wird ein Gesetz gültig. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

PackEasy Shop Betreuer/in (50 - 80%) Manor AG, Zürich

Leiter/in Pflege und Betreuung 100% TERTIANUM AG Residenz Im Brühl, Zürich

Anwendungsentwickler/in Klinikinformationssystem Phoenix (100%) Zürcher Höhenkliniken Wald & Davos, Faltigberg