Ausland

Die Abrechnung, die Sarkozy ins Schwitzen bringt

Aktualisiert am 30.10.2009 24 Kommentare

Frankreichs Präsidenten mögen es repräsentativ. Nicolas Sarkozy offenbar ganz besonders. Mit seinen Ausgaben stellt er gar Spesenritter Jacques Chirac in den Schatten. Das erzürnt die Franzosen.

Ein teurer Politiker: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Das Dokument des französischen Rechnungshofs dokumentiert die Ausgaben für den Mittelmeer-Gipfel am 13. Juli.

Ein teurer Politiker: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Das Dokument des französischen Rechnungshofs dokumentiert die Ausgaben für den Mittelmeer-Gipfel am 13. Juli.
Bild: Reuters

Das wird dem eitlen Mann gar nicht gefallen: Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sieht sich zur Mitte seiner ersten Amtszeit mit wenig erfreulichen Umfragewerten konfrontiert. «Die Mehrheit ist enttäuscht», meldete vor ein paar Tagen die Nachrichtenseite Nouvelobs.com, die eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Was in der Zwischenzeit publik geworden ist, dürfte der Popularität von Sarkozy zusätzlich schaden.

Verschiedene Medien veröffentlichten Auszüge aus einem Bericht des französischen Rechnungshofs. Punkto Ausgabendisziplin stellt der Bericht dem Staatspräsidenten ein schlechtes Zeugnis aus. Weil ein Parlamentsabgeordneter, der Einblick in den Bericht des Rechnungshofs hatte, pikante Details ausplapperte, weht dem Präsidenten in der Öffentlichkeit ein eisiger Wind entgegen. Für Aufregung sorgt insbesondere eine Dusche mit Power-Strahl, Jet-Massage und Surround-Sound-Radio. Diese kostete angeblich 245'572 Euro, also 370'782 Franken. Die Dusche soll eigens für den Mittelmeer-Gipfel vom 13./14. Juli im noblen «Grand Palais» im Zentrum von Paris eingerichtet worden sein.

Mittelmeer-Gipfel kostete 16 Millionen

Besonders schlimm sei, dass die Luxus-Dusche gar nicht gebraucht worden sei, kritisierte der sozialistische Abgeordnete René Dosière, der einigen Medien die brisanten Informationen gesteckt hatte. «Wer so mit den Steuergeldern umgeht, hat die Bodenhaftung verloren.» Als Reaktion darauf liess die französische Regierung verlauten, dass im «Grand Palais» gar keine Dusche gebaut worden sei, sondern Besprechungsräume für die Teilnehmer des Mittelmeer-Gipfels. Allerdings veröffentlichte die Webseite Mediapart das Foto der angeblich präsidialen Dusche, die in diesen Tagen zu reden gibt. Auf der Abrechnung figuriert für den Betrag von 245'572 Euro der Posten «Räume des Präsidenten und Konferezzimmer».

Kein Dementi gab es zu anderen Zahlen, etwa 90'000 Euro für den eigens für den Empfang gefertigten Teppich oder 195'000 Euro für Gartenarbeiten. Das Diner für rund 200 Gäste kostete über eine Million Euro - also rund 5000 Euro pro Kopf. Die Gesamtkosten des Mittelmeer-Gipfels beliefen sich auf über 16 Millionen Euro. Die zweitägige Prestigeveranstaltung fand im Rahmen der halbjährlichen EU-Ratspräsidentschaft Frankreichs statt.

Sarkozy brauchte dreimal mehr als Chirac

Die Präsidentschaft liess sich Sarkozy insgesamt 175 Millionen Euro kosten. Länder wie Österreich, Finnland oder Slowenien kamen jeweils mit 70 bis 80 Millionen durch. Als Präsident, der die Grande Nation auch entsprechend gut aussehen lassen will, gab Sarkozy nicht nur deutlich mehr Geld als kleine Länder aus. Er übertrumpfte auch seinen Vorgänger Jacques Chirac. Im Jahr 2000 kostete die französische EU-Ratspräsidentschaft etwa 57 Millionen. (vin)

Erstellt: 30.10.2009, 14:43 Uhr

24

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

24 Kommentare

Rene Meier

30.10.2009, 12:57 Uhr
Melden

Ich glaube, die Leute wollen das gar nicht wissen. Die Bürger wollen sich nicht mit diesen Details befassen. Wichtig ist das Vertrauen der Unterschicht in die Obrigkeit. Antworten


Josef Kunz

30.10.2009, 13:01 Uhr
Melden

Es ist wichtig, am morgen eine gute Dusche zu haben - dann verläuft der Tag schon viel besser....:) So leben die Politiker - und für die, welche überrascht sind, wenn eine Liste publiziert wird darf man IMMER davon ausgehen, dass das nur die Spitze des Eisberges ist (also, noch lange nicht alles). Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.