Die Anlagestrategie kommt vor dem Gottesglauben
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 05.08.2009
Banker sind «Räuber und Attentäter»: Erzbischof Rowan Williams hat sich im letzten September über «Leerverkäufer» ausgelassen.
Als «Räuber und Attentäter» hat Rowan Williams im letzten September Finanzhändler und Banker bezeichnet. Williams ist Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Er hat sich besonders daran gestört, dass einige der Händler auf fallende Kurse gewettet haben. Dabei belehnen sie Aktien, verkaufen diese (das nennt man einen «Leerverkauf» oder «short gehen») und kaufen die Titel nach einem Kursverfall billiger wieder zurück. Die Differenz abzüglich der Belehnungskosten ist ihr Gewinn.
Ein Grund für den Ärger des Priesters könnte auch in der eigenen Betroffenheit durch fallende Kurse gelegen haben: Das Vermögen der anglikanischen Kirche hat sich laut «Wall Street Journal» dank der Krise im letzten Jahr von 5,7 Milliarden Pfund um 23 Prozent auf 4,4 Milliarden verringert.
Glaube an Gott nicht notwendig…
Um einen weiteren Verlust auf dem eigenen Portfolio entgegenzutreten, hat sich die anglikanische Kirche auf die Suche nach einem Spezialisten der Finanzbranche gemacht, der künftig aus dem eigenen Vermögen mehr herausholen soll.
Weil es sich hier ohnehin nicht um den allerheiligsten Auftrag handelt, erstaunt es kaum, dass ein Anwärter für den Posten nach Auskunft eines Kirchenvertreters nicht notwendigerweise an Gott glauben muss.
…doch auf keinen Fall ein Leerverkäufer
Ein wichtiges Kriterium war allerdings, dass dieser den von der Kirche gesetzten ethischen Standards entsprechen muss. Damit war wohl vor allem gemeint, dass der gesuchte Portfoliomanager sich nicht als «Räuber und Attentäter», beziehungsweise als Leerverkäufer betätigt hat.
Nach acht Monaten Suche und nach Prüfung von 70 Jobanwärtern hat gestern die Kirche die Neubesetzung des Postens bekannt gegeben: Tom Joy heisst der neue Herr über das heilige Geld. Tatsächlich hat er sich in seiner bisherigen Tätigkeit als «Chief Investor Officer» bei der Finanzboutique RMB Asset Management offenbar noch nie mit Leerverkäufen versündigt.
Und Joy, der seinen Posten im kommenden Oktober antreten wird, bietet seinem neuen Arbeitgeber sogar mehr als der verlangt hat. Er glaubt an Gott und ist Mitglied der anglikanischen Kirche. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.08.2009, 16:53 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



