«Die Banken-Razzia war ein Scheinmanöver»
Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 30.10.2009 14 Kommentare
Giuseppe Turani
Der 68-Jährige aus Voghera bei Mailand ist Wirtschaftspublizist und Buchautor. Er leitet seit vielen Jahren die Wirtschaftsbeilage «Affari e Finanza» der «Repubblica» .
Herr Turani, die Razzia der italienischen Steuerpolizei bei Schweizer Banken in Italien wirft hohe Wellen zwischen den beiden Ländern. Was ist da dran?
Um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung, was das sollte. Diese Kontrollen bringen die Behörden nicht weiter, die finden so nichts. Wahrscheinlich war es eine Art Einschüchterungsaktion: Aber wer sollte so schon eingeschüchtert werden?
Die Schweiz und ihr Finanzplatz?
Dafür gibt es doch Regierungen. Die können miteinander reden, verhandeln, streiten, Pakte schliessen, Abkommen unterzeichnen – buona notte. Aber was bringt es, die Guardia di Finanza rauszuschicken und die Banken zu kontrollieren? Das war wohl nur so eine Aktion ohne tieferen Sinn – ein Scheinmanöver.
Es gibt die Vermutung, der «Scudo fiscale» funktioniere nicht so gut. Und dass Giulio Tremonti deshalb mit solchen Initiativen etwas nachhelfen will.
Ich habe andere Informationen. Es sieht so aus, als laufe der «Scudo» im Gegenteil sehr gut. Das ist ja auch nicht verwunderlich: Die Kritik an der Steueramnestie war diesmal deshalb so gross, weil der Strafzoll so tief ist und kaum Auflagen bestehen für die Legalisierung der illegal ausgeführten Vermögen. Ich kann Ihnen versichern: Wenn ich selber viel Geld in die Schweiz ausgelagert hätte, dann wäre das der absolut beste Moment, das Geld zurückzubringen. Einfacher und billiger geht es ja gar nicht mehr.
Kann es sein, dass die Operation eher einen innenpolitischen Zweck hatte? Von Tremonti sagt man, er habe sich mit Premier Silvio Berlusconi überworfen.
Ich, nein, das glaube ich auch nicht. In Italien passieren nun mal komische Geschichten wie diese hier, ohne dass es dafür unbedingt eine sinnvolle Erklärung gibt.
Was halten Sie vom Gerücht, dass unter diesem Steuerschild grosse Kapitalien von berühmten Italienern zurückgeführt werden sollen?
Das hingegen halte ich für möglich, denn der «Scudo» ist für solche Rückführungen sehr verlockend. Wir wissen ja zum Beispiel von den kolossalen Summen, die Silvio Berlusconi, der Premierminister dieses Landes, im Ausland liegen haben soll. Es laufen dazu Prozesse in Italien. Ein anderes berühmtes Beispiel sind die gewaltigen Beträge, welche die Familie Agnelli offenbar ins Ausland verlegt hat. Davon wissen wir spätestens, seit der Erbstreit innerhalb der Familie öffentlich geworden ist.
Überrascht darüber ist niemand in Italien.
Nein, das war schon immer so. Wer in Italien sein Geld in die Schweiz bringen konnte, tat das. Nicht nur die Superreichen, auch die Mittelreichen. Alle wissen das, alle reden darüber. Ich erinnere mich, wie einst Angelo Rizzoli (Unternehmer und Verleger, 1889–1970, Red.) seine besorgten Mitarbeiter beruhigte, indem er zu ihnen sagte: «Sorgt euch nie um eure Renten, das Geld dafür liegt in der Schweiz.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.10.2009, 06:54 Uhr
14 KOMMENTARE
Der Grund wieso italiener ihr Geld in die Schweiz bringen liegt hauptsächlich darin, dass sie ihren eigenen Landsleuten weniger trauen als den schweizerischen Bankiers. Da hilft keine Steueramnesie. Damit werden die Vermögen zwar legalisiert aber sie wandern wieder in die Schweiz. Und das ist das Plus des schweizer Banken: in der Verschwiegenheit und Seriösität. Darum: 'more swissness' please.
Es ist erschütternd, auf was für Ideen unsere Nachbarländer jetzt so kommen. Funktioniert der eigene Haushalt nicht mehr, überborden die Ausgaben und zahlen die Bürger nicht mehr genügend Steuern? Hey, hier ist die Lösung: Dockt einfach bei der Schweiz an, die zahlen locker aus im Moment. Der lahme Bundes-Rat knickt überall und jederzeit ein und jetzt ist der Moment zum abzukassieren !!!
Eine taktische Meisterleistung von Berlusconi, das grossteils schmutzige Auslandsgeld zu legalisieren und zurückzuführen! Ein genialer Einfall! Darauf sind weder Frankreich o. Deutschland gekommen! @Boris Radtke: auch EU-Bürgern ist es erlaubt im Ausland Bankkonten zu führen! Strafbar ist aber unversteuerte o. aus "illegalen Geschäften" stammende Gelder an dem Fiskus vorbei zu verstecken!
man soll zwar traurig sein dürfen darüber, dass viel geld aus der schweiz abfliesst. die italiener dafür bestrafen zu wollen, dass sie ihr geld abheben, weil sie knapp bei kasse sind, ist gelinde gesagt hirnrissigkeit. als ob die schweiz irgend ein anrecht auf das geld anderer leute hat.... hallo?!?!?!? da brennen gerade alle sicherungen durch bei herr und frau ch.
Bevor man anderen auf den Füssen herumtrampelt, sollten die Italienischen Behörden lieber dafür sorgen, dass der ILLEGAL IM MITTELMEER VERSENKTE RADIOAKTIVE ABFALL geborgen wird, sowie dass in Neapel für die Misstände gesorgt wird, sprich, dass dort kein Gilftmüll mehr illegal auf die Felder geschmissen wird und das Grundwasser verseucht. Dann würde auch der Tourismus wieder besser florieren.
Dass der Bankenplatz in Italien nicht wirklich funktioniert, zeigt folgendes Beispiel: Vor 6 Monaten bin ich mit US Dollars über die Italien. Grenze gegangen, um mir dafür Euros zu kaufen. In 3 Banken wurde ich abgewiesen, man hat die Geschäfte verweigert, weil ich kein Bankkonto bewirtschafte. Ich hatte meinen Reisepass dabei und wurde trotzdem abgelehnt. Lächerliche Paragraphen-Politik !!!
@Markus Sennheiser: Ich kann Ihrem Kommentar nicht ganz beipflichten. Uns Schweizern ist es nicht verboten, im Ausland Bank-Konti zu führen. Und wer sie nicht deklariert, dem tanzen die Behörden auch nicht sofort auf den Füssen herum. Ich denke, bei allem was recht ist, aber man kann den Affenzirkus auch übertreiben. Dass es nur darum geht, aus der CH Geld herauszufischen, ist ja längst jedem klar
Man vergisst da schnell wem das Geld überhaupt gehört. Tuhn wir nicht so als ob uns etwas gesohlen wird. Stellt euch vor in userem Land wäre das Fiskus so tollerant wie es Italien mit seinen gut betuchten Bürger in vergangeheit war. Wir hätten schon lange Bürgerkrieg hier. Wen man Witrschftszweige knapp unter und über der Grenze des erlaubten aufbaut gehts jergend wann nicht mehr auf.
Ist mir schon längst auch ein Dorn im Auge, wie diverse Länder nun versuchen, aus der Schweiz, in der ich gross geworden bin, Geld herauszupressen. Wenn es im eigenen Land keine Wege mehr gibt, holt man es sich einfach aus der Schweiz, richtig? Ebenso wie die Finanzierung der Osteuropäischen Länder, unter der fadenscheidigen Behauptung, es sei wirtschaftl. notwendig. Ja ja, alles faule Sprüche.
Nach der Amnestie wird Italien die Vermögenssteuern raufschrauben...
Dies ist wohl ein Zeichen der Dankbarkeit an die Schweiz, als die braven "lavoratori" ihre Batzeli ob der schwachen Währung der Lire, hier in der Schweiz anlegen konnten. Aber eben, der Zahn der Zeit nagt mit Missgunst der italiaenischen Obrigkeit an der Schweiz. Da kommt die Unfähigkeit zu regieren wiederum zum Vorschein. «Sorgt euch nie um eure Renten, das Geld dafür liegt in der Schweiz.».
Endlich mal EINER der Klartext und die Wahrheit spricht. Die Schweiz fällt dauern und immer wieder auf BLUFFS anderer Länder und auf fingierte Drohungen rein. Unsere Regierung hat keinen Wiederstand, sie will allen Ausländern und feindlichen Nachbarstaaten alles RECHT machen anstelle FÜR die Schweiz sich einzusetzen und die BLUFFS leerlaufen zu lassen. Wo ist unsere Selbstsicherheit?
Seit Monaten verfolge ich die Kommentare (on line) der Leser zu diesem Thema. Einige dieser NormalBürger haben offenbar mehr Durchblick als unsere Schnuripolitiker. Wie G.Turani nun bestätigt, liegt von den verbal Akteuren aus Italien sehr viel Geld in der Schweiz. Wir sollten hier einfach gelassener sein oder gleich in der Zeitung alle Namen/ Vermögen auflisten. Dann wäre für längere Zeit Ruhe.
Es wäre beruhigend, wenn den Italienern klarer Wein eingeschenkt würde, und in einer grossen ital. Zeitung die Namen ital. Politiker veröffentlicht würden, die ein Konto in der Schweiz haben. Wahrscheinlich würde dadurch die Regierung halbiert. Bis jetzt war es vornehm und sicherer ein Konto in Lugano zu haben, als zur Zeit der schwachen Lira in Italien.
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