Die Fünf in Putins Machtzirkel

Wer regiert mit dem Präsidenten im Kreml? Ein Thinktank ist dieser Frage nachgegangen – und nennt Namen.

Ein Meister der Macht: Wladimir Putin, Russlands Präsident.

Ein Meister der Macht: Wladimir Putin, Russlands Präsident. Bild: AFP

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Seit 16 Jahren ist Wladimir Putin der starke Mann Russlands. Und er stützt sich weitgehend auf dieselben Freunde und Mitstreiter, denen er schon in seiner ersten Amtszeit als Präsident vertraut hatte. Derzeit sind es fünf Personen, die neben dem Präsidenten den engsten Führungszirkel im Kreml bilden. Zu diesem Fazit kommt der Russland-Experte Andrew Monaghan, der für den renommierten britischen Thinktank Chatham House arbeitet. «Putin ist die wichtigste Figur der russischen Politik, er ist aber auch Teil eines Teams», schreibt Monaghan. Putins treueste Gefolgsleute sind Weggefährten aus seiner Zeit beim Geheimdienst FSB (ex KGB) und/oder aus den Jahren in seiner Heimatstadt St. Petersburg (ex Leningrad), wo Putin auch seine Karriere begonnen hatte.

Ein Quintett um Putin bestimmt also die russische Politik, und es hat auch grossen Einfluss auf das Big Business in Russland. Und das sind Putins wichtigste Leute:

Nikolai Patruschew, 1951 in Leningrad geboren: Patruschew war von 1999 bis 2008 Leiter des Inlandsgeheimdienstes und damit Putins Nachfolger an der Spitze des FSB. Seit 2008 ist Patruschew Sekretär des Sicherheitsrats der Russischen Föderation.

Sergei Iwanow, 1953 in Leningrad geboren: Von 2001 bis 2007 war Iwanow Verteidigungsminister der Russischen Föderation. Seit vier Jahren amtiert er als mächtiger Vorsitzender der russischen Präsidialverwaltung.

Dmitri Medwedew, 1965 in Leningrad geboren: Medwedew war von 2005 bis 2008 Erster Stellvertretender Ministerpräsident Russlands und von 2008 bis 2012 Präsident Russlands (weil für Präsident Putin keine dritte Amtszeit in Serie möglich war). Medwedew, der auch die Partei Einiges Russland präsidiert, amtiert seit dreieinhalb Jahren als Ministerpräsident der Russischen Föderation.

Alexei Kudrin, 1960 in Dobele (Lettische SSR) geboren: Von 2000 bis 2011 wirkte Kudrin als Finanzminister Russlands. Seither bekleidet Kudrin zwar kein hohes Amt mehr, dennoch hat er weiterhin grossen Einfluss auf die russische Politik. Kudrin berät Präsident Putin in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen.

Igor Setschin, 1960 in Leningrad geboren: Bis 2008 war Setschin ein enger Berater von Putin und stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung. Seither wirkt er als Vize-Ministerpräsident der Regierung der Russischen Föderation. Ausserdem ist er Vorstandsvorsitzender des Mineralölkonzerns Rosneft.

Weitere Vertraute des Präsidenten

Laut Russland-Experte Monaghan gibt es nach dem Kernteam von Putin ein halbes Dutzend weitere Personen, mit denen der Präsident bestes Einverständnis pflegt. Es sind Spitzenpolitiker und -beamte sowie Unternehmer, die mit besonderen, wichtigen Aufgaben betraut werden oder wurden. Dazu gehört beispielsweise Arkadi Rotenberg. Der milliardenschwere Unternehmer und Oligarch aus St. Petersburg war verantwortlich für die Organisation und Infrastruktur der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Mit Sotschi konnte sich Putin bestens inszenieren.

Als bedeutende Vertraute des Präsidenten gelten auch Sergei Schoigu, Armeegeneral und Verteidigungsminister, Juri Trutnew, Minister für Naturressourcen und Umwelt, Wjatscheslaw Wolodin, Erster Stellvertretender Leiter der russischen Präsidialverwaltung, sowie Alexander Galuschka, Minister für die Entwicklung des Föderationskreises Ferner Osten. Mit 39 Jahren ist Galuschka der jüngste der wichtigen Gefolgsleute von Putin.

Russlands Präsident Putin kann seit Jahren auf ein eingeschworenes, loyales Team zählen. Es sind Leute, die in Politik, Verwaltung und Wirtschaft bewiesen haben, dass sie selbst anspruchsvollste Aufgaben zur Zufriedenheit des Kreml-Chefs erledigen können. Welcher Korpsgeist im engsten Umfeld Putins herrscht, illustriert ein Zitat von Wjatscheslaw Wolodin, der Nummer zwei der russischen Präsidialverwaltung: «Solange es Putin gibt, gibt es auch Russland. Ohne Putin – kein Russland.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 29.12.2015, 09:13 Uhr)

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