Die Geert-Wilders-Show zieht nicht mehr

Der Rechtspopulist konnte bei den EU-Wahlen in den Niederlanden seine Anhänger nicht mobilisieren. Das hat auch damit zu tun, dass seine PVV ein Ein-Mann-Betrieb geblieben ist.

Überraschend deutliche Schlappe für seine PVV: Gert Wilders.

Überraschend deutliche Schlappe für seine PVV: Gert Wilders. Bild: Keystone

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Für den erfolgsverwöhnten Rechtspopulisten war es ein Schock: Geert Wilders trat gestern Abend in Den Haag nach der Wahlniederlage als Letzter und ungewöhnlich kleinlaut vor die Medien. Wilders wollte mit seiner Freiheitspartei (PVV) unbestrittene Nummer eins werden in den Niederlanden. Nun dürfte er laut Prognosen auf Platz vier abrutschen. Mit 12,2 Prozent der Stimmen verliert die Freiheitspartei im Vergleich zur Europawahl von 2009 knapp fünf Prozent.

Seine Partei habe unter der niedrigen Wahlbeteiligung gelitten, erklärte Wilders das Ergebnis. Prompt versuchte er der Blamage eine positive Seite abzugewinnen. Immerhin seien zwei von drei Niederländern am Wahltag zu Hause geblieben und hätten damit ihr Desinteresse für Europa demonstriert. Allerdings wollte Wilders die Wahl für das EU-Parlament eigentlich zur Abstimmung gegen Brüssel machen. Dieser Plan ist zumindest kläglich gescheitert. Statt wie bisher vier darf Wilders künftig laut den Prognosen nur noch drei Abgeordnete in das Strassburger Parlament schicken.

Traum einer europaweiten Allianz der Rechten

Im Endspurt vor der Wahl war Wilders diese Woche noch medienwirksam vor die EU-Zentrale gepilgert, um dort vor laufenden Kameras einen Stern aus der Europaflagge zu schneiden. Dabei ist es erst wenige Jahre her, dass Wilders Brüssel und die EU überhaupt als neues Feindbild entdeckt hat. Zuvor hatte er mit Polemik gegen den Islam und gegen muslimische Einwanderer zu punkten versucht. Als das Thema ausgereizt war, kam Wilders die Eurokrise zu Hilfe. Seither wirbt Wilders mit der Rückkehr zur nationalen Währung und überhaupt mit dem Austritt aus der EU.

Aber die Geert-Wilders-Show zieht einfach nicht mehr. Der Politiker mit der Beethovenfrisur ist zwar über die Niederlande hinaus eine Ikone der Rechtspopulisten und plant an einer europaweiten Allianz. Anders als etwa Marine Le Pen mit dem Front National oder der Engländer Nigel Farage mit Ukip ist es Wilders aber nicht gelungen, seine Partei breiter zu verankern. Das hat auch damit zu tun, dass seine PVV ein Ein-Mann-Betrieb geblieben ist. In den Niederlanden ist dies rechtlich möglich: Geert Wilders ist einziges Mitglied seiner Freiheitspartei.

Es geht um Show und nicht um Politik

Geert Wilders traut niemandem ausser sich selbst. Der Charakterzug wird vielleicht noch durch die Tatsache verstärkt, dass der Islamkritiker sich seit Jahren nur noch mit Leibwächtern und unter grösseren Sicherheitsvorkehrungen bewegen kann. Er bestimmt alle Personalfragen und setzt die Themen im Alleingang. Selbst die Fangemeinde scheint zu realisieren, dass es dem PVV-Chef nur um die Show geht und nicht um Politik. Zuletzt verstörte Wilders mit neuen Ausfällen gegen Einwanderer aus Marokko selbst die eigenen Anhänger und musste noch kurz vor der EU-Wahl einen neuen Spitzenkandidaten auftreiben.

Doppelt schmerzen dürfte Wilders die Niederlage, weil seine direkten Gegner ihre Anhänger offensichtlich besser mobilisieren konnten. Die dezidiert proeuropäische linksliberale D66 ist die eigentliche Siegerin der Wahl und kommt mit 15,6 Prozent noch knapp vor den Christdemokraten (CDA) zu liegen. Die Niederländer hätten ein «überzeugendes Votum für Europa» abgegeben, triumphierte gestern Abend D66-Chef Alexander Pechtold. Allerdings ist die Parteienlandschaft der Niederlande stark zersplittert. Die 26 Sitze im EU-Parlament verteilen sich auf zehn Parteien. Sogar die Partei der Tiere darf diesmal auf einen Sitz hoffen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 23.05.2014, 13:04 Uhr)

Stichworte

Wilders enttäuscht über Ergebnis der Europawahl in den Niederlanden. (Video: Reuters )

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