Ausland
«Diese Auszeichnung wird noch zu reden geben»
Interview Reto Hunziker. Aktualisiert am 09.10.2009
Laurent Goetschel ist Direktor der Schweizerischen Friedensstiftung Swisspeace und Professor für Politologie an der Universität Basel. (Bild: Keystone)
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Herr Goetschel, was ist von der Auszeichnung Barack Obamas zu halten?
Die Wahl zeigt vor allem, dass das Nobelpreis-Komitee grosse Hoffnungen in Barack Obama setzt.
Obama ist noch nicht mal ein Jahr im Amt – wofür wird er überhaupt ausgezeichnet?
Es ist tatsächlich unüblich, dass jemand in so hoher Funktion nach so kurzer Amtszeit ausgezeichnet wird. Obama wird quasi geehrt für seine positive Grundstimmung, die er verbreitet – in den USA, aber auch darüber hinaus. Und für die Perspektiven, die er für den Weltfrieden verspricht.
Überrascht Sie die Wahl also?
Ja. Wenn mich vor der Wahl jemand gefragt hätte, ob Obama den Friedensnobelpreis gewinnen wird, hätte ich das klar verneint. Dafür hat er bisher einfach zu wenig bewegt. Das ist aber kein Vorwurf. Ich hätte eher erwartet, dass er den Preis in zwei oder drei Jahren bekommt – unter der Voraussetzung, dass er bis dann einen Teil seiner Absichten auch umgesetzt haben wird.
Gab es dieses Jahr womöglich zu wenig andere interessante Kandidaten?
Nein, das glaube ich nicht. Angeblich hat das Komitee aus über 200 Kandidaten ausgewählt. Es wurden schon Menschen ausgezeichnet, die kaum einer kannte und die man zuerst einmal googeln musste. Das ist hier natürlich nicht der Fall. Dennoch denke ich, dass die Auszeichnung noch zu reden geben wird.
Weil Obama für seine Ideologie statt für seine Taten ausgezeichnet wird?
Obama hat sich gegenüber George W. Bush klar abgehoben. Er bemüht sich, im Nahostkonflikt eine wichtigere Rolle zu spielen, dank ihm sind die USA auch wieder im Menschenrechtsrat vertreten. Das sind einzelne Punkte, die zeigen: Obama redet nicht nur, er handelt auch. Trotzdem ist das in meinen Augen noch kein Leistungsausweis, der friedensnobelpreisträchtig wäre. Es sind vielmehr Absichtsbekundungen, denen erste Schritte gefolgt sind.
Man kann Obama also nicht vergleichen mit Friedensnobelpreisträgern wie Martin Luther King oder Nelson Mandela?
King und Mandela wurden für ganz spezifische Leistungen ausgezeichnet. Obama hingegen wird dafür geehrt, dass er es geschafft hat, Optimismus zu verbreiten. Was natürlich auch nicht zu verachten ist.
Wird die Auszeichnung Obama auch im eigenen Land wieder etwas Auftrieb geben? Seine Umfrage-Werte waren ja auch schon besser.
Die Amerikanerinnen und Amerikaner pflegen ihre Präsidenten nicht in Funktion ausländischer oder internationaler Wertschätzungen zu beurteilen. Es geht für sie darum, was Obama für die USA in der Welt erreicht. Und es geht vor allem auch darum, was Obama in den USA für die Bevölkerung erreicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.10.2009, 16:27 Uhr

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