Diese «sogenannten Achtundsechziger»
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 26.07.2010 139 Kommentare
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Ihre gestern veröffentlichte Empörungsschrift gegen die Loveparade («Sodom und Gomorrha») hat der früheren Moderatorin Eva Herman offenbar viel Aufmerksamkeit beschert. Bereits heute nämlich folgt der zweite Kommentar zum Thema – mit dem Titel «Grosse Resonanz auf ‹Loveparade›-Artikel». Darin entschuldigt sich Herman für die möglicherweise verletzten Gefühle von Angehörigen der Loveparade-Opfer, erklärt sich – und doppelt nach.
Es sei «bekannt», dass an der Loveparade «von Beginn an (seit über 20 Jahren) ausserordentlich viele Drogen und Alkohol konsumiert wurden», schreibt Herman. Auch diesemal seien «selbstverständlich» nicht alle, aber doch nicht wenige der 1,4 Millionen Besucher «betrunken oder zugedröhnt» gewesen. Diese Kritik müssten sich «die jungen Leute gefallen lassen», wo sie doch ihrerseits bei Polizei und Sicherheitskräften nach Schuldigen suchen.
Gesellschaftliche Strukturen «in der Komplettauflösung»?
Die Verfasserin des Textes wäre nicht Eva Herman, wenn sie es bei dieser moderaten Kritik belassen würde. Die 52-Jährige, die sich seit mehreren Jahren öffentlich als Wächterin über die konservativen Familienwerte positioniert, zielt weiter. «Natürlich übe ich in dem Artikel, wie immer übrigens, Kritik an den Urhebern des allgemeinen Sittenverfalls, wozu meines Erachtens hauptsächlich die sogenannten Achtundsechziger gehören», doziert Herman. «Sie haben Werte wie moralischen Anstand nahezu abgeschafft.» Die gesellschaftlichen Strukturen nicht nur in Deutschland, sondern beinahe in ganz Europa, befänden sich «derzeit bereits in der Komplettauflösung», so die dunkle Analyse. Es folgen der Wunsch nach einer weniger sexualisierten Welt ohne Drogen und übermässigen Alkoholkonsum. Und der Verweis auf den «Schöpfer».
Wer die Geschichte um Herman verfolgt hat, der merkt bei der Rede von den «Achtundsechzigern» auf. Denn eine ebensolche war es, die Herman einst ihre Stelle beim deutschen Sender NDR kostete. Es war September 2007, als die Autorin ihr Buch «Das Prinzip Arche Noah» vorstellte. Dabei schnitt ein Zuhörer folgende Aussage mit:
«Mutterkreuzzug»
«Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ’ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…»
Die Passage wurde Herman so ausgelegt, dass sie die Familienpolitik des Nationalsozialismus gelobt habe. Herman distanzierte sich von dieser Auslegung und sagte später gegenüber «Bild am Sonntag»: «Es geht nicht um Hitlers Werte, sondern um menschliche Grundwerte, die im ‹Dritten Reich› missbraucht und später abgeschafft wurden.» Trotzdem beendete der Norddeutsche Rundfunk NDR die Zusammenarbeit mit Herman – mit der Begründung, die frühere Moderatorin führe einen «Mutterkreuzzug». Der Moderator Johannes B. Kerner bat Herman bei einer Diskussionssendung nach einigen Aussagen gar, die Runde zu verlassen.
Womöglich reiner Zufall übrigens ist dies: Vor wenigen Wochen erschien Hermans neues Buch «Die Wahrheit und ihr Preis. Meinung, Macht und Medien» beim Kopp Verlag, auf dessen Seite nun die Schriften zum Loveparade-Unglück erschienen sind.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.07.2010, 20:57 Uhr
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139 Kommentare
so erstaunlich sind doch ihre feststellungen gar nicht, natürlich sind viele werte der gesellschaft am zerfallen. ..schon nur wenn wir die vielen jugendlichen anschauen, die sich jedes wochende bekiffen und besaufen, das war vor nur 10 jahren noch anders.. auch die gewaltbereitschaft hat augenscheinlich zugenommen.. gott ist nicht schuld daran, sondern der mensch Antworten
Die Herman traut sich was und das ist gut so. So wie früher die heuchlerische Doppelbödigkeit zum Übelwerden war, so ist die Auflösung aller Werte auch schlecht. Heute sind wir einfach zu weit gelaufen, denn Sodom und Gomorrha scheint normal zu sein. Das Ende von Sodomm und Gomorrha ist bekannt und kann heute noch besichtigt werden. Antworten
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