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Ein Blog haut den Rüttgers
Von David Nauer, Düsseldorf. Aktualisiert am 20.03.2010
Sorgt mit seinem Blog für rote Köpfe: Alfons Pieper.
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Der Mann, der in der Düsseldorfer Regierungszentrale für rote Köpfe sorgt, sitzt in einem Dachstock, ein kleines Büro hat er sich hier eingerichtet. Draussen eine ruhige Bonner Seitenstrasse. Alfons Pieper betreibt seit einigen Monaten zusammen mit Kollegen www.wir-in-nrw-blog.de, eine freche Polit-Website über Nordrhein-Westfalen. Der Pensionär kennt das Geschäft. Er hat jahrelang aus dem Bundestag berichtet, später war er Vize-Chefredaktor der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ), der grössten Regionalzeitung im Land.
«Rüttgers ist doch nicht blöd»
Inzwischen findet Pieper, die Berichterstattung über die Landespolitik sei weichgespült, entpolitisiert. Weder im Print noch bei den elektronischen Medien kann er eine Gegenstimme zu Rüttgers ausmachen. Stattdessen gebe es viel Hofberichterstattung. «Es kann doch nicht richtig sein, dass eine Regierung nur Beifall bekommt», sagt er.
Hapert es in Nordrhein-Westfalen mit der Pressefreiheit? Wenn man Pieper zuhört, bekommt man diesen Eindruck. Sein schlimmster Vorwurf: Der Pressesprecher des Ministerpräsidenten habe sich beim Wochenmagazin «Focus» schriftlich über dessen Düsseldorfer Korrespondenten beklagt. Der Mann hatte immer wieder kritische Artikel über die Regierung geschrieben. Nur wenige Wochen nach der Intervention wurde der Korrespondent entlassen – unter, wie Pieper findet, fadenscheinigen Gründen. Auch bei der Besetzung des ZDF-Büros in Düsseldorf soll sich die Staatskanzlei eingemischt haben. Resultat: Eine Rüttgers-freundliche Journalistin wurde Studioleiterin.
Selbstredend, dass das Regierungslager solche Vorwürfe zurückweist. Rüttgers würde nie versuchen, auf Medien einzuwirken, sagt einer, der ihn persönlich kennt. «Das entspricht nicht seiner Haltung, erstens. Und zweitens ist er nicht so blöd.» Der Landeschef wisse genau, dass eine solche Einmischung früher oder später ans Tageslicht käme – ein politischer Selbstmord.
Blogger bleiben Anonym
Tatsache bleibt aber: Rüttgers profitiert sehr von seiner persönlichen Nähe zu Bodo Hombach, dem Geschäftsführer des WAZ-Konzerns. Und Pensionär Pieper ist der einzige Mitarbeiter seines Blogs, der mit vollem Namen hin steht. Alle anderen, ein halbes Dutzend Journalisten, die bei örtlichen Medien arbeiten, verwenden Pseudonyme. Aus Angst, die Stelle zu verlieren. Ein Manager des WAZ-Konzerns soll schon gedroht haben: «Wer dabei erwischt wird, da mitzumachen, fliegt.»
Dabei sind die Geschichten, die «Wir in NRW» publiziert, durchaus lesenswert. Der Blog veröffentlichte Dokumente, die von der Spenden-Praxis der CDU in Nordrhein-Westfalen berichten. Unternehmen konnte etwa ankreuzen, mit welchem Spitzenpolitiker sie gerne einen «Fototermin» realisieren würden. Aktiv zitieren Pieper und Co. auch aus CDU-internem E-Mail-Verkehr. Mehrere Dokumente beweisen, dass hochgestellte Staatsbeamte nebenbei für die Partei arbeiten – eine unzulässige Vermischung der Aufgaben. Wie kommen die Journalisten zu ihren Informationen? «Das verraten wir nicht», antwortet Pieper. Irgendwo im Umfeld von Rüttgers muss ein Maulwurf sitzen.
Angriffe mit Spähprogrammen
Inzwischen ist der Blog ein politischer Faktor geworden in NRW. Allein im Februar zählte er 90'000 Besucher. Die Aufmerksamkeit ist freilich nicht nur freundlich. Jüngst versuchten Hacker, in den Server einzubrechen. Es gab Angriffe mit Spähprogrammen. Und Kritiker schimpfen, der Blog sei ein Wahlkampf-Projekt der Sozialdemokraten, Pieper & Co. gelten in diesen Kreisen als «frustrierte Rüttgers-Jäger». Der Journalist selber winkt ab: «Das ist doch albern». Der Blog schreibe über alle kritisch. Er habe der sozialdemokratischen Spitzenkandidatin gesagt: «Wenn wir interessante Papiere über die SPD haben, werden wir sie auch publizieren.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.03.2010, 07:31 Uhr
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