Ausland

Ein Händedruck für die Geschichte

Aktualisiert am 10.07.2009

Jahrzehntelang waren die USA und Libyen Erzfeinde. Nach einer Phase der Annäherung an den Westen kam es nun zur ersten Begegnung eines amerikanischen Staatschefs mit dem Kollegen aus Tripolis.

Gleicher Beruf, anderer Kleidergeschmack: Barack Obama trifft Muammar al-Qadhafi.

Gleicher Beruf, anderer Kleidergeschmack: Barack Obama trifft Muammar al-Qadhafi.
Bild: Keystone

Am G8-Gipfel in Italien trafen sich gestern Libyens Staatschef Muammar al-Qadhafi und der amerikanische Präsident Barack Obama. Die beiden schüttelten sich die Hand und schauten sich ungezwungen in die Augen. Eine solche Begegnung war vor nicht mal so langer Zeit noch völlig undenkbar gewesen.

Eine erste Annäherung der beiden Länder gab es im vergangenen Jahr. Die damalige amerikanische Aussenministerin Condoleezza Rice traf im September 2008 in Libyen ein und war damit die erste Top-Politikerin ihres Landes, die seit 1957 dem lange Zeit geächteten Land die Reverenz erwies. Condoleezza Rice sprach bei einem Zwischenhalt in Lissabon von einem «historischen Augenblick». Libyen wolle sich ändern, und «ich will mit ihnen besprechen, wie dieser Wandel vor sich gehen soll».

Am Öl interessiert

Der Besuch wurde möglich, so Rice, weil Libyen sein Atomwaffenprogramm eingestellt und dem staatlich unterstützten Terrorismus abgeschworen habe. Die USA sind die letzte westlichen Macht, die ihre Beziehungen mit Libyen normalisiert. Im Jahr zuvor hatten die Ministerpräsidenten Frankreichs und Grossbritanniens Muammar al-Qadhafi einen Antrittsbesuch abgestattet. Letztes Wochenende war die Reihe am italienischen Premier Silvio Berlusconi. Das Interesse der Industrieländer richtet sich in erster Linie auf Libyens Erdöl- und Gasvorräte sowie auf die Modernisierung der Infrastruktur.

Wer meint, Obamas Vorgänger George W. Bush hätte nie und nimmer mit Muammar al-Qadhafi gesprochen, der irrt. Bush hat im November 2008 mit dem libyschen Staatschef Muammar al-Qadhafi telefoniert - ein weiteres Zeichen für die verbesserten Beziehungen Libyens zum langjährigen Erzfeind USA. Wie ein Sprecher des Weissen Hauses damals mitteilte, standen die jüngsten Entschädigungszahlungen Libyens für Terrorismusopfer im Mittelpunkt des Telefonats.

1,5 Milliarden Dollar aus Libyen

Laut der «Washington Post» war es offenbar das erste Mal überhaupt, dass ein amerikanischer Präsident mit Qadhafi sprach, der sein Land seit 1969 regiert. Aussenministerin Condoleezza Rice wollte zudem damals in Washington mit dem Sohn des Staatschefs, Saif al-Islam Gaddafi, zusammentreffen. Er hält sich privat in der Stadt auf. Die USA hatten 2008 die Überweisung von 1,5 Milliarden Dollar aus Libyen in einen Fonds bestätigt, aus dem Betroffene von zwei Terrorattacken kompensiert werden sollen. (sam)

Erstellt: 10.07.2009, 08:59 Uhr


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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