Ein Waffenhändler droht Sarkozy
Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 04.10.2011 14 Kommentare
Nichts ist seinen Geschäften schädlicher als Scheinwerferlicht, doch jetzt ging er an die Öffentlichkeit: Ziad Takieddine in einem Interview mit dem französischen Sender BFM (Screenshot BFMTV.com).
Viel Hektik und ein Joker in Sarkozys Lager
Gleich zwei Nachrichtenmagazine, die in diesen Tagen an den französischen Kiosken aufliegen, brauchen auf dem Cover dasselbe Sprachbild: «Fin de règne», titeln «Le Point» und «Le Nouvel Observateur», «Ende der Regentschaft» also. Gemeint ist der angebliche Herbst von Nicolas Sarkozys Herrschaft. Die Affären lasten schwer auf den letzten Monaten seines Mandats. Laut einer Umfrage der linken Zeitung «Libération» vom Montag halten es mittlerweile 68 Prozent der Franzosen für unwahrscheinlich, dass Sarkozy, sollte er sich denn im nächsten Frühling um eine Wiederwahl bemühen, auch eine Siegeschance hätte.
Noch hat er seine Absicht nicht kundgetan. Seine Entourage wird nicht müde, daran zu erinnern, dass die Favoriten der Demoskopen am Ende meist das Nachsehen hätten. Was sie aber nicht sagen: Nie war ein Präsident der 5. Republik so lange und nachhaltig unpopulär wie Sarkozy. Und so wächst die Sorge im rechten Lager. Nur einer strahlt: Alain Juppé (66), der gaullistische Aussenminister, träumte schon immer vom höchsten Amt. Nun gilt er als mögliche Alternative, als Joker gewissermassen, den man auch im letzten Moment noch einwechseln könnte. In Interviews sagt Juppé, er sei «loyal» und werde sich für Sarkozys Wiederwahl einsetzen – «falls er denn kandidiert».
Borloos «Schwindelgefühl»
Dieses «falls» schürt viele Gerüchte. Weiss Juppé etwa mehr? Überrascht Sarkozy alle und verzichtet? An bizarren Coups und Wendungen mangelt es jedenfalls nicht. Am Sonntagabend gab Jean-Louis Borloo, einst Sarkozys beliebter Umweltminister, zum Erstaunen aller am Fernsehen bekannt, dass er nun doch nicht fürs Präsidentenamt kandidieren werde. Davor hatte der Zentrist stets äusserst entschlossen gewirkt – enttäuscht darüber, dass ihn Sarkozy nicht zum Premierminister gemacht hatte. Er geisselte die unsoziale Ader der Rechten und deren Umgang mit Zuwanderern. Er hätte Sarkozy in einer hypothetischen ersten Wahlrunde etwa fünf Prozent der Stimmen streitig machen und diesen so vielleicht gar am Einzug in die Stichwahl hindern können. Doch das wollte er offenbar nicht.
Borloo sprach von einem «Schwindelgefühl», das ihn vor der grossen Entscheidung befallen habe. Sein Verzicht ist die beste Nachricht, die Sarkozy in diesen anstrengenden Wochen zu Ohren gekommen ist. Dennoch ist unsicher, ob er davon profitieren wird. Logischer scheint, dass François Bayrou, der Inbegriff des französischen Mittepolitikers, das verlassene Terrain beackert. 2007 schaffte Bayrou 18,5 Prozent. Das traute man ihm zuletzt nicht mehr zu – auch wegen der Konkurrenz durch Borloo, dem es so plötzlich schwindlig wurde. Nun ist auch im Zentrum wieder alles anders. Und hektisch.
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Seine Welt spielt hinter den Kulissen, idealerweise nie davor. Nichts ist den Geschäften von Ziad Takieddine (61) schädlicher als Scheinwerferlicht, fette Schlagzeilen und Mikrofone. Eigentlich wäre es dem Waffenhändler, einem gebürtigen Libanesen, lieber gewesen, wenn die Franzosen seinen Namen nie erfahren hätten. Nun kennt ihn jeder. Denn Takieddine tritt am Fernsehen auf und wehrt sich gegen jene Leute, die ihn in den letzten Wochen, seit ihn die Justiz wegen Veruntreuung im grossen Stil verfolgt, schnöde fallen gelassen haben. Und das sind durchwegs mächtige, bürgerliche Politiker. Bis ganz hinauf. Dem Präsidenten der Republik, Nicolas Sarkozy, rät er etwa, ihn schnell zu empfangen: «Er hat ein Interesse daran, und Frankreich hat ein Interesse daran.»
Takieddine ist ein Mittler – einer, der in den letzten 17 Jahren viele Rüstungsgeschäfte für Frankreich ausgehandelt hat, ohne dass die Öffentlichkeit von ihm gehört hätte. Im Zusammenhang mit ihm fällt oft das Adjektiv «sulfureux», unheimlich. Er pendelte zwischen Paris und Islamabad, Riad, Damaskus, Tripolis. Er nutzte seine guten Netzwerke und verdiente einen Haufen Geld mit legalen Kommissionen. In der Regel waren es vier Prozent des Gesamtvolumens eines Deals. Und das ging beim Verkauf von U-Booten oder Kriegsschiffen auch mal in die Hunderte Millionen Dollar.
Von den Alpen nach Pakistan
Nun aber interessiert sich die Justiz für sogenannte Retrokommissionen: für illegale, auf Offshore-Konten gewaschene Rückflüsse eines Teils der Kommissionen in die Kassen von Parteien und Politikern im Wahlkampf. Im Zentrum der Untersuchungen steht Takieddines Rolle beim U-Boot-Deal mit Pakistan 1994, von dem die Justiz glaubt, er habe die Wahlkampagne des damaligen Premiers Edouard Balladur versorgt. Es sollen Millionen an Retrokommissionen geflossen sein. Takieddines Ex-Frau hat einen Berg von Akten mitgenommen, als sie ihn verliess, und überreichte sie der Justiz. Brisant ist der Fall deshalb, weil Sarkozy in jenen Jahren Budgetminister und Sprecher von Balladur war.
Was wusste er? Wie plausibel ist es, dass er nichts wusste, wie das Élysée heute behauptet? Mittlerweile wird in dieser sogenannten Karachi-Affäre auch gegen zwei enge Vertraute des Präsidenten ermittelt, von denen man annimmt, dass sie Koffer voller Geld von der Schweiz nach Paris getragen haben. Einer von ihnen, Nicolas Bazire, war Sarkozys Trauzeuge bei dessen Hochzeit mit Carla Bruni. Der U-Boot-Deal war Takieddines erster Vermittlerjob für die Republik. Der Sohn eines libanesischen Diplomaten, der seit 1986 auch französischer Staatsbürger ist, arbeitete davor auf einem anderen Gebiet: Er leitete als Generaldirektor «Isola 2000», einen Wintersportort in den französischen Alpen. Dort soll er François Léotard beim Skifahren kennen gelernt haben.
Léotard wurde 1993 Verteidigungsminister und schickte seinen Freund aus den Bergen nach Pakistan. Takieddine fand in der Folge weitere politische Freunde. Es gibt Fotos, die von diesen Freundschaften zeugen: Darauf sieht man den Vermittler etwa in den Ferien mit Brice Hortefeux, dem Ex-Innenminister und Sarkozys Freund, und mit Jean-François Copé, dem Chef der Regierungspartei UMP. Alle in Badehosen, samt Gemahlinnen.
Der Bruch mit «Claude»
Seine Luxusjacht, seine Villa in Antibes, sein fürstliches Anwesen im XVI. Bezirk von Paris: Takieddine bot immer einen gediegenen Rahmen. Man liess es sich gutgehen in seiner Gesellschaft. Leugnen bringt nichts, auch wenn es jetzt den meisten Freunden nach Leugnen ist. So auch Claude Guéant, dem amtierenden Innenminister und wichtigsten Berater Sarkozys. Mit «Claude» war Takieddine ständig in Kontakt. Nun fühlt er sich von ihm verraten. Guéant versucht nämlich nach Kräften, die Affäre vom «Patron» fernzuhalten, wie sie Sarkozy in ihren Gesprächen zu nennen pflegten. Doch das dürfte schwierig werden. Die Nervosität im Élysée wächst. Darüber vermag auch der Chor jener aus Sarkozys Entourage nicht hinwegzutäuschen, die behaupten, die Offenlegung der Affäre sei nur ein niederer und perfekt getimter Versuch der politischen Gegner, das Image des Präsidenten vor den Wahlen zu besudeln. Doch der «unheimliche» Waffenhändler weiss viel. Und er könnte reden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.10.2011, 18:48 Uhr
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14 Kommentare
Herr Takieddine hat sicher bald einen zufälligen Unfall oder eine Frau vergewaltigt und Steuern hinterzogen... oder alles aufeinmal...
so geht das in der Mafia... wann sehen wir endlich alle ein, dass wir betrogen und bestohlen werden von denen die für uns Arbeiten sollten. Politik ist ein Instrument des Volkes und nicht umgekehrt!!!!
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Takkiedine lebt gefährlich, der jähzornige Rachefürst Sarkozy wird sich mit allen Mitteln wehren und er ist nicht zimperlich ! Die Geschichte ist skandalös, eine weitere ist die Sache Prévost-Desprex - 'Sarko m'a tuer' - eine schändliche Justizaffäre, die Sarkozy's Rücksichtlosigkeit offenlegt ! Seine Umfragewerte sind im Keller, auf Abwahl 2012 kann gehofft werden ! Antworten
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