«Ein unerhörter Ausbruch von Hass»

Nach dem ersten Umzug von homosexuellen Menschen in Belgrad ist es zu schweren Krawallen gekommen. Randalierer und Rechtsextreme plünderten und legten Feuer – mit dem Segen von Geistlichen. Anti-Terroreinheiten schlugen zurück.

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Mehrere Tausend rechtsextreme Randalierer lieferten sich stundenlange Strassenschlachten mit der Polizei, die den Umzug schützte. Die Randalierer, die zum Teil von Geistlichen angeführt wurden, demolierten Autos, plünderten Geschäfte, rissen Verkehrszeichen aus der Verankerung und setzten Müllcontainer in Brand. Die Unruhen seien«ein unerhörter Ausbruch von Hass» durch eine «faschistische Gruppe», sagte Verteidigungsminister Dragan Sutanovac: «Das ist ein sehr trauriger Tag für Serbien.»

Rund 5000 Polizisten schützten die Homosexuellen vor Übergriffen, zu denen verschiedene extremistische Organisationen offen oder indirekt aufgerufen hatten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge an verschiedenen Punkten im Zentrum der Stadt abzudrängen. Mehr als 140 Menschen, zumeist Sicherheitskräfte, wurden laut der Polizei verletzt. Über 200 Demonstranten seien festgenommen worden.

Gewaltiger Schaden durch die Krawallmacher

Antiterror-Einheiten zerstreuten die Gewalttäter auch in der zentralen Fussgängerpassage, wo sie Schaufenster demolierten hatten. Zwei Linienbusse wurden verwüstet; ein Magazin im Sitz der Regierungspartei DS wurde in Brand gesetzt. Auch die Auslage im Gebäude des Staatsfernsehens ging zu Bruch. Belgrads Bürgermeister Dragan Djias erklärte im Anschluss, die Aufräumarbeiten nach den Verwüstungen würden rund eine Million Euro kosten.

Kundgebung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Schätzungsweise 1000 Menschen hatten sich zur «Gay Pride» der Schwulen und Lesben in einem Park im Zentrum versammelt. Der kurze Umzug fand praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Polizei hatte das Gebiet schon am Vorabend teilweise gesperrt.

Diplomaten und Parlamentarier der EU, des Europaparlamentes, des Europarates und der OSZE wandten sich an die Teilnehmer des Umzuges. Die «Parade» sei ein Test für die Achtung der Menschenrechte in Serbien. Es gehe gegen die Diskriminierung von Minderheiten und die Einhaltung von Menschenrechten. «Wir sind hier, um diesen wichtigen Tag zu feiern, um die Werte der Toleranz, der Meinungsfreiheit und der Versammlungsfreiheit zu feiern», sagte der Leiter der EU-Mission in Serbien, Vincent Degert, in seiner Rede.

Ein Aufruf von Bischöfen gegen die Veranstaltung

Auch an diesem Sonntag trugen einige Randalierer wieder Heiligenbilder, Ikonen und Kreuze vor sicher her und sangen dazu Kirchenlieder. Schon am Samstag hatten schätzungsweise 20'000 Menschen gegen den Homosexuellen-Umzug demonstriert – allerdings noch friedlich. Bischöfe der serbisch-orthodoxen Kirche hatten ebenso zur Verhinderung des Umzuges aufgerufen wie nationalistische Zeitungen.

Vor neun Jahren war bereits der erste Umzug von homosexuellen Menschen gescheitert, nachdem Extremisten die Teilnehmer angegriffen hatten. Im vergangenen Jahr war die Demonstration nach massiven Drohungen wieder abgesagt worden. (raa/sda)

Erstellt: 10.10.2010, 22:05 Uhr

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