Er soll Berlusconi in die Knie zwingen
«Wir haben zu wenig diskutiert»: Pier Luigi Bersani. (Bild: Reuters)
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Der neue Mann an der Spitze der grössten italienischen Oppositionspartei PD heisst Pier Luigi Bersani. Der 58-Jährige aus Bettola in der Emilia-Romagna soll den ehemaligen Ministerpräsidenten Romano Prodi und die Ex-PD-Parteichefs Walter Veltroni und Dario Franceschini vergessen machen, die dem Medienzar und Multimilliardär Silvio Berlusconi keine schlagkräftige Opposition entgegenzusetzen vermochten.
Das ist das Signal der Urwahl, in der knapp drei Millionen Anhänger der Demokratischen Partei den erfahrenen Mann mit der Halbglatze zum neuen Chef der PD gekürt haben. Auf Bersani wartet die titanisch anmutende Aufgabe, die Opposition gegen Berlusconi möglichst rasch zu einen. Denn schon in fünf Monaten stehen Regionalwahlen als erster Stimmungstest an.
Wirtschaftsfachmann mit bodenständigen Wurzeln
Bersani stammt aus einer Handwerkerfamilie, hat in Bologna Philosophie studiert und sich erste regionalpolitische Sporen noch als Kommunist verdient.
Die Ministerposten, die Bersani seit 1996 unter Prodi, Massimo D'Alema und Giuliano Amato übernahm, zeigen deutlich, wo seine Stärken liegen: Industrie, Handel und Handwerk, Transportwesen und wirtschaftliche Entwicklung. Da war die Ankündigung des Experten Bersanis bezeichnend: «Wenn ich gewählt werden sollte, dann gehe ich nicht etwa zu Berlusconi, sondern vielmehr zu den Arbeitern der kleinen Betriebe und den oppositionellen Kräften.»
Konsumentenschutz und Exportförderung, beides ist dem Norditaliener wichtig, der schon früher als möglicher Chef der noch jungen Partei im Gespräch war, aber seinem Parteifreund Veltroni den Vortritt liess.
«Um die Rechte zu besiegen, müssen wir Berlusconi besiegen»
«Mehr als eine Opposition brauchen wir eine richtige Alternative», feuert Bersani die Gegner des Cavaliere über die Parteigrenzen der PD hinaus an: «Um die Rechte zu besiegen, müssen wir Berlusconi besiegen.»
Dass dies nicht einfach sein wird, angesichts des recht desolaten Zustands seiner eigenen Partei, das weiss er sehr wohl. In den 18 Monaten seit seinem Sieg bei den Parlamentswahlen hatte der konservative Ministerpräsident ganz andere Dinge zu fürchten als die zerstrittene Opposition, die ihm ohne schlagkräftige Strategie fast ohnmächtig gegenüberstand.
Seine eigenen Schwächen, vor allem im Privatleben, und Kräfte im eigenen Lager setzten ihm weit mehr zu. Speerspitze ist da die Lega Nord, sein rechter Koalitionspartner.
Jetzt kann Italiens Linke zumindest wieder hoffen, mit diesem Mann des Dialogs («Wir haben in diesen zwei PD-Jahren wenig diskutiert») ein Comeback zu versuchen. So hofft jetzt die PD-Abgeordnete Laura Garavini darauf, dass die Mitte-Links-Partei Wurzeln in allen gesellschaftlichen Schichten schlagen kann: «Bersani spricht die Sprache des einfachen Volkes, und er versteht etwas von Wirtschaft und Sozialem.» (oku/sda)
Erstellt: 26.10.2009, 13:47 Uhr
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