Erdogan dementiert Hitler-Lob

Recep Tayyip Erdogan sorgt mit einer Äusserung für Wirbel. Nun soll er Hitlerdeutschland als gutes Beispiel für ein Präsidialsystem bezeichnet haben. Sein Büro dementiert.

Hat keine Mehrheit im Parlament: Recep Tayyip Erdogan, hier bei der Klimakonferenz in Paris. (30. November 2015)

Hat keine Mehrheit im Parlament: Recep Tayyip Erdogan, hier bei der Klimakonferenz in Paris. (30. November 2015) Bild: Francois Mori/Keystone

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat dementiert, eine Regierung wie die von Adolf Hitler in Nazi-Deutschland zu befürworten. Erdogans Büro teilte am Freitag mit, es komme für ihn nicht infrage, Hitlerdeutschland als gutes Beispiel für ein Präsidialsystem zu bezeichnen. Am Donnerstag war Erdogan von Reportern gefragt worden, ob der von ihm angestrebte Umbau der türkischen Verfassung mit mehr Macht für den Präsidenten innerhalb eines «Zentralstaates» existieren könne.

Daraufhin hatte er gesagt: «Wenn Sie sich Hitlers Deutschland anschauen, können sie es sehen.» Es sei eines von mehreren historischen Beispielen für ein funktionierendes Präsidialsystem. Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete über die Äusserung Erdogans am Donnerstag, andere Medien am Freitag.

Keine Äusserung der Opposition

Sein Büro teilte nun mit, Erdogan habe den Holocaust, Antisemitismus und Islamhass als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Er habe die Ära Hitlers als negatives Beispiel angeführt, um zu erklären, dass schlimme Herrschaft bei Missbrauch in allen politischen Systemen - ob parlamentarisch oder präsidial - auftreten und in Katastrophen enden könne. Es sei nicht hinnehmbar, das Statement des Präsidenten als positiven Verweis auf Hitlerdeutschland wiederzugeben.

Die türkische Opposition äusserte sich zunächst nicht. Kritiker werfen dem früheren Ministerpräsidenten Erdogan einen zunehmend autoritären Regierungsstil vor und fürchten, dass er sich mit der von ihm angestrebten Verfassungsänderung weitreichende Vollmachten sicher will. Seinen Partei hat dafür allerdings keine Mehrheit im Parlament.

Der deutsche Reichstag hatte im Frühjahr 1933 seine Gesetzgebungskompetenz auf den Reichskanzler Adolf Hitler übertragen und ihm zugleich das Recht eingeräumt, bei seinen Gesetzeserlassen die Verfassung zu missachten. Gut ein Jahr nach dieser Selbstentmachtung des Parlaments sicherte sich Hitler per Volksabstimmung auch das Amt des Reichspräsidenten. (dia/sda)

(Erstellt: 01.01.2016, 18:43 Uhr)

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