Ausland

Euro-Gipfel schnürt grosses Massnahmenpaket

Aktualisiert am 27.10.2011 72 Kommentare

Europa hat ein umfassendes Massnahmenpaket gegen die Schulden- und Bankenkrise auf den Weg gebracht. Private Gläubiger wie Banken und Versicherer sollen auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten.

1/6 Müde nach erfolgreichen Verhandlungen: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy äussert sich zum Massnahmenpaket.
Bild: Keystone

   

Umfrage

Glauben Sie, dass mit dem Massnahmenpaket die Eurokrise überwunden ist?

Ja

 
11.0%

Nein

 
89.0%

163 Stimmen


Euro-Kurs klettert auf 1,40 Dollar

Die Beschlüsse des Krisen-Gipfels in Brüssel haben den Kurs des Euro steigen lassen: In Tokio notierte die europäische Gemeinschaftswährung am Donnerstag erstmals seit sieben Wochen wieder über 1,40 Dollar. Die Marke wurde allerdings nur kurz übersprungen, kurz darauf fiel der Kurs zurück auf 1,3990 Dollar. Am Abend vor dem Gipfel waren 1,3908 Dollar für einen Euro gehandelt worden. Die Staats- und Regierungschefs der Währungsunion hatten sich zuvor mit den Banken darauf geeinigt, Griechenland rund die Hälfte seiner Schulden zu erlassen. Zudem soll die Schlagkraft des Euro-Rettungsschirms EFSF auf eine Billion Euro ausgedehnt werden, um eine Ausweitung der Krise zu verhindern. (AFP)

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Der Euro-Gipfel einigte sich in Brüssel auf einen teilweisen Schuldenerlass für Griechenland. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach zehnstündigen Beratungen in Brüssel: «Wir haben heute Nacht gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen.»

Die Krisentreffen zogen sich wegen der zähen Verhandlungen mit den Bankenvertretern über Stunden hin. Dann schalteten sich Merkel, Sarkozy und Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker ein und brachten offensichtlich die Wende.

Schuldenschnitt für Griechenland

Mit dem Schuldenschnitt von 50 Prozent seien Banken und Versicherungen jetzt «substanziell» beteiligt, sagte die Kanzlerin weiter. Merkel erklärte, mit den Gläubigern sei das Ziel vereinbart worden, dass für Griechenland bis 2020 die Verschuldung von derzeit rund 170 auf 120 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung gekürzt werde.

Merkel sagte, der nominale Schnitt betrage 50 Prozent. Damit steuere der Privatsektor etwa 100 Milliarden Euro bei. Der öffentliche Sektor trage davon wiederum 30 Milliarden Euro als Absicherung neuer Anleihen bei sowie bis zu 100 Milliarden Euro an neuen Krediten.

Auf Grundlage des Schuldenschnitts ist nun ein neues Paket gepackt worden. Bis zum Jahr 2014 soll Athen weitere 100 Milliarden geliehen bekommen. Darin sind Hilfen für griechische Banken eingerechnet, die durch den Schuldenschnitt vermutlich in Schwierigkeiten geraten. Die Sparanstrengungen Athens sollen künftig dauerhaft überwacht werden, wie Angela Merkel sagte.

Rettungsschirm wird grösser

Die 17 Eurostaaten verständigten sich zudem auch darauf, die Schlagkraft des Rettungsfonds EFSF auf eine Billion Euro zu vervielfachen. Derzeit kann der Fonds 440 Milliarden Euro Kredite vergeben. Die Vervielfachung funktioniert mit einem sogenannten Hebel, der allerdings auch das Verlustrisiko bei Pleiten kriselnder Staaten erhöht.

Der EFSF wird nun teilweise das Risiko eines Zahlungsausfalls für Schuldtitel gefährdeter Eurostaaten übernehmen. Er bietet quasi eine Art Teilkaskoversicherung, wenn Schuldenstaaten neue Anleihen ausgeben.

Zudem soll ein neuer Sondertopf geschaffen werden, an dem sich der Internationale Währungsfonds IWF beteiligt. Dieser Fonds investiert in Anleihen, die der EFSF ebenfalls zum Teil absichert. Dabei könnten ausländische Investoren wie Staatsfonds aus China mitmachen.

Kernkapitalquote der Banken anheben

Der EU-Gipfel hatte sich zuvor schon über die Bankenkapitalisierung bis zum 30. Juni 2012 verständigt. Bis dahin müssen die systemrelevanten Banken ihre harte Kernkapitalquote auf neun Prozent anheben. Systemrelevante Banken würden bei einem Zusammenbruch das gesamte Finanzsystem gefährden.

Diese Banken müssen mit 106,45 Milliarden Euro rekapitalisiert werden, wie die Europäische Bankenaufsicht (EBA) in London bekanntgab. Die grössten Beträge brauchen mit 30 Milliarden Euro Banken aus Griechenland sowie mit 26,16 Milliarden Euro Institute aus Spanien, mit 14,77 Milliarden Euro italienische Banken und mit 8,84 der Finanzsektor in Frankreich. (sam, jak/sda, dapd)

Erstellt: 27.10.2011, 06:02 Uhr

72

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

72 Kommentare

Schorsch Baschi

27.10.2011, 07:31 Uhr
Melden 114 Empfehlung

Schuldenschnitt und wie alle die Vernichtungswaffen heissen, die nur dazu dienen dass sich die Politikerkaste weiterhin am Geldsäckel des Bürgers bedienen, bringen schlussendlich nichts. Schulden sind das Grundübel. Hier müsste angesetzt werde. Der Staat darf keine Schulden machen, er darf nur soviel ausgeben, wie er einnimmt. Alles andere ist Augenwischerei und unsere Enkel dürfen das ausbaden. Antworten


Marco Hanhart

27.10.2011, 07:14 Uhr
Melden 108 Empfehlung

Da lässt man die privaten Gläubiger indirekt 100 Milliarden beisteuern, nur damit man gleich wieder die selbe Summe als Kredit reinpumpen kann (eigentlich sogar noch mehr), kommt das nur mir pervers vor? Ist natürlich eine Möglichkeit die eigene Wirtschaft und den Export anzukurbeln, nur das löst doch das Problem nicht. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.