«Faschismus ist ein komplexes Phänomen»

Der römische Bürgermeister Giovanni Alemanno hat in Italien mit relativierenden Äusserungen zum Faschismus einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

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Sein Vorgänger, Oppositionsführer Walter Veltroni, ist heute aus Protest aus einer Kommission zurückgetreten, die für den Bau eines Holocaust-Museums in der Hauptstadt zuständig ist.

Alemanno hatte in einem Interview der Zeitung «Corriere della Sera» am Sonntag die von Benito Mussolinis Regime 1938 erlassenen Rassegesetze als «absolut böse» bezeichnet. Den Faschismus wollte er aber nicht genauso scharf verurteilen: «Faschismus ist ein komplexeres Phänomen», sagte der rechtsgerichtete Politiker, der Mitglied des Bündnisses Popolo della Liberta von Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist. «Viele Leute sind in gutem Glauben Mitglied geworden, und ich möchte sie nicht mit dieser Definition belegen.»

Mitte-links-Politiker warfen Alemanno vor, die Geschichte umzuschreiben und die Einschränkung der Freiheitsrechte seit Mussolinis Machtübernahme 1922 zu ignorieren.

Veltroni sagte, der Faschismus habe vor den Rassengesetzen die Freiheit der Bürger beseitigt, die nicht seiner Meinung gewesen seien. «Das war die einzige Partei im Parlament und die Gewerkschaften wurden zerschlagen», sagte er.

Nur ein Missverständnis?

Alemanno erklärte am Montag, er sei missverstanden worden. Der Aufschrei gegen ihn basiere «auf journalistischen Schlagzeilen und nicht der Realität meiner Äusserungen». Er forderte Veltroni auf, seinen Rücktritt aus der Kommission für das Holocaust-Museum zu überdenken, der er selbst auch angehört.

Der 50-jährige Bürgermeister war früher Vorsitzender der Jugendorganisation der bis in die 90er Jahre neofaschistischen Nationalen Allianz. Diese ist inzwischen mit Berlusconis Forza Italia im Bündnis Popolo della Liberta verbunden. Im April gewann er als erster rechtsgerichteter Politiker seit dem Zweiten Weltkrieg die Bürgermeisterwahl in Rom. (bru/ap)

(Erstellt: 08.09.2008, 16:04 Uhr)

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