Ausland

Franzosen strafen Sarkozy ab

Gemäss ersten Hochrechnungen nach den Regionalwahlen in Frankreich konnte die konservative Regierungspartei nur gerade ein einziges Departement gewinnen. Für Nicolas Sarkozy ist das eine verheerende Niederlage.

Landesweite Niederlage: Nicolas Sarkozy, hier im Abstimmungslokal am Sonntag, konnte nur ein Departement halten.

Landesweite Niederlage: Nicolas Sarkozy, hier im Abstimmungslokal am Sonntag, konnte nur ein Departement halten.
Bild: Reuters

Bei der Regionalwahl in Frankreich hat die Linke der konservativen Partei von Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine verheerende Niederlage zugefügt: Nach mehreren Hochrechnungen konnte der Pakt von Sozialisten, Grünen und Kommunisten in 23 der 24 Festlandregionen siegen und kam insgesamt auf mehr als 54 Prozent der Stimmen. Die UMP landete abgeschlagen bei knapp über 36 Prozent und verlor Korsika. Schwacher Trost für das Regierungslager: Allein im Elsass behauptete sich der konservative Regionalpräsident.

Der Ausgang der Regionalwahl ist ein herber Dämpfer für Sarkozy zwei Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl. Premierminister Francois Fillon räumte seine Enttäuschung über den Ausgang ein und erklärte, er übernehme seinen Teil der Verantwortung.

Die Sozialisten sehen sich dagegen im Aufwind. Expräsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, die in ihrer Region Poitou-Charentes auf 60 Prozent der Stimmen kam, deutete das Ergebnis als «Wahl für die Hoffnung» und zu einem «Sieg für das ganze Land».

Cohn-Bendit nimmt Präsidentenwahl ins Visier

Viele konservative Stammwähler sind von Sarkozy und seiner als hektisch und undurchdacht empfunden Reformpolitik enttäuscht. Steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Kaufkraft haben zum Popularitätsverlust des einstigen Hoffnungsträgers beigetragen. Ein Teil aus dem Sarkozy-Lager wanderte offenbar zur rechtsextremen Nationalen Front von Jean-Marie Le Pen ab, die noch in zwölf Regionen angetreten war und auf zehn Prozent der Stimmen kam.

Die UMP blieb schon in der ersten Runde unter 40 Prozent. Nach einem Anteil von gemeinsam 53,5 Prozent der Stimmen vor einer Woche schmiedeten die Sozialisten Bündnisse mit der grünen Sammelpartei Europe Ecologie und der Linksfront, der auch die Kommunisten angehören. In der zweiten Runde konnten das Bündnis seinen Vorsprung noch ausbauen.

«Das ist prima», freute sich der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit. «Aber die Schwierigkeiten beginnen erst.» Nun gehe es daran, dass Sozialisten und Grüne ein tragfähiges Projekt aufbauten, um ein erneutes Scheitern wie bei der vergangenen Präsidentenwahl in zwei Jahren zu vermeiden. (oku/ddp)

Erstellt: 21.03.2010, 20:57 Uhr

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