Überraschende Ehre in harten Zeiten
Aktualisiert am 09.10.2009 37 Kommentare
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Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama. Fiel die Wahl auf den Richtigen?
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Der Friedensnobelpreis
Der Friedensnobelpreis gilt als die bedeutendste internationale Auszeichnung im Bemühen um eine friedlichere Welt. Gründer des Preises ist der schwedische Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896).
In seinem Testament beauftragte er das Storting, das norwegische Parlament, jährlich bis zu drei Menschen oder Organisationen für ihre Verdienste um die Menschheit auszuzeichnen.
Die Preisträger werden jeweils im Oktober bekanntgegeben. Bei der feierlichen Verleihung am Todestag Nobels am 10. Dezember erhalten sie in Oslo eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld - in diesem Jahr zehn Millionen Schwedische Kronen (1,48 Millionen Franken).
«Nur selten hat eine Person im selben Ausmass wie Barack Obama die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen und ihren Völkern die Hoffnung auf eine bessere Welt gegeben», erklärt das Friedensnobelpreiskomitee in Oslo seine Entscheidung. «Seine Diplomatie beruht auf dem Konzept, dass die, die die Welt führen, dies auf der Grundlage der Werte tun sollten, die die Mehrheit der Weltbevölkerung teilen.»
Und so geht der Friedensnobelpreis 2009 an einen Hoffnungsträger; einen US-Präsidenten, der zum Ende der Nominierungsfrist im Februar gerade zwei Wochen im Amt gewesen war. An einen 48-jährigen Mann, dessen kometenhafter Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zum ersten dunkelhäutigen Präsidenten der Vereinigten Staaten schon im US-Wahlkampf nicht nur das eigene Volk, sondern die Welt in den Bann geschlagen hatte. Einen charismatischen Redner, der nach seinem Amtsantritt mit kühnen Auftritten die Vision einer atomwaffenfreien Welt wieder zu einem konkreten Ziel politischen Handelns machte. Und der mutig auf die islamische Welt zuging, ihr ein ernsthaftes Angebot für ein tolerantes Miteinander unterbreitete.
Möglicherweise liess sich das Friedensnobelpreiskomitee auch von rhetorischen Meilensteinen in Obamas junger Amtszeit nach der Nominierungsfrist leiten. In seiner Begründung machte es aber sehr bestimmt deutlich, dass es ihm dieses Mal um die Vision und nicht die Würdigung historischer Leistungen ging. «Seit 108 Jahren hat das norwegische Nobelpreiskomitee genau diese internationale Politik und dieses Verhalten anspornen wollen, für die Obama jetzt der wichtigste Fürsprecher in der Welt ist.» Dann zitiert es den US-Präsidenten selbst, unterstützt seinen Aufruf, dass «es jetzt für uns alle an der Zeit ist, unseren Teil der Verantwortung für eine globale Antwort auf globale Herausforderungen zu übernehmen».
Dass neun Monate nach seinem Amtsantritt manche Visionen in den Tretmühlen der Alltagspolitik auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zermahlen zu werden drohen, ändert nichts an Obamas Leistung, die Welt aus einer Schockstarre bequem gewordener Sachzwänge aufgeweckt zu habe. Zumindest vorerst, denn die hohe Auszeichnung - erst zum dritten Mal wurde ein amtierender US-Präsident mit dem Friedensnobelpreis bedacht - könnte auch eine Ermutigung sein, die mutigen Zielsetzungen weiter zu verfolgen.
Gedämpfte Erwartungen
In acht Wochen werden die Augen der Welt beim Weltklimagipfel in Kopenhagen nun noch erwartungsvoller auf Obama ruhen, obwohl inzwischen aus den USA Signale gekommen sind, dass die konkreten Klimaschutzmassnahmen hinter seinen ehrgeizigen Visionen zurückbleiben werden. Obamas Energieberaterin Carol Browner rechnet nicht mehr mit der Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes noch in diesem Jahr im Kongress. Und Obamas Demokraten haben gerade erst einen Gesetzentwurf dafür eingebracht, in dem angesichts einer wirkungsvollen Kampagne der oppositionellen Republikaner Begriffe wie «globale Klimaerwärmung» oder auch nur «Klima» gar nicht mehr vorkommen. Stattdessen ist von «Schadstoffreduzierung und Investment» die Rede, von einem «Gesetz für Arbeitsplätze durch saubere Energien».
Das ist nur ein Beispiel dafür, wie sich wohlklingende Visionen in einem politischen Alltag anpassen müssen, in dem die Gegenseite mit der Frage auftrumpfen kann, wer das alles bezahlen soll. Und Ängste schüren kann, dass erst einmal Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Ähnlichem Gegenwind sieht sich Obama in der Afghanistan-Politik und dem Kernstück seiner innenpolitischen Agenda, der Gesundheitsreform, ausgesetzt.
Mann mit Vision
Obama selbst hat zu seinen Vorstellungen vom Präsidentenamt einmal erklärt: «Dies ist ein Amt, um das man sich nicht einfach aus Ehrgeiz bewirbt. Man muss tief im Innern spüren, dass man eine Vision hat, für die sich der Einsatz lohnt.» Seine Vision hat Obama vor vier Jahren in seiner Parteitagsrede dargelegt: Eine Politik, die das Land nicht spaltet, sondern zusammenführt. Das Osloer Friedensnobelpreiskomitee hat mit seiner Entscheidung vom 9. Oktober 2009 Obama ermutigt, aber auch moralisch verpflichtet, diesen Weg weiter zu gehen. (sam/sda)
Erstellt: 09.10.2009, 13:15 Uhr
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37 Kommentare
Zum Glück ist die Wahl der Nobelpreisträger keine demokratische Angelegenheit, wo der Mehrheitsfähigste Kandidat gewinnt. Der Effekt, den das Komitee mit dieser Wahl hervorruft könnten für die Allgemeinheit und den Frieden auf der Welt nicht wertvoller sein. Wenn sich A. Nobel dieser Tage im Grab umdreht, dann aus Abscheu vor Scheinwissenschaft, wegen dem ungeheuerlichen sogenanten "wirtschaftsNP" Antworten
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