Sechs Tote bei Anschlag auf Polizei in der Türkei

Bei einem Angriff kurdischer Rebellen auf eine Polizeiwache im Südosten der Türkei sind sechs Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden.

Einsatzkräfte suchen nach Überlebenden: Mindestens sechs Menschen starben bei einem Autobombenanschlag in Diyarbakir. (14. Januar 2016)

Einsatzkräfte suchen nach Überlebenden: Mindestens sechs Menschen starben bei einem Autobombenanschlag in Diyarbakir. (14. Januar 2016) Bild: Ilyas Akengin/AFP

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Die Türkei wird weiter von Gewalt erschüttert. Mutmassliche PKK-Kämpfer haben im Südosten des Landes eine Polizeistation und eine benachbarte Polizeiunterkunft für Familien angegriffen. Unter den Toten sollen auch Kinder sein.

Beim Autobombenanschlag auf die Polizeistation in der Provinz Diyarbakir sind mindestens sechs Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden. Das Amt des Provinzgouverneurs machte die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für den Angriff im Distrikt Cinar in der Nacht zu Donnerstag verantwortlich.

In einer Mitteilung des Amts hiess es, unter den Toten und Verletzten seien Angehörige von Polizisten aus einer benachbarten Unterkunft für Familien der Beamten. Zeitgleich mit der Explosion hätten die Angreifer das Feuer mit Schusswaffen eröffnet.

Auch Kinder getötet

Zwei Zivilisten seien direkt durch den Autobombenanschlag getötet worden, teilte das Amt des Provinzgouverneurs weiter mit. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen starben zudem drei Kinder im Alter von fünf Monaten bis fünf Jahren, als ein angrenzendes Gebäude infolge der Schäden einstürzte. Türkische Nachrichtenagenturen berichteten von zwei getöteten Kindern.

Auch ein Polizist sei bei dem Anschlag getötet worden, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. «Ich verurteile diese Attacke auf das Schärfste», sagte er.

Die Autobombe sei am Eingang der Unterkunft hinter der Polizeistation detoniert, berichteten die Nachrichtenagenturen DHA und Anadolu. PKK-Kämpfer hätten ausserdem mit Gewehren und Raketen angegriffen. Zwischen Sicherheitskräften und den Angreifern sei es zu einem knapp 40-minütigen Gefecht gekommen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nach den Angreifern werde gesucht. Die PKK-nahe Agentur Firat berichtete, zunächst sei es zu einer Autobombenexplosion gekommen, dann sei die Polizeistation mit Raketen angegriffen worden. Das fünfstöckige Gebäude sei zerstört worden. Firat machte keine Angaben zu den Angreifern.

Im Bezirk Nusaybin der südosttürkischen Provinz Mardin kam es zu einem weiteren Anschlag. Ein 42-jähriger Mann sei am Donnerstag durch einen von der PKK gelegten Sprengsatz getötet worden, berichtete DHA. Die Bombe habe einer Polizeipatrouille gegolten. Die Polizisten seien unverletzt.

Seit Wochen Ausgangssperren

Seit dem Zusammenbruch einer Waffenruhe im Sommer verschärft sich der Konflikt zwischen der Regierung und der PKK. Mitte Dezember begann die Armee eine Offensive gegen die PKK.

In mehreren Städten geht sie unter anderem mit Kampfpanzern gegen PKK-Anhänger vor, die sich in Wohngebieten verschanzt haben. Im zentralen Viertel Sur in der Kurdenmetropole Diyarbakir sowie in Vierteln der Städte Cizre und Silopi gelten seit Wochen Ausgangssperren.

Seit Mitte Dezember sind alleine in Sur, Cizre und Silopi nach Angaben der Armee mehr als 500 PKK-Kämpfer «neutralisiert» worden. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei kamen in dem Zeitraum in diesen Gebieten rund 100 Zivilisten ums Leben.

Am Dienstag war es in Istanbul zu einem verheerenden Anschlag gekommen. Ein Selbstmordattentäter riss zehn deutsche Touristen mit in den Tod. Dir türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich, die sich bislang aber nicht dazu bekannt hat. (chk/mlr/sda/AFP)

(Erstellt: 14.01.2016, 04:16 Uhr)

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