Grenzzäune: Hier hat Europa schon dichtgemacht

SVP-Asylchef Andreas Glarner will die grüne Grenze der Schweiz mit Stacheldraht abriegeln. Diese Länder haben das bereits getan.

Die europäischen Grenzzäune auf einen Blick: Klicken Sie für eine grössere Ansicht auf die Karte.

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Vor der Abstimmung über die Asylgesetzrevision am 5. Juni machte SVP-Nationalrat Andreas Glarner in einem Interview provokante Aussagen: «Die Schweiz muss ihre grüne Grenze mit einem Stacheldrahtzaun abriegeln», sagte er. Mit dieser Forderung ist er nicht allein. Besonders in den letzten Jahren wurden in Europa immer mehr Grenzzäune gebaut, um Migranten und Flüchtlinge daran zu hindern, unkontrolliert Landesgrenzen zu passieren. Ein Überblick.

Ceuta (1) und Melilla (2)Spanien



Die beiden Exklaven Ceuta und Melilla liegen in Marokko, gehören aber zu Spanien. Hier wurden die ersten Grenzzäune schon Mitte der 90er-Jahre errichtet, jener um die Stadt Ceuta wurde 2005 von drei auf sechs Meter erhöht. Auch Melilla ist von einem Zaun umschlossen. Beim Versuch, über diese diese Grenzen zu klettern, sind immer wieder Personen gestorben. Manchmal gelingt es aber auch einigen, den Zaun zu stürmen. Zuletzt Ende 2015, als fast 200 Migranten die Grenze stürmten.

Griechenland (3)


Die türkisch-griechische Grenze in der Nähe von Orestiada (6. Februar 2012). Foto: Vassilis Ververidis (Reuters)

Griechenland begann 2012 mit dem Bau eines Zauns an der griechisch-türkischen Grenze. Da der Grenzfluss Evros ein Überqueren der Landesgrenzen über weite Strecken verhindert, ist der Zaun selbst nur knapp elf Kilometer lang. Er liegt zwischen dem griechischen Orestiada und dem türkischen Edirne und ist mit Videokameras, Sensoren und fast 370'000 Meter Stacheldraht ausgerüstet. «Wir werden die Einfallstore versiegeln», sagte der griechische Justizminister Nikolaos Dendias. Nach Angaben des Innenministeriums kamen damals pro Jahr bis zu 130'000 Menschen über den Landweg. Zum Vergleich: Allein im Spitzenmonat Oktober 2015 kamen fast doppelt so viele (211'000 Personen) über den Seeweg in Griechenland an (hier gehts zur Übersicht des UNHCR).

Bulgarien (4)


Polizisten an der bulgarisch-türkischen Grenze (17. Juli 2014). Foto: Stoyan Nenov (Reuters)

Kurz nach Griechenland beschloss auch Bulgarien, einen Zaun im Grenzgebiet zur Türkei zu bauen. Der erste Abschnitt war 30 Kilometer lang und verlief durch ein «grünes» Gebiet, in dem die Arbeit für den Grenzschutz schwierig war. Letztes Jahr kündigte das bulgarische Innenministerium an, es wolle die gesamte Landesgrenze zur Türkei abriegeln. Bulgarien kommt dabei zugute, dass es noch über alte Wachtürme aus Ostblockzeiten verfügt. Eigentlich wurden diese seit dem Ende des Kalten Kriegs stetig abgebaut, doch seit einigen Jahren geht der Trend in die andere Richtung, wie das deutsche Magazin «Focus» schreibt: Die Befestigungen werden wieder ausgebaut. Bulgarien gehört zu den ärmsten EU-Ländern.

Ungarn (5–8)


Eine Familie versucht, von Serbien nach Ungarn zu kommen (27. August 2015). Foto: Bernadett Szabo (Reuters)

Kein anderes Land hat mehr Grenzzäune errichtet als Ungarn. 2015 war der Bau eines 170 Kilometer langen und vier Meter hohen Zauns an der Grenze zu Serbien beendet. «Es geht nicht darum, die Grenze völlig dichtzumachen», sagte der ungarische Ministerpräsident. «Jeder kann sie passieren – aber nur an einem speziellen Übergang, mit einem gültigen Pass und somit legal.» Seither hat Ungarn auch an den Grenzen zu Kroatien, Rumänien und Slowenien Zäune errichtet. Nicht alle Nachbarstaaten waren darüber erfreut. Rumäniens Aussenminister sprach von einer «politisch unkorrekten Geste», die dem «Geiste Europas» widerspreche. Als die internationale Kritik immer lauter wurde, baute Ungarn den Grenzzaun zu Slowenien (8) wieder ab.

Slowenien (9)


Die erste von drei Rollen: Soldaten an der slowenisch-kroatischen Grenze. Foto: Darko Bandic (Keystone)

Um die Balkanroute unattraktiver zu machen, riegelten immer mehr Länder ihre Grenzen ab. So auch Slowenien. Im November 2015 errichtete es einen Zaun – offiziell eine «temporäre physische Barriere» – an der Grenze zu Kroatien, drei Rollen Nato-Stacheldraht, knapp zwei Meter hoch. Die 400 Kilometer zwischen Slowenien und Kroatien bilden die südöstliche Grenze des Schengenraums, jenem Gebiet, in dem ohne Pass frei gereist werden kann.

Mazedonien (10)




Ende November 2015 begann Mazedonien mit dem Bau eines metallenen Zauns an der Grenze zu Griechenland. Der mazedonische Präsident Djordje Ivanov sagte: «Diese Balkanroute hat sich als schnellste für die Flüchtlinge erwiesen. Sie wird von den Migranten am häufigsten benutzt», und betonte die durch die Einwanderungswelle besonders grosse finanzielle Belastung für sein Land. Im Februar dieses Jahres begann dann schon der Bau eines zweiten Zauns. Er soll 30 Kilometer lang werden und fünf Meter hinter dem ersten Zaun stehen. «Das ist eine massive Anlage, die sicherlich kein Provisorium sein soll», sagte ein ARD-Korrespondent nach einer Recherche vor Ort. Für viele Personen wurde der Weg nach Mazedonien zur Sackgasse, sie sassen in den Grenzorten Idomeni oder Gevgelija fest.

Österreich (11, 12)


Die Grenze zwischen Österreich und Slowenien (22. Januar 2016). Foto: Christian Bruna (Keystone)

Internationale Beobachter befürchteten in Europa schon seit dem Bau der ersten Grenzzäune eine Art «Dominoeffekt». Anfang Dezember 2015 begann Österreich mit den Bauarbeiten am Grenzübergang zu Slowenien (11). Fast vier Kilometer lang ist der Zaun, Stacheldraht inklusive. «Es geht um eine geordnete Einreise, nicht um eine Sperre», sagte Kanzleramtsminister Josef Ostermayer. Rund 500 Soldaten sollen die eintreffenden Personen an diesem Grenzübergang kontrollieren. Ende März dieses Jahres wurde zudem bekannt, dass auch ein Zaun an der österreichisch-ungarischen Grenze geplant ist (12). Nach Vorbild des ersten Zauns soll es auch im Burgenland ein «Grenzmanagement» geben. Laut Informationen der österreichischen Zeitung «Kurier» soll dieser zweite Zaun 30 Kilometer lang werden und bis spätestens Ende Mai stehen.

Calais (13)Grossbritannien, Frankreich


Ein Bewohner des Flüchtlingslagers in Calais (30. Dezember 2015). Foto: Pascal Rossignol (Reuters)

Auch im Westen Europas werden Zäune gebaut: Die britische Regierung gab im Sommer 2015 bekannt, dass sie 7 Millionen Pfund für den Bau eines drei Meter hohen Zauns bereitstelle, der um die Eurotunnel-Geleise des Terminals Calais herum errichtet werden soll. Damit soll verhindert werden, dass Menschen versuchen, in den Tunnel und damit nach Grossbritannien zu gelangen. Mehrere Personen sind dabei bereits gestorben. Anfang März wurde das Flüchtlingslager im französischen Calais teilweise geräumt. Dabei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Grosses Polizeiaufgebot in Calais. (Video: Reuters)

Viele Flüchtlinge wollen Calais nicht verlassen: Sie hoffen, mit Fähren über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel nach Grossbritannien zu gelangen.

Türkei


Betonblöcke im Südosten des Landes (28. April 2014). Foto: Cihan News (Reuters)

Ausserhalb Europas werden ebenfalls Landesgrenzen abgeriegelt: Die Türkei ist dabei, an der Grenze zu Syrien eine Mauer zu errichten. Sie soll strategisch wichtige Abschnitte der rund 900 Kilometer langen Grenze sichern. Unklar ist noch, was diese Mauer alles beinhaltet: Mehrere Quellen berichten, dass die Türkei sogar Selbstschussanlagen plant. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2016, 16:39 Uhr

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