Grossbritannien verhängt Einreiseverbot gegen Dieudonné

Als erstes Land hat Grossbritannien den umstrittenen Komiker zur Persona non grata erklärt. Das zeigt ein Dokument der britischen Behörden. Am Montag soll Dieudonné in der Schweiz auftreten.

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In einer Woche wird das Urteil im Verfahren gegen Dieudonné wegen Beleidigung, übler Nachrede und Gewaltverherrlichung gefällt. Der französische Komiker bekommt die Repressionen gegen seine Person allerdings schon jetzt zu spüren. Nachdem aufgrund seines umstrittenen Bühnenprogramms Auftrittsverbote verhängt wurden, wird Dieudonné nun in seinen Reisemöglichkeiten eingeschränkt.

Die britische Grenzwache bestätigt Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, wonach Grossbritannien ein Einreiseverbot gegen den 47-Jährigen verhängt hat. Die britische Einwanderungsbehörde versandte gestern ein Schreiben an die Fluggesellschaften, welche die Nordatlantik-Insel anfliegen. Unter den Personalien des Komikers, der mit vollem Namen Dieudonné M'Bala M'Bala heisst, steht geschrieben: «Diese Person darf nicht nach Grossbritannien transportiert werden».

Will Dieudonné zu Anelka?

Im Dokument, das Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus vertrauenswürdiger Quelle zugespielt wurde, warnt die Grenzwache vor einem Transport Dieudonnés. Falls sich die Fluggesellschaften der Anweisung widersetzen, müssen sie damit rechnen, die Kosten zu übernehmen, die bei einer allfälligen Verhaftung und einem Rücktransport des Komikers anfallen. Zudem wird im Papier von einer Busse in der Höhe von bis zu 10'000 Britische Pfund (knapp 15'000 Schweizer Franken) gewarnt.

Offenbar plante Dieudonné tatsächlich eine Reise nach Grossbritannien. In London plant er gemäss «Daily Mail» einen Solidaritäts-Auftritt für den französischen Fussballspieler Nicos Anelka. Der Stürmer von West Bromwich Albion bejubelte Ende Dezember einen Treffer mit dem Quenelle«-Gruss von Dieudonné. Viele in Frankreich sehen in der Geste einen verdeckten Nazigruss, andere betrachten sie dagegen lediglich als «ein Zeichen gegen das System».

Auftritt am Montagabend in Nyon

In Dieudonnés Tour-Kalender sind für die nächsten Wochen Auftritte in Frankreich und der Schweiz angekündigt. Am Montagabend möchte der Komiker seine umstrittene Show in Nyon (VD) vorführen.

Ob die Einreisesperre von Grossbritannien einen Einfluss auf den Auftritt am 3. Februar hat, ist zurzeit unklar. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) will auf Anfrage nicht sagen, ob sie ebenfalls entsprechende Massnahmen gegen Dieudonné prüft. Einreiseverbote werden vom Fedpol in der Regel nicht kommuniziert. Falls sich die Schweiz jedoch für dafür entscheiden sollte, könne eine solche Sperre «innert Stunden verhängt werden», sagt der Fedpol-Sprecher.

Der Komiker bretonisch-kamerunischer Abstammung sorgt immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Vergangene Woche hatte die französische Justiz bei Dieudonné rund 650'000 Euro und 15'000 Dollar in Bar beschlagnahmt. Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts des betrügerischen Bankrotts, der Geldwäsche und der Unterschlagung von Gesellschaftervermögen.

Zweifelhaftes Finanzgebaren

Dieudonnés Anwalt Jacques Verdier bestätigte am Mittwoch, dass Geldsummen beschlagnahmt worden seien, nannte aber den genannten Betrag von rund 650'000 Euro «überzogen». Er versicherte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP, dass das Geld von Ticket-Einnahmen der Auftritte Dieudonnés stamme: «Alles ist völlig transparent.»

Noch höhere Wellen als sein zweifelhaftes Finanzgebaren werfen die antisemitischen Äusserungen, die der Komiker in sein Repertoire einbaut (siehe Box links). Die juristische Auseinandersetzung um Auftrittsverbote für Dieudonné hatte Frankreich im Januar tagelang in Atem gehalten. Inzwischen tritt der Komiker mit einer abgemilderten Fassung seines Bühnenprogramms wieder auf.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.02.2014, 17:51 Uhr)

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Warnhinweis an die Fluggesellschaften: Klicken Sie auf das Bild, um das vollständige Flugblatt der britischen Einwanderungsbehörde zu sehen.

Dieudonnés Repertoire

Dieudonné M’Bala M’Bala schockiert die Franzosen mit seinen eindeutig zweideutigen Sprüchen und seinen antisemitischen Tiraden schon seit Jahren. Die neuerliche Polemik begann vor einigen Wochen mit einer Ausfälligkeit gegen den Radiojournalisten Patrick Cohen, der die Morgensendung von France Inter moderiert: «Wenn ich Patrick Cohen am Radio höre», sagte Dieudonné in seiner Show, «denke ich mir, die Gaskammern . . . schade!» Cohen ist Jude.

Dieudonnés Repertoire ist voller Referenzen zum Zweiten Weltkrieg. Das Gedenken an die jüdischen Opfer, die Schoah, hält er für eine Übertreibung. Er wiegt sie mit den Opfern des Sklavenhandels auf, für die man sich nicht engagiere. Um das Schicksal der Juden zu banalisieren, erfand er den Begriff «Schoahnanas», eine Wortkombination aus Schoah und Ananas, und machte daraus ein Lied. Im Video dazu tanzt ein Mann in weisser Kutte mit gelbem Davidstern. Einmal sagte er bei einem Auftritt gut hörbar «Isra-Heil», behauptete danach aber, er habe nur das e falsch betont.

Seine bevorzugten Zielscheiben sind berühmte Franzosen jüdischen Glaubens: der Philosoph Bernard-Henri Lévy zum Beispiel, der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, der Sänger Patrick Bruel. Dieudonné versteckt seine politischen Präferenzen nicht, er tritt zuweilen auch mit ihnen auf. Einmal rief er den bekannten französischen Holocaust-Leugner Robert Faurisson auf die Bühne des Pariser Zénith und bat sein Publikum um eine Ovation.

Zu seinen besten Freunden zählt Alain Soral, ein rechtsextremer Essayist. Von Philippe Pétain, der Frankreich einst an Nazideutschland anlehnte und Deportationen französischer Juden zuliess, sagte Dieudonné kürzlich: «Pétain war weniger rassistisch als Hollande.» Bei anderer Gelegenheit: «Ich mochte Pétain, der hatte eine gute Nase.»

Andere politische Helden Dieudonnés waren der libysche Herrscher Muammar al-Ghadhafi und der frühere iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Sympathisch ist ihm auch der syrische Machthaber Bashar al-Assad – bis heute. Im letzten Jahr inszenierte er eine Prämierung für Assads «Gesamtwerk». Ironisch war sie nicht gemeint.
(om)

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