Ausland

Guttenberg rechnet mit Universität Bayreuth ab

Aktualisiert am 29.11.2011 40 Kommentare

Der Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg teilt erneut aus, nachdem er eine gewisse Reue zeigte. Zudem kündigt der frühere Minister seinen ersten grossen Auftritt in Deutschland nach dem Rücktritt an.

Neue Frisur für den neuen Anlauf in die Politik: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), ehemaliger Verteidigungsminister Deutschlands.

Neue Frisur für den neuen Anlauf in die Politik: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), ehemaliger Verteidigungsminister Deutschlands.
Bild: Keystone

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Nach dem Rücktritt als Verteidigungsminister im letzten Frühling wird Karl-Theodor zu Guttenberg in rund zwei Monaten erstmals wieder vor einem grossen Publikum in Deutschland auftreten. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine politische Veranstaltung. Der frühere Star der deutschen Regierung wird an einem Unterhaltungsabend auftreten. Bei der Verleihung des «Ordens wider den tierischen Ernst» des Aachener Karnevalvereins soll der CSU-Politiker die Laudatio auf den Kabarettisten Ottfried Fischer halten, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Guttenberg ist als Laudator vorgesehen, weil er im letzten Januar selber den Orden bekommen hat. Die Tradition sieht vor, dass der Ordenträger die Laudatio auf seinen Nachfolger zu halten hat.

Mit dem Auftritt beim launigen Anlass des Aachener Karnevalvereins kann Guttenberg wieder um Sympathien buhlen, die er in diesen Tagen teilweise verspielt – zusätzlich zu den Sympathien, die er mit der Plagiataffäre verloren hat. Im Interview-Buch «Vorerst gescheitert», das heute Dienstag in Deutschland in die Läden kommt, kritisiert Guttenberg nicht nur seine Partei, die CSU, sondern auch die Universität Bayreuth, wo er seinen inzwischen aberkannten Doktortitel erlangt hatte. Dies sei die «Rache des Depromovierten» schreibt dazu «Spiegel online». Der Ex-Doktor greift ausgerechnet jene Hochschule an, die ihm lange wohlgesinnt war.

Uni Bayreuth war «nicht unabhängig»

Die Universität Bayreuth sei in dem Plagiatsfall «leider nicht unabhängig» gewesen, sondern habe offenbar aus Angst vor dem Verlust von Forschungsgeldern vorschnell ge- und verurteilt, sagt Guttenberg im Buch, das in Zusammenarbeit mit dem «Zeit»-Chefredaktor Giovanni di Lorenzo entstand. Guttenberg räumte ein, dass die Plagiataffäre der Universität geschadet habe. Doch statt die Vorgänge unabhängig zu bewerten, sei die Universität Bayreuth «immer Partei» gewesen. Auch bei einem Ansehensverlust hätte die Wissenschaftseinrichtung «nicht Regeln und den Schutz von Persönlichkeitsrechten über Bord werfen» dürfen, meint Guttenberg. Er sei schliesslich kein «Betrüger». Dagegen stellte die Untersuchung der Universität Bayreuth «vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten» fest. Die im Interview-Buch geäusserte Kritik weist die Universität Bayreuth entschieden zurück.

Interview-Buch wird ein Bestseller

Schon vor der Veröffentlichung am heutigen Dienstag zeichnete sich ab, dass das Guttenberg-Buch ein Bestseller wird. Ein Grossteil der 80'000 Exemplare umfassenden Startauflage von «Vorerst gescheitert» sei bereits durch Buchhändler und Käufer vorbestellt, sagte ein Sprecher des Herder Verlages in Freiburg. Auf dem Bestsellerrang des Internethändlers «Amazon» belegte der Gesprächsband am Montag Rang 13.

Guttenberg war im März als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er seine Dissertation in weiten Teilen abgeschrieben hatte. Die Universität Bayreuth entzog ihm deshalb den Doktortitel. Im Sommer war der Politiker mit seiner Familie in die USA gezogen. Dort nahm er ehrenamtlich einen Job beim Thinktank für Strategische und Internationale Studien CSIS an. Für Aufsehen sorgte Guttenberg vor rund zwei Wochen, als er an einer Podiumsveranstaltung im kanadischen Halifax auftrat. (vin)

Erstellt: 29.11.2011, 11:03 Uhr

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40 Kommentare

Herbert Berger

29.11.2011, 11:47 Uhr
Melden 84 Empfehlung

Interessant: Da fälscht einer seine Doktorarbeit und statt Reuhe zu zeigen, wirft er der Uni vor, dass sie ihm diese Arbeit abgenommen haben. Also ist jetzt neuerdings der Betrogene schuld und nicht der Betrüger bei einem Betrug. Nach dieser Logik wird in Zukunft statt dem Verbrecher das Opfer verurteilt. Der Freiherr ist nicht nur blaublütig, sondern offenbar auch blauäugig. Antworten


Thomas Wepfer

29.11.2011, 11:52 Uhr
Melden 75 Empfehlung

Die Verhaltensweisen von Herrn Guttenberg sind faszinierend, durch unermüdliches Diskutieren versucht er zu verhindern, dass die Folgen seines Tuns auf seinen Ruf abfärben. Angesichts der Höhe seines Verschuldens wird ihm das aber bei intelligenten Menschen nicht gelingen, und somit bleibt ihm nur noch die tragische Karriere als Medien-Kasperle und Bauernfänger. Antworten




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