«Guttenberg wird auf die grosse politische Bühne zurückkehren»
Interview: Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 01.03.2011 27 Kommentare
«Man muss sich in der Politik auch Schrammen holen, wenn man aufsteigen will»: Gerd Langguth, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn.
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Herr Langguth, was hat den Ausschlag gegeben, dass Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister zurückgetreten ist?
Guttenberg war erschöpft durch die ständigen, schweren Angriffe auf seine Person. Die Bewältigung der Plagiatsaffäre hat Spuren bei ihm hinterlassen. Ausserdem hat Guttenberg eingesehen, dass er Fehler gemacht hat – Fehler, die ein Minister nicht machen darf. Sein Kontrahent Horst Seehofer, Ministerpräsident Bayerns und Vorsitzender der CSU, darf sich aber nicht zu früh freuen.
Wie meinen Sie das?
Guttenberg wird auf die grosse politische Bühne zurückkehren wollen. Er hat zu sehr Freude und Spass an der Politik, als dass er sich zurückziehen würde. Im Vordergrund seiner Überlegungen dürften der Vorsitz der CSU und das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten stehen. Guttenberg tritt nun zunächst einen Bussgang an. Und ein Bussgang führt oft zum Hochamt, wie die Geschichte zeigt. Und da hilft die grosse Popularität Guttenbergs.
Wie lange wird Guttenbergs Bussgang dauern?
Das hängt von der politischen Entwicklung bis zu den nächsten Bundestagswahlen im Jahr 2013 ab. Ein weiterer Faktor ist, ob Guttenberg sein Mandat im Deutschen Bundestag behält. Dem Vernehmen nach wird er auf das Mandat verzichten.
Wie stark trifft der Rücktritt von Guttenberg die Regierung von Angela Merkel? Kann von einem Schockzustand im Kabinett die Rede sein, wie «Spiegel Online» schreibt?
Nein. Die Plagiatsaffäre wird sich kaum zu einer Regierungskrise ausweiten. Der Abgang von Guttenberg ist allerdings schon ein Verlust für Merkel und die Koalition aus Union und FDP. Guttenberg hat für die Regierung viele Sympathien in der Bevölkerung mobilisiert, auch ausserhalb der Wählerschaft der Union.
Wer wird neuer Verteidigungsminister?
Es gibt keinen Politiker, der sich für dieses Amt aufdrängt. Ich gehe davon aus, dass die CSU Anspruch auf das Verteidigungsministerium erheben wird. Das Amt des Verteidigungsministers ist undankbar, und es gehört zu den schwierigsten in der Regierung. Die meisten Verteidigungsminister Deutschlands sind vorzeitig zurückgetreten.
Einer dieser Minister war der CSU-Politiker Franz-Josef Strauss, der 1962 infolge der «Spiegel»-Affäre das Amt zur Verfügung stellen musste. Strauss wurde fast 20 Jahre später Kanzlerkandidat der Union – allerdings ohne Erfolg. Kann auch Guttenberg Kanzlerkandidat werden?
Es ist Vorsicht geboten beim Versuch, Parallelen zwischen Strauss und Guttenberg zu ziehen. Aber es ist schon so, dass Guttenberg sehr weit kommen kann. Man muss sich in der Politik auch Schrammen holen, wenn man aufsteigen will. Diese Schrammen, die einen Politiker erden, hat sich Guttenberg nun mit der Plagiatsaffäre und seinem Rücktritt geholt. Zudem gibt es in der Bevölkerung eine Sehnsucht nach Typen wie Guttenberg.
Wie kann die Faszination für Guttenberg erklärt werden?
Guttenberg repräsentiert einen neuen Politiker-Typus, den es so in Deutschland noch nie gegeben hat. Er wirkt unabhängig und glaubwürdig. Er sagt, was er denkt. Guttenberg spricht vor allem die so genannten kleinen Leute an. Er erscheint ihnen wie eine Figur in einem Märchenwald. Er ist ganz anders als die anderen Politiker. Guttenberg ist sehr beliebt in der Bevölkerung. Nach dem Rücktritt dürfte seine Beliebtheit sogar noch grösser werden. Es gibt nicht viele Guttenbergs.
Ein Grund für Guttenbergs Popularität ist auch seine Nähe zu den Axel-Springer-Medien, insbesondere zur «Bild»-Zeitung. Nützt oder schadet dies einem möglichen Comeback von Guttenberg?
Das war bisher insofern ein Nachteil, als sich die grosse Mehrheit der Medien in der Hauptstadt Berlin gegen Guttenberg positionierte. Die exklusive Nähe zur «Bild»-Zeitung könnte als Anfängerfehler bezeichnet werden. Bei einem Comeback dürfte sich Guttenberg, was die Medien betrifft, breiter aufstellen, wenn er vorwärts kommen möchte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.03.2011, 19:30 Uhr
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27 Kommentare
Meine Güte! Durch ständige Wiederholung wird es auch nicht wahrer - es geht nicht um eine Plagiatsaffäre, es geht um Betrug und Lüge und die charakterliche Eignung eines Betrügers und Lügners für die Führung eines Staatsamtes. Charakter hat man, oder man hat ihn nicht. Aber ändern kann man ihn nicht.
Der Mann ist unrettbar beschädigt, und das ist scheinbar das Einzige, was er jemals geleistet hat.
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"Guttenberg repräsentiert einen neuen Politiker-Typus, den es so in Deutschland noch nie gegeben hat. Er wirkt unabhängig und glaubwürdig." Offenbar habe ich in den letzten Tagen irgendetwas ganz Entscheidendes nicht mitbekommen? Wenn Guttenberg wieder Politik machen sollte, wird diese Geschichte auf ewig an seinem Bein kleben und er wird all jene Bürger nie vertreten, die sich daran erinnern. Antworten
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