Hat ein Taxifahrer den Irak-Krieg verursacht?

Aktualisiert am 09.12.2009 13 Kommentare

Peinliche Enthüllung zum Beginn des Irak-Kriegs: Tony Blair genügte angeblich das Gerede eines irakischen Taxifahrers, um den Einmarsch zu rechtfertigen.

Soll sich auf fragwürdige Aussagen eines Taxifahrers gestützt haben: Tony Blair mit britischen Soldaten auf einer Militärbasis im Irak am 22. Dezember 2005.

Soll sich auf fragwürdige Aussagen eines Taxifahrers gestützt haben: Tony Blair mit britischen Soldaten auf einer Militärbasis im Irak am 22. Dezember 2005.
Bild: Keystone

Taxifahrer rund um den Globus sind geschwätzig und um schöne Anekdoten selten verlegen. Zuverlässig sind sie aber als Quelle nicht. Doch das scheint den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 nicht zu stören. Und den früheren Premierminister Tony Blair schon gar nicht. Er vertraute angeblich auf die Aussagen eines Taxifahrers an der irakisch-jordanischen Grenze, wonach Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfüge.

2002 erklärte der britische Premier: «Der Irak besitzt chemische und biologische Waffen. Seine Raketen sind binnen 45 Minuten einsatzbereit.» Der Rest ist bekannt: Diese These war entscheidend für die Intervention im Irak, welche in der Nacht zum 20. März 2003 begann.

«Zufällig mitgehörte Unterhaltung»

Den Vorwurf, dass das Geschwätz eines Taxifahrers als Beleg für die These herangezogen wurde, der Irak verfüge über biologische und chemische Massenvernichtungswaffen, hat der konservative Abgeordnete Adam Holloway erhoben. Er schreibt in einem Bericht der Denkfabrik «First Defence», die Angaben seien von einem Fahrer an der irakisch-jordanischen Grenze gekommen, «der sich an eine zufällig mitgehörte Unterhaltung in seinem Taxi vor zwei Jahren erinnert hatte».

Ein Geheimdienstmitarbeiter habe die Aussage in einer Fussnote zwar als «nachweislich falsch» bezeichnet. Die Regierung habe sie dennoch als wahr eingestuft und ihr Irak-Dossier darauf gestützt, schrieb Holloway. Die Regierung kommentiert die Vorwürfe nicht.

Der in Sicherheitskreisen gut vernetzte Holloway beruft sich auf zwei zuverlässige Geheimdienstquellen in London sowie auf einen zusätzlichen Informanten aus Washington. Demnach handelte es sich bei dem Taxifahrer um eine sogenannte «Sub-Quelle».

Auf Druck der Downing Street hätte der Geheimdienst damals möglichst viele Informationen zusammenbringen müssen, die einen Krieg rechtfertigen könnten, schreibt Holloway, der auch Mitglied des Verteidigungsausschusses ist. Die Agenten im Irak seien nach Informationen «ausgequetscht» worden.

Aufgebauscht, aber nicht manipuliert

Der Irak-Bericht von 2002 bekam später den Namen «dodgy dossier» (zwielichtiges Dossier), weil sich herausstellte, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte. Grossbritannien war im Frühjahr 2003 an der Seite der USA in den Irak einmarschiert - ohne Uno-Mandat und gegen den Willen der meisten Briten.

Der britische Ex-Geheimdienstchef John Scarlett hat sich gestern von diesem Irak-Bericht über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak distanziert. Die Anmerkung des damaligen Regierungschefs Tony Blair im Vorwort, der Geheimdienst habe die Existenz solcher Waffen «zweifelsfrei» belegt, basiere nicht auf den Geheimdienstinformationen, die er im Hauptteil dargestellt habe, sagte Scarlett.

Vor dem Untersuchungsausschuss über die britische Rolle im Irak-Krieg sagte er weiter, Kritik an Blair habe ihm als damaligem Geheimdienstchef allerdings nicht zugestanden. «Das Vorwort war eine offenkundig politische Aussage des Premierministers. Es waren durchgängig seine Worte und sein Kommentar.» (bru)

Erstellt: 09.12.2009, 12:51 Uhr

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13 Kommentare

Agron Alimi

09.12.2009, 11:41 Uhr
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Langsam sollte sowieso jedem klar sein, dass die Gründe für den Irak-Krieg weder Massenvernichtungswaffen, noch Terrorismus, noch "Demokratisierung des Landes" sind. Der Geopolitische Kampf der Hegemonialmächte ist Realität. Tony Blair wird eines Tages zu 99.8% der Präsident der EU sein...na dann gute Nacht Antworten


Christoph Maurer

09.12.2009, 10:39 Uhr
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Dass ein Tony Blair, der das politische Heu nicht wirklich auf der gleichen Bühne hatte wie George W., sich der gleichen miesen Mittel bedient hat, um diesen Krieg vom Zaun zu reissen, deutet auf mächtige andere Gründe hin als die vorgeschobenen. Dass wir diese nie wirklich erfahren werden, ist umso frustrierender, als genau deshalb nun die Verschwörungstheorien wieder ins Kraut schiessen werden. Antworten



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