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Silvio Berlusconi verbringt den heutigen Tag im siebten Stock des Mailänder Spitals San Raffaele, um sich von den Verletzungen zu erholen, die ihm ein 42-jähriger Italiener mithilfe einer Miniaturausgabe des Mailänder Doms zugefügt hat. Laut seinem Vertrauensarzt Alberto Zangrillo hat Berlusconi eine angebrochene Nase, zwei ausgeschlagene Zähne sowie eine blutige Lippe. Er muss zur Beobachtung im San Raffaele bleiben.
Im eben noch aufgewühlten und von gegenseitigen Anschuldigungen vergifteten politischen Klima wirkt der Domwurf am dritten Advent wie ein reinigendes Gewitter: Plötzlich schliessen sich in der eigenen Partei die Reihen hinter Berlusconi. Und die Opposition entdeckt ihr Mitgefühl mit dem Premier.
Die Reihen schliessen sich
Fast alle beteuern ihre Solidarität mit Berlusconi. Politiker und Angehörige besuchen den Verletzten am Spitalbett und geben sich dort die Klinke in die Hand. Und beschreiben anschliessend ihre ersten Eindrücke. «Ein Zentimeter höher und ich hätte ein Auge verloren», hat Berlusconi etwa dem ihm treu ergebenen TV-Journalisten Emilio Fede verraten. «Berlusconi leidet nicht nur wegen der Verletzungen, sondern vor allem wegen des politischen Hasses gegen ihn. Er begreift nicht die Gründe dieser Gewalt», erklärte Senatspräsident Renato Schifani. Staatspräsident Giorgio Napolitano wünschte Berlusconi telefonisch baldige Genesung.
Berlusconi malte in den letzten Wochen in düsteren Farben das Gespenst einer Verschwörung gegen ihn an die Wand. Daran würden sich neben der Justiz sogar Politiker aus dem eigenen Lager beteiligen. Tatsächlich hat ihn vor zehn Tagen ein reumütiger Mafioso schwer belastet. Ausserdem geht sein Parteikollege Gianfranco Fini, immerhin Chef des Abgeordnetenhauses, seit einiger Zeit demonstrativ auf Distanz zu ihm. So rief Fini wiederholt nachdrücklich zur Achtung der Institutionen und der Gewaltenteilung auf. Sogar Präsident Napolitano sprach dem Premier ins Gewissen. Dazu kommen die privaten Probleme: Seine Frau Veronica Lario hat inzwischen die Scheidung eingereicht. Die Verhandlungen laufen. Berlusconis Nervosität nimmt durch diese Angriffe auch aus seinem engsten Umfeld mitunter schon fast paranoide Züge an.
Wer ist der «Brandstifter»?
Gestern nun konnte Berlusconi auf das Mitgefühl der Öffentlichkeit und der Politik zählen. Lega-Chef Umberto Bossi verurteilte den «terroristischen Akt». Fini mahnte zu Mässigung und Ruhe und rief warnend die «bleiernen Jahre» des Terrorismus in Erinnerung, zu denen man um keinen Preis zurückkehren wolle.
Berlusconis Parteifreunde machten die «Kriminalisierungskampagne» gegen den Premier mitverantwortlich für das «Klima des Hasses». Und auch die Opposition gab sich angesichts der Attacke zahm. Nur zwei prominente Stimmen gab es, die es sich nicht verkneifen konnten, auf Berlusconis Rolle als «Brandstifter» hinzuweisen. Durch seine verbalen Rundumschläge habe er das Klima für solche Taten angeheizt und mitzuverantworten, sagte etwa Antonio Di Pietro. Ähnlich sieht das Exministerin Rosy Bindi von der Demokratischen Partei (PD): «Wir sind mit dem Premier zwar solidarisch, aber unter denen, die dieses Klima aufgebaut haben, ist auch Berlusconi.»
Selbst die Berlusconi-kritische «Repubblica» publizierte gestern einen eindringlichen Appell gegen Gewalt. Sie erinnerte allerdings auch an die Meinungsfreiheit, die es im Interesse der Regierung wie auch ihrer Kritiker unbedingt zu verteidigen gelte.
Rosi Bindi bleibt hart
Der Angriff löste aber nicht nur Entsetzen aus. So drückte Oppositionspolitikerin Rosi Bindi zwar ihr Bedauern über den Angriff aus. Gleichzeitig forderte sie den Premier jedoch auf, sich nicht als «Opfer» darzustellen. «Er ist selbst für dieses Klima voller Hass verantwortlich», sagte sie. «In Italien ist ein politischer Konflikt im Gange, leider kann es passieren, dass Personen den Kopf verlieren.»
Bindi war im Oktober in einer Sendung des staatlichen italienischen Fernsehens aufgetreten und hatte Berlusconi wegen seines Sex-Skandals kritisiert. Der rief damals im Studio an und sagte zu ihr: «Meine Dame, Sie sind wie immer schöner als intelligent.» Die grauhaarige Endfünfzigerin schlug zurück: «Ich bin keine dieser Frauen, die zu Ihrer Verfügung stehen.»
> (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.12.2009, 08:11 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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