«Ich bin froh, hat Jihad-Jane mich nicht ermordet»
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 11.03.2010
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Vilks im Interview mit Reuters
Jihad-Jane, der vielsagende wie kuriose Name ging gestern um die Welt. Er steht für die Amerikanerin Colleen LaRose, die jetzt in Pennsylvania festgenommen wurde. Sie soll einen Mordkomplott gegen den schwedischen Karikaturisten Lars Vilks geplant haben. Dass LaRose nicht die Einzige ist, die nach dem Leben des Künstlers trachtet, zeigte die gleichzeitige Festnahme von drei Frauen und vier Männern in Irland. Auch sie unter dem Verdacht, Vilks an den Kragen zu wollen.
Dabei hat der Schwede nichts anderes gemacht, als seinen Beruf auszuüben. Und das ist das Zeichnen von Karikaturen. Das allerdings mit spitzer Feder. 2007 zeichnete er einen Hund mit einem bärtigen Kopf des Propheten Mohammed. In der islamischen Welt kam es zu heftigen Protesten. Das Terrornetzwerk al-Qaida hatte 100’000 Dollar Kopfgeld ausgerufen. Man solle den Schweden «wie ein Lamm schlachten». Damit ereilte ihn das gleiche Schicksal wie sein dänischer Berufskollege Kurt Westergaard. Auch er zog den Zorn der Islamisten auf sich.
Fallen und Stacheldraht
Und das hat Westergaard bereits am eigenen Leib zu spüren bekommen. Am Neujahrstag war ein junger Muslim aus Somalia in Westergaards Haus eingebrochen und hatte versucht, ihn umzubringen. Seitdem lebt er an einem unbekannten Ort. Er hat allerdings nicht im Sinn, auf Dauer unterzutauchen.
Was tun also? Das eigene Haus in eine Festung umbauen? Nicht ganz, aber in diese Richtung geht es. «Panic Room» heisst das Konzept dieser bedrohten Künstler. «Wenn etwas passiert, weiss ich genau, was ich tun muss», sagt Vilks nun in einem AP-Interview in Stockholm. Wer glaubt, der Schwede behalte Details als Geheimnis für sich, irrt. Vor dem Haus habe er Fallen gebaut. Stacheldraht-Hindernisse inklusive. Seien die Eindringlinge erst einmal im Haus, will er sich mit der Axt wehren, die er bereit hält.
Dicke Stahltüre
Das wichtigste Element seiner Strategie aber ist der Raum, den er so eingerichtet hat, dass er sich darin bis zum Eintreffen der Polizei in Sicherheit glauben kann. Und das macht er wie sein Kollege Westergaard. Der Däne erzählte nach dem Angriff auf sein Haus, dass er sein Badezimmer mit einer dicken Stahltüre eingerichtet habe, ausgerüstet mit einem Nottelefon. Bereits wird über Sinn und Unsinn des Konzepts debattiert. «Warum einige europäischen Künstler Panikräume bauen», titelt eine Webpublikation, um über die Hintergründe zu sinnieren.
Bereits 2002 zeigte das amerikanische Kino den Thriller «Panic Room» von David Fincher. Der Streifen mit Jodie Foster und Forest Whitaker erzählt die Geschichte von einer Mutter, die mit ihrer Tochter eine Wohnung in Manhattan bezieht, ausgestattet mit einem speziellen Raum, indem man sich im Falle eines Überfalls verstecken kann. Nun wird also Fiktion Realität.
«Da habt ihr den Film»
Trotz der Bedrohungen lassen sich weder Westergaard noch Vilks einschüchtern. Sie verschanzen sich nicht in ihren neuen Festungen. «Ich werde mich nicht verstecken», sagte Westergaard nach dem Angriff auf ihn. Und auch Vilks bewegt sich weiter frei. Anders hatte das der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie gelöst, der mit seinen «Satanischen Versen» den Zorn der Muslime auf sich zog und dann für Jahre untertauchte.
Vilks nimmt die ganze Angelegenheit sogar mit einer gehörigen Portion Humor. «Ich bin froh, dass sie mich nicht ermordet hat», sagt er halb lachend im AP-Interview zur Festnahme von Jihad-Jane. «Das ist eine gute Geschichte. Es geht um böse Männer und einen good guy. Und sie versuchen ihn zu töten. (…) Und das ist noch diese Frau mit dem fantastischen Namen Jihad-Jane, die in der Gegend des Guten herumspioniert. (…) Da habt ihr den Film.» Hoffentlich wird sein fiktiver Film nicht Realität. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.03.2010, 10:42 Uhr
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